Apple und Android: Der wahre Preis des iPhone in Spanien

In Spanien, wo die Staatsfinanzen angespannt sind, ist das teuerste Smartphone auch das meistverkaufte. Die Debatte dreht sich um Markenmarketing versus Hardware-Qualität.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Apple und Android: Der wahre Preis des iPhone in Spanien
Apple als Spiegelbild: Das meistverkaufte Handy ist auch das teuerste

September 2015. Apple bringt das iPhone 6s auf den Markt, und gleichzeitig verfestigt sich eine unbequeme Tatsache: In einem Land, dessen öffentliche Finanzen am Rande des Kollapses stehen, ist das teuerste Telefon auch das meistverkaufte. Diese Koinzidenz empört die einen und amüsiert die anderen, woraus sich eine Diskussion ergibt, die wir seit Jahren führen, ohne sie zu lösen. Ist Apple eine Sekte oder einfach das Unternehmen mit dem besten Vertrieb?

Die These vom reinen Marketing: Apple wie McDonald's

Das häufigste Argument ist schonungslos. Das Produkt selbst ist zweitrangig; entscheidend ist die Fähigkeit, es zu verkaufen. Das Unternehmen ähnelt McDonald's oder Coca-Cola – multinationalen Konzernen, die nicht mit dem besten Produkt, sondern mit der besten Verpackung reich wurden. Pures Marketing, sagen Kritiker, mit Margen, die ohne das Apfel-Logo im Schaufenster nicht haltbar wären. Und wer ein iPhone kauft, besitzt nicht unbedingt das gesamte Ökosystem, trägt aber dasselbe Logo wie eine Uniform.

Die Schlussfolgerung beunruhigt jene, die sich für immun halten: Die Apfel-Sekte existiert, ja, aber sie ist nicht die einzige. Android-Nutzer bilden eine ebenso geschlossene Gruppe, nur unsichtbar. Da das System auf tausende verschiedene Modelle verteilt ist, sieht man nicht alle mit demselben Symbol in der Hand, weshalb es weniger auffällt. Die Sekte ohne Uniform. Das Bild wird durch den spanischen Verbraucher im Hintergrund vervollständigt: übertrieben konsumfreudig in Bars pro Quadratmeter und fähig, das teuerste Handy im Katalog mitten in einer finanziellen Krise zu kaufen.

Ist Apple wirklich teurer oder scheint es nur so?

Hier wird es technisch. Ein iMac mit i5-Prozessor, 8 GB RAM und 500 GB Festplatte wird für 1.150 Euro angeboten, ein Supermarktpreis für Außenstehende. Der Verteidiger des Apfels antwortet mit dem üblichen Argument: Versuche, einen PC mit derselben Hardware wie ein Mac zusammenzustellen, und du landest gefährlich nah an seinem Preisniveau. Die Gegenreaktion kommt mit Zahlen: Der Prozessor dieses Systems erreicht etwa 7.000 Passmark-Punkte, während ein i7 5820K fast die doppelte Rechenleistung, Speicherbandbreite und Peripherieunterstützung bietet.

Der Austausch schärft den Ton und verlässt die Gefühlsebene, um sich in die Eingeweide der Silizium-Chips zu wagen. Und dort gewinnt niemand.

Hardware unterscheidet nicht mehr: Gleiches Silizium, andere Verpackung

Das alte Versprechen, dass ein Mac länger hält und schneller läuft, starb, als die Hardware für alle gleich wurde. Eine professionelle Maschine mit 1.534 CUDA-Kernen dient der Videobearbeitung; die Top-Grafikkarte mit 2.000 Kernen lag nie unter 800 Euro Budget. Für Fotoretusche reicht eine Karte für 90 Euro. Mehr zu kaufen ist keine Robustheit, sondern Geld auf den Tisch legen.

Langjährige Bastler fügen ihre eigene Schicht Nostalgie hinzu: Maßgeschneiderte kompilierte Systeme für einzelne Maschinen, zentrale Server mit 32 CPUs bei 100% Auslastung für eine einzige Aufgabe, alte Geräte, die Tausende bedienen mit Antwortzeiten, die kein neues Laptop heute erreicht. Ein Mac, wiederholen sie, ist ein gewöhnlicher Computer, auf dem jedes Betriebssystem installiert werden kann. Die Magie liegt nicht darin.

Warum Apple wie eine Sekte wirkt und Android nicht

Die gängigste Antwort hängt mit dem Schaufenster zusammen. Ein treuer Apple-Anhänger neigt dazu, Telefon, Tablet und Laptop vom selben Hersteller zu kaufen: das komplette Ökosystem, die Flagge auf allen Geräten. Der Android-Nutzer verteilt sein Geld auf eine chinesische Marke, ein koreanisches Tablet und einen taiwanesischen Laptop. Es gibt keine Liturgie, weil es keine gemeinsame Gemeinde gibt.

Auch Status spielt eine Rolle. Manche kaufen Apple aus denselben Gründen, warum andere teure Markenkleidung oder Luxusuhren kaufen: zur Distinktion. Nichts Neues unter der Sonne, nur dass die Vitrine jetzt auf dem Bartisch steht. Wer das teuerste Handy zahlt, fühlt sich dadurch nicht reich, handelt aber so, als wäre der Preis eine Medaille.

Was die Insider verteidigen

Auf der anderen Seite ist nicht alles Glaube. Manche beschreiben detailliert, warum sie nicht zurückkehren: ein Touchpad ohne Tasten, das auf Gesten reagiert, die Möglichkeit, direkt darauf zu unterschreiben, ein Gerät, das keine Neuinstallationen oder Treiberkämpfe alle paar Wochen verlangt. Für Bildbearbeiter war der Mac jahrelang der Branchenstandard. Das ist kein Marketing, das ist berufliche Gewohnheit.

Das Gegengewicht ist ebenso solide. Kaum etwas, was auf einem Mac geht, lässt sich nicht auch auf Windows oder Linux erledigen; umgekehrt gilt das nicht. Es gibt Geräte und Programme, die schlicht keinen Support für den Apfel bieten. Und das Sicherheitsargument wankt beim Blick auf die Proportionen: Auf jeden Apple-Rechner kommen mehr als zehn Windows-Rechner, sodass das Interesse von Malware-Entwicklern auf den großen Markt zielt. Wäre die Verteilung umgekehrt, wäre der andere das Sorgenkind der IT-Welt.

Marke kaufen oder Aktie kaufen

Und dann ist da das Argument, das alles durcheinanderbringt: Vielleicht ist das Produkt unwichtig. Apple wäre kein großes Unternehmen wegen seiner Geräte, sondern wegen seiner Beständigkeit als Geschäft. Manche gestehen, Aktien besessen und empfohlen zu haben, ohne an die Qualität des Produkts zu glauben, sondern nur an die Fähigkeit der Firma, dasselbe immer mehr Leuten über längere Zeit zu verkaufen. Der Apfel als Sekte ist aus dieser Sicht die beste mögliche Investition: Sekten wechseln ihren Glauben nicht. Dasselbe würde für Fast-Food-Ketten, Cola-Getränke oder Freizeitparks gelten. Die Börse belohnt nicht das beste Produkt, sondern das beste Narrativ.

Damit ist nichts abgeschlossen. Die unbeantwortete Frage bleibt genau dieselbe wie bisher offen: Wie viel des Preises ist Hardware und wie viel Zugehörigkeit? Und hier geben zwei Personen mit demselben Telefon in der Hand zwei unvereinbare Antworten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (267 Antworten).

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