Angriff auf Sánchez: Ábalos, Gaza und Eliten-Narrativ

Ábalos, Gaza und Venezuela bilden die These der Elite gegen Pedro Sánchez. Lokale und spanische Eliten hielten ihn für erledigt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Angriff auf Sánchez: Ábalos, Gaza und Eliten-Narrativ
Ábalos, Gaza und Venezuela: Die These der Elite gegen Sánchez

Dies ist die Kernthese des Threads. Die lokale und die spanische Elite betrachteten Pedro Sánchez als abgeschrieben und planten bereits mit einem anderen Bewohner im Moncloa-Palast: Feijóo, dem Mann, der Kürzungen durchsetzen sollte. Fernsehsender und Radiostationen sahen seinen Sieg als sicher an. Doch Sánchez gewann entgegen allen Prognosen. Seitdem, so diese Lesart, suchen sie unermüdlich nach Wegen, ihn zu schwächen: genug Dreck, um den Präsidenten zu belasten, aber nicht so viel, dass die Partei stürzt.

Die Diagnose hat zwei Säulen. Eine externe: die Beziehungen zu Venezuela, ein Land außerhalb des westlichen Blocks und damit außerhalb des Einflussbereichs der etablierten Mächte. Eine interne: Sánchez wirkte zu schwach oder zu unzuverlässig, um die von anderen gewünschten Reformen durchzuführen. Keine dieser Anschuldigungen wird mit Beweisen untermauert; sie dienen als Rahmen, nicht als Aktenzeichen.



Gaza als Wendepunkt

Sobald Sánchez Israel kritisierte, begannen laut einer Analyse alle Räder sich zu drehen: die Guardia Civil, ein parlamentarischer Agitator mit Lautsprecher, ein Star-Moderator, eine landwirtschaftliche Protestaktion und Medien, die bis dahin geschwiegen hatten und plötzlich verstärkten. Die Formulierung ist kategorisch und etwas vereinfacht, doch die außenpolitische Wende wird beharrlich als Moment markiert, in dem die Maschinerie ihren Gang wechselt.

Ein Vergleich taucht immer wieder auf: Ähnliches geschah bei Biden. Sein Verfall wurde als Verschwörungstheorie abgetan, bis er begann zu sagen, Israel mache möglicherweise Fehler. Dann schloss sich sogar die New York Times der Kampagne zur Vorruhestandsversetzung an. Angriffe auf bestimmte Verbündete haben solche Folgen.

Venezuela hingegen gilt als geringfügige Ausrede. Das verbreitete Argument lautet, niemand interessiere sich für Venezuela: Ein eingebrochener Ölsektor habe das US-amerikanische und kanadische Fracking beflügelt, und falls es je nötig wäre, die Förderung wieder anzukurbeln, würde Maduro keine Woche überleben.

Der Fall Ábalos und das Detail der UCO

Das Material, das jetzt veröffentlicht wird, ist nicht neu. Die UCO (Zentrale Einheit für operative Ermittlungen) sammelt seit Langem Hinweise auf die Beziehung zwischen Ábalos und dem Mittelsmann im Koldo-Fall, und die Sache liegt schon länger bei Gericht. Auffällig ist die zeitliche Übereinstimmung: Die Veröffentlichung erfolgt kurz nach dem Mord an zwei Guardia-Civil-Angehörigen in Cádiz. Manche lesen dies als Zufall, andere als Zeichen dafür, dass jemand beschlossen hat, die Schleusen zu öffnen.

Der Verdacht der Asymmetrie ist die zweite Säule. Als der Fall die PP betraf, eröffneten die Nachrichtensendungen mit Korruptionsskandalen der Volkspartei, und die Berichterstattung dauerte tagelang. Nun, so argumentiert diese Lesart, prangern die großen Medien nur leise an und konzentrieren sich auf die unterste Ebene des Netzwerks: Koldo und ein wenig Ábalos, nichts, was höher hinaufreicht. Die Briefkastenfirmen beim Maskenverkauf oder Namen, die andere Ministerien belasten, erscheinen nicht zur Hauptsendezeit.

Und bleibt die kleine Schrift des Systems: Wenn der Skandal nicht die Titelseiten füllt, hat er quasi nicht stattgefunden. Man kann einen Ex-Minister zu dreißig Jahren verurteilen; wenn die Medien es ignorieren, existiert es nicht.

Wer ist diese Elite, die angeblich die Fäden zieht?

Hier bröckelt die Erzählung. Einige halten den Begriff „Elite“ für ungenau und bevorzugen „Oligarchie“: erbtes Macht, keine Exzellenz. Andere bestreiten die Prämisse direkt: Wenn jemand mit mehr Macht als die Politiker Sánchez loswerden wollte, wäre er längst weg. Politik sei in dieser Version eine teure Reality-Show mit Kulissen.

Eine dritte Gruppe dreht das Argument um, ohne es zu verlassen. Nicht die Rechte wolle Kürzungen durchsetzen, sondern die Linke, denn die Linke kontrolliere die Gewerkschaften und die Straße. Mit der Rechten an der Macht genüge eine Andeutung sozialer Einschnitte, um die Straßen in Brand zu setzen; mit der PSOE passiere nichts. In Griechenland geschah Ähnliches. Entweder macht die Linke es, oder das System bricht zusammen.

Auf dieser Logik baut eine unbequeme Prognose: Wenn Anpassungen nötig sind, sollte der aktuelle Amtsinhaber bleiben; wenn Krieg droht, sollte der andere aufsteigen. Zwei Seiten derselben Medaille.

Gegenbeispiele, die nicht zur These passen

Denn nicht jeder kauft dieses Drehbuch. Es gibt Daten, die in die entgegengesetzte Richtung weisen. Sánchez sei, so eine andere Version, der erklärte Favorit der Präsidentin der Europäischen Kommission. Und in der Außenpolitik habe er im West-Sahara-Konflikt nachgegeben, was ihn für manche auf dieselbe Seite wie jene Interessen stellt. Wäre er auf der Zielliste, argumentieren sie, hätte er nicht unterschrieben, was er unterschrieb.

Man erinnert auch daran, dass die Elite keine Protokolle oder Büros hat. Einen Präsidenten aus dem Weg zu räumen erfordert keine Leaks: Man erstickt ihn finanziell, und dann ist Schluss. Dass er an der Macht bleibt, hinge nicht von Stimmen ab, sondern davon, dass andere ihn gewähren lassen. Dies ist die unbequemste Hypothese von allen, und es gibt keinen Weg, sie zu überprüfen.

Fraktionskrieg: Niemand vertraut jemandem

Dann taucht die Nuance auf, die jede abgeschlossene Erzählung zerlegt: Das Gefühl, dass ein Fraktionskrieg tobt und niemand die ganze Wahrheit erzählt. Manche fassen es unverblümt zusammen: Sie wissen nicht, woher alles kommt, vielleicht hat jede Seite ihre Rolle, und jedenfalls vertrauen sie keiner Seite. Der Verdacht verteilt sich gleichmäßig.

Darunter liegt die Grundfrage: Es ist egal, wer regiert. Einige sehen darin die Wahl zwischen Schock und Tod, zwischen der PSOE und ihrer blauen Kopie, mit denselben politischen Grundlagen. Andere fügen hinzu, dass bei einem Wechsel der Gewinner im Vergleich besser abschneidet. Dass es keine halbwegs anständige Option gibt, ist für viele das eigentliche Problem.



Was kommt, ist nicht vorhersehbar. Wenn die Abnutzung über Ermittlungsverfahren und Leaks weitergeht, hält die Legislaturperiode durch Widerstandskraft und Effekthascherei.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (173 Antworten).

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