Argentinischer Journalist wirft Spanien 500 Jahre Plünderung vor

Die spanische Krone behielt nur 20 % des amerikanischen Goldes, 80 % blieben in Amerika. Ein argentinischer Journalist beschuldigt Spanien, seit 500 Jahren zu stehlen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Argentinischer Journalist wirft Spanien 500 Jahre Plünderung vor
Fantino nennt Spanier Diebe wegen 500 Jahren Plünderung

Die Krone behielt 20 % des amerikanischen Metalls. Die anderen 80 % blieben in Amerika. Mit dieser Ausgangsrechnung gerät der Diebstahlsvorwurf, den ein argentinischer Journalist gegen Spanien erhob, in ein kalkulatorisches Problem. Er heißt Alejandro Fantino, sagte es live während der Übertragung eines WM-Spiels in Katar in seiner Sendung Multiverso Fantino, und das Blatt okdiario griff es am 15. Dezember 2022 auf: Die Spanier seien „Diebe“, die uns „vor 500 Jahren das Gold, das Silber gestohlen“ hätten, zudem hätten sie Krankheiten gebracht. Auslöser war nicht die Geschichte. Es war die Schiedsrichterleistung von Mateu Lahoz im Spiel Argentinien gegen die Niederlande.

Was Fantino sagte und warum es viral ging

Das Video verbreitete sich wegen des sportlichen Ärgers und der Beleidigung, nicht wegen des Arguments. Im selben Nachrichtenpaket erschienen ein Fan, der zur Feier auf eine Ampel kletterte, Messis Wut oder die Geste einer argentinischen Biermarke nach dem Einzug ins Finale, mit einem Slogan, der Messis eigenes „¿qué mirás, bobo?“ („Was guckst du, Dummkopf?“) aufgriff. Der Moderator, der sonst Politiker in deutlich seriöserem Ton interviewt, zeigte sich hier in seiner aufgeheiztesten Version.

Ein solcher Vorwurf aus dem Mund eines Mannes mit italienischem Nachnamen hat seine Ironie. Der Großteil der Erwiderung diskutierte nicht den Ton, sondern das Subjekt: Wer von Plünderung spricht, stammt meist von denen ab, die ein Schiff bestiegen, um sich in einem Gebiet niederzulassen, aus dem nie nennenswertes Metall gefördert wurde.

Der quinto real: Wie viel Gold behielt die Krone wirklich

Die meistzitierte Rechnung besagt, dass die Krone nur den quinto real (die „königliche Abgabe“ von 20 %) einstrich. Die restlichen 80 % blieben in Amerika, und daraus entstanden die Kolonialstädte, deren Nachfahren heute Forderungen erheben. Das ist die Version derjenigen, die das Ausmaß der Plünderung relativieren, und sie stützen sich dabei auf das eigene Steuersystem des Imperiums.

Dagegen steht eine andere Lesart: dass systematische 20 % über drei Jahrhunderte keine Anekdote sind und dass der Metallfluss die gesamte europäische Wirtschaft prägte. Beides ist gleichzeitig wahr. Nicht passt das gewählte Erzählrahmen: Die klassische indigenistische Erzählung beschreibt Massaker und Tribut von dichten Bevölkerungen, und dieses Muster passt auf den argentinischen Fall nicht recht.

Was lag in Argentinien vor der Ankunft der Spanier?

Praktisch nichts von dem, was das Land heute trägt. Das Vieh, die Rinder, der Gaucho, die Landwirtschaft und der Handel sind Produkte der Kolonisierung. Die Kolonie entstand auf einem Territorium mit mehr Quadratkilometern als Einwohnern, und die verbliebene indigene Bevölkerung wurde erst im 19. Jahrhundert dezimiert, als das Land bereits unabhängig war und sich ins Landesinnere ausdehnte.

Das ist der unbequemste Punkt der Tirade. Es gibt eine Strömung, die daran erinnert, dass der Großteil der argentinischen Ausrottung der Indigenen nach 1810 stattfand, nicht davor, und dass die wenigen heute überlebenden Ureinwohner aus Grenzgebieten oder späteren Migrationen stammen. Wird der Vorwurf im Namen der Urvölker erhoben, zeigt der Finger deutlich näher am eigenen Haus als beabsichtigt.

Die Schwarze Legende als Hindernis: Der Rahmen des Vorwurfs

Ein großer Teil der Diskussion mündete in eine Grundsatzfrage: die Schwarze Legende. Manche halten das antispainische Narrativ für das eigentliche Hindernis, damit die hispanische Welt wieder Gewicht in der Welt erhält, und seine Bekämpfung für die Voraussetzung jedes gemeinsamen Projekts. Es gehe nicht darum zu behaupten, dass heute alles wunderbar laufe, so das Argument, sondern darum, dass es einmal gelungen sei und daher nicht unmöglich sei.

Der Dissenz liegt in der Methode. Eine Position fordert harte Hand gegen das, was sie als in Spanien etablierten ideologischen Müll betrachtet; eine andere hält diesen Kampf mit Argumenten und ohne Verdammungsurteile für besser geführt. Der Konflikt ist älter als das Video, das ihn auslöste.

Vom amerikanischen Gold zum territorialen Steuerzank

Die Parallele, die den Kreis schließt, ist steuerlicher Natur. Man erinnert daran, dass die reichsten Territorien der Monarchie — Neuspanien, später Kuba — sich darüber beschwerten, dass eine arme Metropole sie über Steuern ausblute, exakt dasselbe Argument, das heute gegen die Regionalfinanzierung Kataloniens oder des Baskenlandes vorgebracht wird. Auffällig ist die Umkehrung: Die Halbinsel ist heute wohlhabender als Mexiko oder Kuba, und der Vorwurf hat sich gedreht, ohne seine Form zu ändern.

Viele hielten diesen Sprung für weit hergeholt. Doch argentinischer Ärger, territoriales Opferbewusstsein und die Plünderungsleier teilen eine identische Struktur: ein kollektives Subjekt, das seine Lage dem zuschreibt, was man ihm von außen wegnimmt. Dass der Detektor bei so unterschiedlichen Orten auf dasselbe Muster anspringt, ist mindestens ein bemerkenswerter Befund.

Das argentinische Drama, fasste eine der meistzitierten Analysen zusammen, besteht darin, dass es niemanden hat, dem es seine Übel anlasten könnte. Und ohne äußeren Schuldigen funktioniert das Narrativ nicht. Warum funktioniert es dann weiterhin so mühelos, jedes Mal, wenn ein Schiedsrichter falsch pfeift?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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