Audax: Vom Kaufrausch bei 1,09 zum Absturz auf 1,20 durch Short-Seller
Audax Renovables ist zum Referenzwert für spekulative Aktien im spanischen Börsenhandel geworden. Zwischen März und April 2018 stieg die frühere Fersa von 1,09 auf 2,25 Euro – ein Plus von 15 % in einer einzigen Sitzung – und erreichte zeitweise fast 2,60 Euro. Monate später notierte der Wert nahe 1,20 Euro, während mehrere Hedgefonds mit Leerverkaufspositionen im Aktionärskreis vertreten waren. In dieser Zeit gab es eine Reihe wesentlicher Ereignisse, Gerüchte und eine Kapitalerhöhung, die den Kurs belasteten.
Wie Audax innerhalb eines Monats von 1,09 auf 2,40 Euro stieg
Die erste Phase war reine Hektik. Wer bei durchschnittlich 1,09 Euro gekauft hatte, sah, wie der Kurs die Marke von 1,21 durchbrach, 1,41 übertraf und bei 2,25 Euro landete. Die Tagesbewegungen waren lehrbuchmäßig: Käufe bei 1,30 und Verkäufe fünf Minuten später bei 1,34, um 2,5 % (500 Euro) Gewinn zu erzielen; Einstiege bei 1,08 und Ausstiege bei Handelsbeginn bei 1,30. Ein einziger Tag brachte Gewinne von 10 % und 15 %. Der gesamte Wert war eine Achterbahnfahrt, wie Händler sagten: der Ferrari des Kontinuums.
Die gesamte Erneuerbare-Energien-Branche war damals heiß gelaufen. Solaria, das 2007 mit 10 Euro an die Börse gegangen war und danach stark gefallen war, zog den Rest mit. Die These wurde oft wiederholt: Das sonnenreichste Land Europas hatte nur ein Drittel so viele Solarmodule installiert wie Deutschland. Die sogenannte "Sonne-Steuer" tat ihr Übriges.
Was ist ein HR und warum bewegte er den Audax-Kurs
Im Börsenjargon steht HR für "Hecho Relevante" (wesentliches Ereignis): jede Mitteilung eines börsennotierten Unternehmens an die CNMV (spanische Börsenaufsicht), die den Preis beeinflussen kann. Im Frühjahr 2018 herrschte die Überzeugung, dass etwas bevorstand. "Man weiß nichts, aber man spürt es", fasste einer der aktivsten Investoren zusammen.
Jede Ankündigung befeuerte die Spekulation. Die letzte kursierende Information deutete auf einen Anstieg von 30 % nach einem ähnlichen wesentlichen Ereignis hin, was Erwartungen schürte, die selten erfüllt wurden. Die Schlussfolgerung aus all dieser Spannung: In einer expandierenden Branche würden wesentliche Ereignisse tröpfchenweise kommen, nicht alle auf einmal.
Warum Goldman Sachs Audax-Aktien an Hedgefonds verleiht
Das nächste Kapitel war ein Wertpapierleihgeschäft. Goldman Sachs bestätigte, dass es Audax-Aktien an Hedgefonds verlieh, damit diese Leerverkaufspositionen eingehen konnten – also auf fallende Kurse setzten. Die Reaktion war eine Mischung aus Empörung und Panik. "Als ob man jetzt noch in dieses Unternehmen investieren könnte", kommentierte ein Veteran, der seine Gewinne bereits realisiert hatte.
Hier trat Paco Elías, der CEO des Unternehmens, auf den Plan. Vorwürfe intransparenter Manöver zugunsten der Leerverkäufer kursierten ohne veröffentlichte Beweise oder gerichtliche Entscheidungen. Verifizierbar war: Die Leerverkaufspositionen nahmen zu, mindestens vier Fonds waren beteiligt, und der Kurs fiel von 2,80 Euro abwärts.
Die Photovoltaik-Auktion, die Audax teuren Strom einkaufen ließ
Als die Preise der Auktion für erneuerbare Energien bekannt wurden, war der Schlag klassisch: Strom wurde für 12 Jahre zu Preisen zwischen 14 und 28 Euro verkauft. Audax hingegen hatte seine Energiebezugsverträge – die sogenannten PPAs (Power Purchase Agreements) – zu 40 Euro für 20 Jahre abgeschlossen. Die Arithmetik zeigte, dass das Unternehmen zwei Jahrzehnte lang über dem Marktpreis zahlte.
Der buchhalterische Aspekt, der am meisten Unbehagen bereitete, war die Bewertungsmethode. PPAs können gegen die 15-Jahres-Kurve oder jährlich bewertet werden. Audax wählte Letzteres, und da die kurzfristige Kurve bei 50 und die Verträge bei 40 lagen, verbuchte das Unternehmen einen gegenwärtigen Gewinn, den jemand anderes in zehn Jahren als Verlust tragen müsste. Wer dann die Differenz auffangen würde, blieb offen.
Die 6 % von Mayoral und die ausbleibende Kapitalerhöhung
Dann kam der Rückenwind. Die Eigentümer von Mayoral stiegen bei Audax ein und kauften 6 % des Kapitals – dieselben Investoren, die ihre Beteiligung an Masmóvil vervierfacht hatten. Der Markt las dies als Bürgschaft. Die Aktie stieg in wenigen Sitzungen von 1,60 auf 2,20 Euro, und einige prognostizierten 3 Euro.
Die andere latente Bedrohung war eine AK (Ampliación de Capital / Kapitalerhöhung). Elías hatte sie in einem Interview angedeutet, und manche befürchteten eine weitere Verwässerung der Aktionäre. Die Zahlen luden unterdessen nicht zum Optimismus ein: 431 Millionen Euro Schulden gegenüber 121 Millionen Euro Liquidität. Eine offene Rechnung.
Ist Audax eine Blase oder eine langfristige Chance?
Es gibt zwei Lager, die sich nicht versöhnt haben. Die eine Seite behauptet, dies sei eine Lehrbuchblase, die platzen werde wie alle anderen: Vier Windräder und zwei Solarplatten rechtfertigten solche Preise nicht; der Wert diene nur zur kurzfristigen Spekulation mit kleinen Positionen und schnellem Ausstieg. Die andere Seite besteht darauf, dass erneuerbare Energien eine Wette auf drei bis fünf Jahre sind, dass der EBITDA der Vertriebsgesellschaften, die Audax kauft, den Aktionären zugutekommt, und dass die 320 MW Photovoltaik-Projekte nicht die letzten sein werden.
Dazwischen liegt eine Zahl, die die Realität widerspiegelt: Manche erzielten 10.000 Euro Gewinn in fünf Tagesgeschäften, während andere hoch einstiegen und seit Monaten Schwankungen zwischen 2,60 und 1,50 Euro erleben, ohne zu wissen, ob sie feststecken oder auf den endgültigen Durchbruch warten.
Wenn der Bestand an erneuerbaren Energien moderat wächst und die Preise stabil bleiben, hat die Langfristthese Sinn. Wenn das Angebot explodiert und die Preise fallen, werden es jene merken, die bei 2,40 Euro gekauft haben. Niemand hat eine Glaskugel, und wer das Gegenteil behauptet, will Ihnen etwas verkaufen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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