Autophagie und Fasten: Kalorienreduktion auf 60 Prozent

Ein Nobelpreis, Intervallfasten und die These von drei Mahlzeiten: Was Autophagie fördert und was noch unklar ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Autophagie und Fasten: Kalorienreduktion auf 60 Prozent
Weniger essen und fasten: Was die Wissenschaft über Autophagie sagt

Der Nobelpreis für Medizin 2016 an Yoshinori Ohsumi gab einem Prozess einen Namen, den der Körper seit jeher durchführt: Autophagie, bei der Zellen ihre eigenen Abfallstoffe abbauen und recyceln. Das Thema rückt wieder in den Fokus mit einer Zahl, die zweimal gelesen werden muss: Wir wären besser dran, wenn wir die Kalorienaufnahme auf 60% reduzieren würden. Diese These, zugeschrieben der Co-Direktorin des Einstein Institute for Aging Research in New York, besagt zudem, dass drei Mahlzeiten am Tag ausreichen und Snacking die zelluläre Reinigung behindert. Der Boden, auf dem diese Botschaft steht, ist rutschig: halb solide Evidenz, halb Wellness-Versprechen.

Was ist Autophagie und warum wurde sie mit einem Nobelpreis ausgezeichnet?

Der Prozess wurde erstmals 1960 identifiziert, aber seine Bedeutung erst durch die Arbeiten anerkannt, die Ohsumi in den 1990er Jahren entwickelte. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „sich selbst fressen“: Zellen bauen ihre eigenen Bestandteile ab und recyceln sie, beseitigen beschädigte Proteine und Organellen und gewinnen Energie sowie Bausteine für die Erneuerung.

Lysosomen fungieren als Recycling-Säcke. Während dieses Prozesses kann der Organismus sogar Viren und Bakterien nach einer Infektion zerstören. Nach der Anerkennung stürzten sich sowohl die Pharmaindustrie als auch die akademische Welt auf die Suche nach Medikamenten, die diesen Mechanismus stimulieren. Parallel dazu begannen Experten und weniger Experten zu behaupten, dass derselbe Schalter ohne Pillen aktiviert werden kann: durch Fasten, Kohlenhydrat-Restriktion oder hochintensives Training.

Reichen drei Mahlzeiten am Tag, um die Autophagie zu aktivieren?

Die Antwort der zitierten Forschung lautet ja, solange nicht zwischen den Mahlzeiten gesnackt wird. Die Logik ist einfach: Autophagie braucht ein Zeitfenster ohne Nahrung, um zu starten, also lässt das Snacken den ganzen Tag keinen Spielraum. Der praktische Vorschlag besteht darin, dieselbe Menge an Kalorien auf weniger Mahlzeiten zu konzentrieren. Im Labor selbst haben laut dem veröffentlichten Bericht mehrere Forscher Intervallfasten adoptiert und sogar ihre Feierlichkeiten so geplant, dass sie zum Essenszeitplan passen.

Der Zähler passt nicht für jeden gleich. Mit Frühstück um acht Uhr, Mittagessen um zwei Uhr und Abendessen um neun Uhr rechnet jemand nach und kommt zu dem Schluss, dass keine Autophagie möglich ist: Das Fenster zwischen der letzten Aufnahme und der ersten am nächsten Tag beträgt nur elf Stunden. Die Diskrepanz ist nicht geringfügig, denn davon hängt ab, ob der Rat zu drei Mahlzeiten nützlich ist oder nur eine geordnete Art zu essen darstellt.

Von 16 bis 22 Stunden: Die Fastenpraktiken im Alltag

Konkrete Erfahrungen gehen weit über drei Mahlzeiten hinaus. Manche sammeln zehn Tage Intervallfasten von 16 Stunden, haben zwei Kilo verloren, fühlen sich fokussierter und sind unfreiwillig bei 20 Stunden gelandet. Andere praktizieren nur eine Mahlzeit pro Tag (OMAD), mit 22-stündigem Fasten an vier oder fünf Tagen pro Woche, kombiniert mit einer gemäßigten Paleo-Diät. Wieder andere leben seit mehr als drei Jahren mit OMAD — einer einzigen täglichen Mahlzeit — nachdem sie anfangs viel Gewicht verloren hatten, später aber feststellten, dass sie auch Muskelmasse eingebüßt hatten.

Das Muster wiederholt sich: 18 Stunden Fasten mit einem sechsstündigen Essensfenster über fast drei Monate, fünf Kilo weniger und weitere fünf als Ziel. Im Katalog der veröffentlichten Methoden gibt es 15-Tage-Programme mit 16-stündigem Fasten dreimal pro Woche, Proteinreduktion an einem Tag und intensivem Training; der Autor behauptet, bei Freiwilligen einer Universität in Florida innerhalb von zwei Wochen bis zu 3,1 Kilo Gewichtsverlust beobachtet zu haben. Und da ist der Fall eines Teenagers, der zwischen neun und zehn Uhr zu Abend isst, erst um drei Uhr nachmittags wieder etwas zu sich nimmt, dreimal pro Woche Fußball trainiert plus Spiele und Calisthenics macht. Seine Ernährung enthält keine zuckerhaltigen Getränke. Die Einkaufsrechnung steigt allerdings: Joghurt, 90%-Schokolade, Nüsse und Obst.

Von Mäusen zu Menschen: Der Sprung, der noch nicht gelungen ist

Hier stoppt die Erzählung. Ein Professor für molekulare Neurogenetik an der University of Cambridge und Mitglied eines britischen Instituts für Demenzforschung fasst es ohne Umschweife zusammen: Bei Mäusen sieht man die Effekte des Fastens auf das Gehirn nach 24 Stunden und auf die Leber viel früher, aber es ist nicht bekannt, wie lange genau ein Mensch fasten müsste, um dasselbe zu erreichen. Den Prozess mit genetischen Werkzeugen, Medikamenten oder Fasten anzukurbeln, verlängert das Leben von Labortieren und hält sie in besserer Verfassung. Dies auf den Menschen zu übertragen, ist eine andere Geschichte.

Das Star-Modell zur Erforschung von Alterung und neurodegenerativen Erkrankungen ist der Fadenwurm C. elegans, der seit Jahrzehnten verwendet wird. Beim Menschen fehlen randomisierte Studien über zwölf Monate, und eine der wenigen vergleicht Intervallfasten mit täglicher Kalorienrestriktion innerhalb eines Verhaltensprogramms zur Gewichtsabnahme. Autophagie wird unterdessen mit Schutz vor übermäßiger Entzündung und besserer Infektionskontrolle in Verbindung gebracht. Plausible Vorteile, offene Größenordnungen.

Die Qualität des Tellers zählt genauso wie die Uhr

Viele, die die Sache diskutieren, stimmen in einem Punkt überein, der oft nicht in die Schlagzeilen gelangt: Es kommt mehr darauf an, was man isst, als wann. Dieselbe Menge an Kalorien hat nicht denselben Effekt, wenn sie aus Ultra-verarbeiteten Lebensmitteln stammt statt aus Fleisch, frischem Fisch, Gemüse und gesunden Fetten. Das Kernargument ist, dass verarbeitete Lebensmittel darauf ausgelegt sind, den Körper zu verwirren, der nicht daran angepasst ist und Sättigung nicht richtig erkennt.

Gegenüber der offiziellen Erzählung herrscht Misstrauen. Ein Teil der Öffentlichkeit liest die Botschaft, weniger zu essen, als Vorwand dafür, dass die Anpassungskosten von den Haushalten getragen werden sollen, und in denselben Topf fallen Heilmittel ohne wissenschaftliche Grundlage, die in die Diskussion eindringen, wie Meerwasser oder MMS. Ein Fastenfenster ist nicht dasselbe wie ein Wundermittel-Versprechen.

Der Punkt, an dem die Analyse ins Stocken gerät, ist nicht, ob Fasten schlank macht — da besteht breite Übereinstimmung — sondern wie viele Stunden nötig sind, damit die zelluläre Reinigung beim Menschen startet und ob die Reduktion um 60% bei den Kalorien eine übertragbare Zahl ist oder nur eine Schlagzeile. Die Evidenz bei Mäusen ist solide; die Übersetzung auf den Menschen bleibt ein Entwurf.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (156 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver