Lafontaine wirft Deutschland Vasallentum im Ukraine-Krieg vor

Oskar Lafontaine wirft Deutschland vor, im Ukraine-Krieg als Vasall der USA zu handeln. Die Debatte über deutsche Souveränität und Energieabhängigkeit…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lafontaine wirft Deutschland Vasallentum im Ukraine-Krieg vor
Lafontaine wirft Deutschland Vasallentum im Ukraine-Krieg vor

Ist Deutschland ein souveränes Land? Die Frage, die 2022 als geklärt galt, kehrte in die Aktualität zurück, als der deutsche Alt-Politiker Oskar Lafontaine einen Artikel veröffentlichte, in dem er Berlin beschuldigte, im Ukraine-Krieg als „Vasall der Vereinigten Staaten" zu handeln. Die These, verbreitet am 30. August 2022, besagt, dass die deutsche Außenpolitik den Interessen Washingtons untergeordnet ist und dass diese Unterordnung einen echten Beitrag zum Frieden verhindert. Der Text, in Wirtschaftsforen verbreitet und diskutiert, hat eine Debatte neu entfacht, die über die Ukraine hinausgeht: die Energieabhängigkeit, die militärische Autonomie und die Rolle Europas in der Weltordnung.

Lafontaines Argument: Die Geschichte beginnt vor Februar 2022

Lafontaine vertritt die Auffassung, dass der Krieg in der Ukraine nicht am 24. Februar 2022 begann, sondern eine Vorgeschichte hat, die bis zum Selbstbild der USA als einzige Weltmacht zurückreicht. Nach seiner Analyse hat Washington jahrzehntelang die NATO-Osterweiterung und die Aufrüstung der Ukraine vorangetrieben und die russischen Warnungen vor Truppen und Raketen an seiner Grenze ignoriert. Der Artikel zitiert Brzezinski, den ehemaligen Sicherheitsberater Carters, der bereits 1997 festhielt, dass die Ukraine zu einem Schlüsselstaat zur Beherrschung Eurasiens werden sollte. Für Lafontaine markierte der Maidan-Umsturz 2014 den Punkt ohne Rückkehr: Die USA installierten eine willfährige Regierung und integrierten die ukrainischen Streitkräfte in NATO-Strukturen, ohne die russischen Sicherheitsinteressen zu berücksichtigen.

Der Text vergleicht die Lage mit der Kubakrise 1962, als die USA die Präsenz sowjetischer Raketen an ihrer Grenze nicht akzeptierten. „Kein Staat sollte ohne Vorwarnung Raketen einer Rivalmacht an der Grenze einer Atommacht stationieren", schreibt Lafontaine, der das Argument, jedes Land dürfe seine Allianz frei wählen, als „täuschend" bezeichnet. Seiner Meinung nach kann eine aggressive Supermacht kein „Verteidigungsbündnis" anführen, und Deutschland sollte seine Sicherheit in die eigene Hand nehmen und sich von den USA unabhängig machen.

Ramstein und Nord Stream: die Symbole des Vasallentums

Der Artikel nennt zwei konkrete Episoden als Beweise für die mangelnde Souveränität Deutschlands. Die erste ist die Konferenz auf der Ramstein Air Base, bei der der US-Kriegsminister Lloyd Austin die verbündeten Länder versammelte, damit sie zum Ukraine-Krieg beitrugen. Die zweite ist die Entscheidung über die Pipeline Nord Stream 2, die nach Lafontaine Washington und nicht Berlin zusteht. „Wenn die Amerikaner im Krieg sind, ist Deutschland immer Teil des Krieges, ob es will oder nicht", erklärt er. Der Text erinnert daran, dass Charles de Gaulle NATO-Einrichtungen auf französischem Boden ablehnte, gerade um selbst über Krieg und Frieden entscheiden zu können.

Die Sprengung der Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2, die in der Debatte erwähnt wird, bezeichnet Lafontaine als „Kriegserklärung an Deutschland". Er kritisiert, dass die Bundesregierung den „Vorfall unter den Teppich kehren" will, und hält es für „erbärmlich und feige", etwas zu wissen, es aber nicht zu sagen. In der Debatte wird betont, dass Deutschland für amerikanisches Gas viermal so viel zahlt wie für russisches – eine Zahl, die mit Ironie wiederholt wird: „Wenn man den Hahn aufdreht, kommen bunte Flammen heraus, und dann erscheint Aladin".

Von Willy Brandt bis Scholz: der Verlust der unabhängigen Außenpolitik

Lafontaine beruft sich auf die deutschen Politiker, die eine unabhängige Außenpolitik versuchten. Er erwähnt Willy Brandt, der nach dem Zweiten Weltkrieg Frieden mit Russland und dessen osteuropäischen Nachbarn suchte, und Helmut Kohl, der die deutsche Einheit mit Gorbatschow verhandelte und anerkannte, dass der Frieden mit Russland eine Voraussetzung für die europäische Ordnung war. Auch Hans-Dietrich Genscher wird zitiert, der mit amerikanischen Politikern aneinandergeriet, weil er eine begrenzte Atomkriegsgefahr in Europa fürchtete. Für Lafontaine ist diese Tradition gebrochen: Deutschland agiert als Vasall und nicht als Partner.

In der Debatte wird angemerkt, dass Deutschland seit 1945 eine „Filiale" der USA ist – ein Zustand, der auf die Niederlage im Zweiten Weltkrieg zurückgeht. Es wird argumentiert, dass Deutschland ebenso wie Japan keine eigenen Atomwaffen und keine volle militärische Autonomie besitzt und dass seine heutige Energieabhängigkeit Folge politischer Entscheidungen ist – der Ausstieg aus der Kern- und Kohleverstromung, das Fracking-Verbot –, die es ohne eigenen Zugang zu Energiequellen zurückgelassen haben. „Es ist gelungen, einem Land, das den Weltkrieg wegen seiner Probleme mit Energiequellen und seiner Verwundbarkeit gegenüber Seeblockaden verlor, zu garantieren, dass es keinen eigenen Zugang zu Energiequellen hat", fasst ein Teilnehmer zusammen.

Was ist mit dem Rest Europas?

Die Diskussion weitet sich auf die Europäische Union aus. Lafontaine vertritt die Auffassung, dass die USA das Entstehen einer weiteren Weltmacht verhindern wollen, und das schließt die EU ein. In der Debatte wird behauptet, die EU sei eine amerikanische Schöpfung und Russland habe nie etwas dagegen gehabt, dass die Ukraine ihr beitritt, doch die NATO-Mitgliedschaft sei die auferlegte Bedingung gewesen. Es wird erwähnt, dass „im kontinentalen Europa meines Erachtens keine souveränen Nationen mehr übrig sind", und die Lage Deutschlands wird mit der Spaniens verglichen, das als noch niedrigeres Glied in der Abhängigkeitskette gilt. Der dem ersten NATO-Generalsekretär zugeschriebene Satz – „Russland draußen halten, die USA drinnen und Deutschland unten" – wird als Zusammenfassung der Nachkriegsarchitektur zitiert.

Die Debatte behandelt auch die Rolle Indiens, das nach Ansicht einiger Teilnehmer von der Lage profitiert, indem es russisches Öl raffiniert und unter Umgehung der Sanktionen nach Europa verkauft. Während manche behaupten, die USA setzten ihre geopolitische Vorherrschaft und die Ausschaltung von Rivalen aufs Spiel, halten andere dagegen: „Ein paar Rupien verdienen ist nicht dasselbe wie Russland liquidieren und Europas Wachstum stutzen". Die Diskussion bleibt offen: Es gibt keinen Konsens darüber, ob das deutsche Vasallentum eine Wahl, eine Auferlegung oder ein unvermeidliches historisches Erbe ist.



Die Ausgangsfrage – ist Deutschland ein souveränes Land? – bleibt ohne klare Antwort. Lafontaine verneint es und sagt, diese mangelnde Souveränität verhindere jeden Beitrag zum Frieden. Seine Kritiker erinnern daran, dass er selbst ein umstrittener Politiker war, gegen den Fall der Mauer war und die Sowjetunion verteidigte. Zwischen diesen beiden Extremen geht die Debatte über Deutschlands Rolle in der Weltordnung weiter, mit Nord Stream als Symbol einer Abhängigkeit, die niemand ganz zu durchbrechen bereit scheint.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (66 Antworten).

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