Altcoins 2017: Vom x13-Gewinn mit Factom zur blockierten Ethereum-Netzwerk
Lohnt es sich, Geld in andere Kryptowährungen als Bitcoin zu investieren? Im Jahr 2017 antworteten Tausende privater Sparer mit einer Mischung aus Euphorie und Kalkül ja. Der Ausgangspunkt war eine sarkastische Warnung: Die Krypto-Welt ist aggressiv, volatil und sehr hart, und wer zart besaitet sei, solle zum IBEX 35 zurückkehren. Der Verfasser dieser Worte war kein Guru, sondern jemand, der seine Bewegungen veröffentlichte und davor warnte, keine Verantwortung für Dritte zu übernehmen.
Was folgte, war eine der intensivsten Spekulationsphasen, an die man sich erinnert. Währungen mit unaussprechlichen Namen vervielfachten ihren Wert binnen Stunden, Börsen fielen wegen Überlastung aus und jeder Privatanleger mit einem Konto bei Poloniex oder Bittrex fühlte sich wie ein Profi-Trader. Der Kater kam pünktlich, mit dem kollabierten Ethereum-Netzwerk und einem Markt, der hastig Gewinne realisierte.
Von 1 BTC auf 13: Die Strategie dessen, der nicht auf den Preis schaut
Die erste Lektion dieses Zyklus war unbequem: Die großen Gewinne machten nicht die Klügsten, sondern die Geduldigsten. Ein Investor berichtete, wie er eine Position von 1 BTC in 13 BTC umwandelte, indem er Factom und EGC kaufte, als Bitcoin 280 Euro wert war, und schrieb alles der Geduld und dem Chartlesen zu, nicht der Intuition. Sein Rezept war kontraintuitiv: Nicht den Preis der Münze beachten, sondern die Marktkapitalisierung und die Anzahl der frei im Umlauf befindlichen Einheiten.
Andere hingegen ließen ihre Stop-Loss-Orders mit erstaunlicher Leichtigkeit auslösen. Ein Teilnehmer kaufte Factom bei 29 und sah, wie ein kurzer Abwärtsspike, von 41 auf 39 innerhalb von Sekunden, ihn aus dem Markt drängte, kurz bevor die Münze weiter stieg. Seine Schlussfolgerung, mit resigniertem Humor, war, dass man bei solchen Bewegungen Nerven aus Stahl haben muss und früh aussteigen sollte, bevor die Gier zuschlägt.
Aufträge von 30 BTC, die auftauchen und verschwinden: So wird ein Altcoin manipuliert
Eine der aufschlussreichsten Analysen deutete auf die dreiste Manipulation der Märkte hin. Drei Wochen lang beobachtete jemand, wie auf einer bekannten Plattform Kaufaufträge von 30 BTC platziert und wieder entfernt wurden, was den Preis um wenige Cent nach oben und unten bewegte: Sie erschienen, trieben den Kurs an und verschwanden. Um zu prüfen, ob es sich um Bots der Börse selbst oder private Akteure handelte, legte er eine bedingte Verkaufsorder 5 % unter dem aktuellen Preis. In weniger als zehn Minuten räumte der Markt nach unten, um sie auszuführen.
Daraus entstand ein unangenehmer Verdacht: Dass das System der Börse selbst die Aktivität fördert, um Gebühren einzunehmen. Parallel dazu wurden Anstiege von 200 % bei einer einzelnen Münze ohne rechtfertigende Nachrichten auf koordinierte Pump-Aktionen über soziale Medien zurückgeführt, bei denen die Volumina so lächerlich waren, dass es leicht war, darin gefangen zu bleiben. Wenn Geld durch einen Kanal einfließt und innerhalb von Stunden wieder herauskommt, erfährt der kleine Sparer immer zuletzt davon.
Warum war das Ethereum-Netzwerk 2017 überlastet?
Ethereum war der große Protagonist des Jahres und auch sein größtes Kopfzerbrechen. Der Preis stieg von etwa 18 Dollar auf über 324, mit Höchstständen, die Träume von 1.500 bis zum Jahresende weckten. Aber unter dem glänzenden Preis lag ein technisches Problem, das niemand sehen wollte: Das Netzwerk konnte nicht mithalten.
Die technischste Diagnose war eindeutig: Ethereum hat ein schweres Skalierbarkeitsproblem, mit einer sehr geringen Transaktionskapazität, um die Dutzende von Anwendungen und Token zu tragen, die an seiner Chain hängen. Die Fieber der Initial Coin Offerings (ICO) überlastete das Netzwerk, und der Höhepunkt wurde erreicht, als die damals größte Börse schloss und Tausende von Nutzern sperrte, die ihre Ether weder bewegen noch verkaufen konnten. Wer sie dort hatte, saß nur vor dem Bildschirm.
Ein Teil des Marktes argumentierte, dass Ethereum, wenn es die Stau löse, eine enorme Währung werden würde; währenddessen beschrieben mehrere es unverblümt als Rohrkrepierer. Ein Veteran erinnerte daran, dass die vorherige Aufwertung, ein Faktor 25 zwischen Dezember 2015 und Juni 2016, nach dem DAO-Hack mit Monaten der Wüste endete. Die Geschichte, sagten sie, wiederholt immer das gleiche Skript.
Bitcoin bestimmt den Rhythmus und die Überholung kommt nie
Die andere Obsession des Jahres war die Überholung. Manche prognostizierten, dass Ethereum Bitcoin in der Marktkapitalisierung vor 2019 übertreffen würde, und die Daten schienen ihnen recht zu geben: Der Marktanteil von Bitcoin fiel schnell von 99 % auf 80 %. Allerdings brachte jede ernsthafte Korrektur das Geld in die Bitcoin-Tresore zurück. In einer einzigen Stunde sprang die Dominanz von 59,1 % auf 60,4 %, und zu einem anderen Zeitpunkt lag sie bei 66,9 %.
Die wiederkehrende Analyse war, dass Bitcoin wie ein schwarzes Loch funktionierte und dass die Altcoins, weit davon entfernt zu konkurrieren, seinem Takt folgten. Manche lasen dies als Zeichen der Reife; andere als Beweis dafür, dass der Markt bereits von starken Händen kontrolliert wurde, denselben, die Indizes wie den Nasdaq oder den IBEX bewegen. Die Idee, dass der Kleinanleger diesen Bewegungen voraus sein könnte, schwand mit jeder Korrektur etwas mehr.
Opportunitätskosten und die Rückkehr der Dotcom-Blase
Manche bremsten rechtzeitig ab. Der häufigste Vergleich war mit dem Börsencrash von 2001: Investoren, die Glasfaserkabel oder Server kauften, ohne etwas zu prüfen, Kredite mit ihrem eigenen Gehalt deckten und schließlich ruiniert wurden, nachdem sie Megaprojekte gekauft hatten, an die heute niemand mehr denkt. Die Warnung war klar: Kauft nur mit Geld, das ihr verlieren könnt, und wenn ihr euch verdoppelt, macht neue Berechnungen.
Das Gefühl maßloser Euphorie beunruhigte sogar die Erfahrensten. Ein Teilnehmer fasste die Entwicklung mit einem brutalen Bild zusammen: Spatzen, die Brotkrumen picken, die Falken werfen, um sie abzulenken. Ein anderer gab zu, das Gefühl zu haben, dass alles außer Kontrolle gerät, dass es egal sei, welches Projekt, welcher Nutzen oder welche Kapitalisierung: Nur der Name zählte und dass er gut klang.
Steueramt und Karten: Das Kleingedruckte, das niemand liest
Während über Gewinne diskutiert wurde, nagen Steuerfragen und Regulierung stillschweigend am Terrain. Mehrere Gesprächspartner gaben steuerliche Zweifel zu: Es war nicht klar, ob Kryptowährungen auf einer ausländischen Börse dem Halten von Geld bei einer ausländischen Bank gleichkommen, oder ob ein Protokoll der Bewegungen als Beweis bei einer Prüfung dienen würde. Die Antwort eines erfahrenen Anbieters war, dass mit gerechtfertigten Überweisungen und Transaktionen die üblichen Steuersätze gelten, aber dass ein großer Betrag die Anti-Geldwäsche-Kontrollen der Bank vor denen des Finanzamts aktivieren kann.
Hinzu kam ein regulatorischer Schlag: Ende Juni trat die Richtlinie in Kraft, die anonyme Prepaid-Karten praktisch unbrauchbar machte. Die Limits waren streng: Ein Maximum von 250 Euro monatlich für Transaktionen, 250 Euro Gesamtsaldo und 100 Euro pro Auszahlung. Für diejenigen, die diese Instrumente nutzten, um Geld zu bewegen, war die Schließung eine vollständige Ablehnung des Systems.
Das Ende des Threads und der Beginn des nächsten Fiebers
Der Diskussionszyklus endete Mitte 2017, mit dem Ethereum-Netzwerk immer noch gestaut und einem stetigen Strom von ICOs. Die Moderatoren eröffneten eine Fortsetzung, um weitere Bilanzen zu berichten, aber die Diagnose derer, die länger dabei waren, stand fest: Niemand weiß, wann diesmal die Blase platzt, noch wie lange die Party hält, nur dass die, die billig kauften und geduldig warteten, immer gut wegkommen, und dass die, die spät kamen, den Rest zahlen.
Die einzige ehrliche Frage, die blieb, war die eines Veteranen: Wenn der Markt morgen dreht und niemand eure Kryptowährungen gegen Euro tauscht, was nützt es dann, euren Bestand verzehnfacht zu haben?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (5966 Antworten).