Asowstal: Soldat riskiert Leben für Verwundeten unter Feuer

Ein Soldat setzt sich dem Feuer aus, um einen Verwundeten in Asowstal zu retten, während über den Widerstand der Anlage und taktische Fehler diskutiert wird.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Asowstal: Soldat riskiert Leben für Verwundeten unter Feuer
Der Soldat, der sich unter Feuer in Asowstal für einen Verwundeten exponierte

Ein Kämpfer überquert die Straße, setzt sich dem Feindfeuer aus und schleppt einen gefallenen Kameraden zur Tür. Die Szene, aufgenommen während der Belagerung des Stahlwerks Asowstal in Mariupol (Koordinaten 47.109883, 37.616151), wurde zum Zentrum einer breiteren Diskussion: Ob der zähe Widerstand des Asow-Bataillons Anerkennung verdient oder ob die Geste vor allem ein taktischer Pfusch war. Der letzte ukrainische Rückzugsort der Stadt stand noch, als das Video verbreitet wurde, im Gegensatz zur Ankündigung, dass Mariupol eingenommen sei.

Was im Video von Asowstal zu sehen ist

Die Aufnahme zeigt zwei Soldaten, die eine unter Beschuss stehende Straße überqueren. Einer fällt; der andere hält an, greift ihn und schleppt ihn zu einem Zugang. Die Sequenz ist nicht sauber: Es gibt keinen vorherigen Rauchvorhang, kein Deckungsfeuer, und die Körper bewegen sich dicht an der Wand und bieten ein schmales, aber kontinuierliches Ziel. Eine in der Diskussion kursierende Analyse deutet aufgrund der Feuergeschwindigkeit auf ein Präzisionsgewehr vom Typ SVD hin, nicht auf ein Maschinengewehr: Bei einer höheren Kadenz, so diese Analyse, wäre niemand am Leben geblieben.

Manche lesen die Szene als Handbuch dessen, was man nicht tun sollte. Die Kritik ist technisch und nicht ideologisch: Es fehlte Rauch, es fehlte ein Schütze zur Deckung des Vorrückens, es fehlte das Warten auf gepanzerte Unterstützung. Zudem exponiert sich der Soldat, der an der Tür wartet, um zu warnen, und behindert den Eingang des zuletzt ankommenden Mannes, obwohl er ein Fenster neben sich hätte, von dem aus er die Bewegung decken könnte. Das Mindestverhältnis bei jedem Angriff beträgt drei zu eins, erinnert ein anderer Teilnehmer: Der Verteidiger beginnt mit einem Vorteil, und der Angreifer zahlt den Preis in jeder Straße.

Anerkennung des Mutes gegenüber dem 'Nancy'-Label

Die Debatte spaltet sich, wenn Politik ins Spiel kommt. Für die eine Seite ist die Geste purer Heroismus und duldet keine Adjektive: Ein Mann exponiert sich wissentlich dem Tod, um einen Kameraden nicht zurückzulassen. Für die andere Seite löscht individueller Mut nicht die Zugehörigkeit des Regiments: Es wird darauf bestanden, dass der zurückbleibende Kämpfer ein 'Nancy' sei und dass der russische Soldat, der seinen eigenen hilft, gerettet werde. Die meistwiederholte Ironie: Wer sein Leben riskiert, endet gehängt, während jene, die Befehle geben, keinen Schuss abbekommen.

Das Video selbst widerlegt die Version, dass die Anlage eingenommen sei. Die Fabrik leistete noch Widerstand, als die Szene aufgenommen wurde, und ihre Einnahme stellte sich als Blutbad für den Angreifer dar, der keine Straße ohne drei Tote vorrückte. Das Stahlwerk wird als Festung mit Vorräten für Monate beschrieben, ein unterirdisches Labyrinth, in dem die Belagerung mehr Zeit als Boden kostet.

Der Wirtschaftskrieg rund um die Belagerung

Der Thread springt vom Video zur Karte. Es wird daran erinnert, dass Russland Atomwaffen hat und die Schlüssel zu Gas und Öl besitzt, und dass osteuropäische Länder ohne Versorgung dastehen. Demgegenüber wird argumentiert, dass Moskau seit vier Jahrzehnten Terrain verliert: Die Ukraine war 1980 Teil der UdSSR wie Estland, Lettland, Litauen und Belarus, und heute blickt dieser Gürtel nach Brüssel mit dem Lockmittel der EU-Fonds. Der gezogene Vergleich: Imperien kommen und gehen, wie das spanische in Südamerika.

Der Gegenpunkt kommt von der Seite der Abnutzung. Es wird argumentiert, dass Russland vor sechzig Jahren aufgehört habe, eine Großmacht zu sein, sein BIP niedriger sei als das Italiens und ein Großteil seines militärischen Materials Schrott aus den letzten vier Jahrzehnten sei. Die Antwort leugnet die Daten nicht, sondern rahmt sie neu: Der Druck nach Osten wurde nicht von Moskau begonnen, sondern von Washington seit 1947 getragen, und nun profitiere man davon, dass sich Russen und Ukrainer abnutzen, während man Gas und Öl verkauft. Die Kubakrise wird als Präzedenzfall angeführt, dass ein Verhandlungsweg existierte und funktionierte.

Die menschlichen Kosten, die nicht auf Karten erscheinen

Unterhalb der Geopolitik liegt eine unbequemere Schicht: die des Vaters, der ein wenige Monate altes Baby betreut und denkt, dass ein einziger Schuss all diese Arbeit auslöschen kann. Die des russischen Soldaten, der seinem Kameraden hilft und ebenfalls getroffen ist. Für jeden gefallenen Asow-Kämpfer lautet die in der Diskussion gezählte Bilanz zehn Verluste auf der anderen Seite. Und die schwebende Frage bleibt: Wenn der Verteidiger im Vorteil ist, warum überquert man weiterhin ungeschützt Straßen?



Die Szene hat zwei Lesarten, und keine hebt die andere auf. Der Mut dessen, der zurückkehrt, um einen Verwundeten zu holen, ist eine Tatsache; die taktische Improvisation, die dies notwendig macht, ebenfalls. Was nicht zusammenpasst, ist die Erzählung von einer eingenommenen Anlage, während jemand weiterhin Leichen über ihren Hof schleppt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (85 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver