Armesilla: Spanischer Tanz als Schlag gegen angloamerikanischen Puritanismus

Santiago Armesilla bezeichnet das Tanzen zu lateinamerikanischer Musik als Angriff auf den angloamerikanischen Puritanismus; die Debatte dauert fast zwei Jahre an.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Armesilla: Spanischer Tanz als Schlag gegen angloamerikanischen Puritanismus
Tanzen zu spanischer Musik: Laut Armesilla ein «Schlag gegen den angloamerikanischen Puritanismus»

Den Körper freudvoll im Rhythmus der spanischsprachigen Musik zu zeigen, ist für Santiago Armesilla «ein Schlag gegen den angloamerikanischen Puritanismus». Der Publizist, der dem hispanistischen Denken nahesteht, argumentiert theologisch: Für Katholiken sei der Körper die Idee, mit der die Seele sich selbst denkt, und diese Idee umfasse auch das, was beim Tanzen gezeigt wird. Ein Tweet löste eine Kontroverse aus, die über fast zwei Jahre hinweg 293 Antworten gesammelt hat.

Die Diskussion bleibt nicht bei der Choreografie stehen. Armesilla fügt hinzu, dass sich die spanischsprachige Musik «universell durchgesetzt hat, trotz ihrer Licht- und Schattenseiten», und vergleicht in einer anderen Nachricht das menschliche Sensual mit dem anderer Primaten, um zu schließen, dass die Biologie uns mehr bestimmt, als wir glauben. Später verteidigt er in sozialen Medien auch die Impfpflicht mit «der besten möglichen Vakzine», idealerweise aus nationaler Produktion.

Ist Reggaeton spanische Musik oder Produkt der angloamerikanischen Industrie?

Hier entsteht der erste Widerspruch. Gegen die Lesart des Publizisten wenden Kritiker ein, dass Reggaeton nicht aus einer erkennbaren hispanischen Tradition stammt, sondern von großen Plattenfirmen und Plattformen US-amerikanischen Ursprungs entwickelt wurde, um den jugendlichen Geschmack global zu homogenisieren. Nach dieser These wäre der Tanz keine Antwort auf den Puritanismus, sondern dessen profitabelstes Produkt.

Der Vorwurf hat seine Tücken. Wer die kulturelle Hegemonie der angloamerikanischen Welt kritisiert, tut dies, so dieselben Stimmen, von YouTube und Amazon aus – zwei Plattformen desselben Blocks. Das Argument kursiert beharrlich: Man kann den Gegner nicht gleichzeitig bekämpfen und an ihm verdienen. Es ist Rhetorik, aber unbequem.

Warum ein halber Diskurs zur Geopolitik abdriftete

Ein großer Teil der Unterhaltung wandte sich vom Körper ab und hin zur Landkarte. Es wird argumentiert, dass die Länder des angloamerikanischen Blocks eine Überlegenheitsperspektive auf den Rest projizieren, während Russland Spanien als gleichberechtigt behandeln würde. Andere relativieren: Es gebe keine solche Gleichheit, nur die Abwesenheit dieses Komplexes; die russische Haltung sei die eines Akteurs, der sich nicht für überlegen halte. Der Vergleich erstreckt sich auf Deutschland und Italien, mit denen man Bindungen von «mehr als 2.000 Jahren» bzw. «mindestens tausend Jahren» betont.

Parallel dazu taucht der Kontrast im Charakter auf. Manche behaupten, Spanier und Russen teilten Fatalismus, die Bedeutung der Familie und Verachtung für Klassendenken, was sie vom angloamerikanischen Individualismus entferne. Das Bild ist diskutierbar und stützt sich auf Eindrücke, nicht auf Umfragen.

Auch eine härtere Linie tritt zutage, die bestimmten Gruppen angebliche verdeckte Einflussnahme oder vermeintliche rassische Überlegenheit zuschreibt. Diese Behauptungen sind völlig unbelegt und fremd dem eigentlichen Gegenstand der Kontroverse. Die Geschichte des spanischen Imperiums, erinnern andere Stimmen, sei seit dem Mittelalter eine ständige Mischung, die schwer mit Fantasien der Reinheit vereinbar sei.

Iberophonie: Brüder, Partner oder imperiale Nostalgie?

Das Projekt der Iberophonie, der Gemeinschaft der spanischsprachigen Länder, ist die zweite große Front. Einige sehen darin einen natürlichen Rahmen für Zusammenarbeit: bevorzugte Beziehungen, gemeinsame Programme, geteiltes internationales Gewicht. Andere lehnen es rundweg ab. Die häufigste Kritik vergleicht Spanien mit einer alten Mutter, die sich weiter um erwachsene Kinder kümmert, und datiert den Moment, in dem jeder Teil des ehemaligen Imperiums seinen eigenen Weg ging, vor 200 Jahre zurück.

Der Vorwurf ist nicht nur politisch. Für diesen Sektor lenkt die Obsession mit transatlantischer Geschwisterlichkeit von internen Problemen ab und verwandelt eine sentimentale Bindung in ein Staatsprogramm. Die Nuance dazwischen: Kooperation verpflichtet nicht zur Bruderschaft.

Wo die Analyse ins Stocken gerät

Niemand hat bewiesen, dass ein Tanz eine kulturelle Hegemonie stürzt oder sie stärkt. Armesillas These stützt sich auf eine Anthropologie des Körpers, die gegenteilige auf eine Soziologie der Industrie, und beide können gleichzeitig wahr sein, ohne dass eine dominiert. Der genaue Punkt, an dem die Diskussion blockiert ist, lautet: Hat die individuelle Geste, den Körper zu bewegen, irgendeine Wirkung auf eine globale Struktur, oder ist sie nur eine elegante Art, über etwas anderes nicht zu sprechen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (293 Antworten).

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