Aktien kaufen oder Crash abwarten: Mathematik entscheidet

Shiller-KGV bei 31 und 3 % Arbeitslosigkeit sagen keinen Absturz voraus. Warten kostet durch Inflation und entgangene Dividenden echtes Geld.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Aktien kaufen oder Crash abwarten: Mathematik entscheidet
Aktien jetzt kaufen oder auf den Crash warten: Was die Mathematik sagt

Auf den nächsten Börsencrash zu warten, um gute Aktien zu kaufen, ist in den meisten dokumentierten Fällen eine schlechte Idee. Nicht aus Ideologie, sondern aus reiner Arithmetik: Während das Geld untätig liegt, frisst die Inflation seine Kaufkraft, vergehen Monate und nicht kassierte Dividenden sind unwiederbringlich verloren. Manche vertreten das Gegenteil – Liquidität halten und zuschlagen, wenn der Markt einbricht – und ihr Argument hat einen wahren Kern: Ein Einstieg am Höchststand schmerzt. Die Frage ist nur, wie sehr es schmerzt und was es kostet, diesen Schmerz zu vermeiden.

Auf den ersten Blick scheint Sparen und Warten überlegen. In der Praxis erfordert es zweimaliges richtiges Timing: Wann fällt der Markt und wie tief? Wer wartet, bis der Index um 50 % sinkt, sieht vielleicht nur eine Korrektur von 15 %, gefolgt von einer Erholung und weiterem Anstieg. Dann erkennt er, dass sein Plan keine Strategie war, sondern eine Wette mit unbestimmtem Datum.

Warum ist das Warten auf den Crash so teuer?

Die Kosten des Fernbleibens haben drei Komponenten, die in keiner Grafik auftauchen: Zeit, Inflation und entgangene Dividende. Kapital, das drei Jahre lang auf einem niedrig verzinsten Konto ruht, verliert stillschweigend Kaufkraft. Und wenn die Korrektur endlich kommt, kauft dasselbe Geld weniger Aktien als zu Beginn der Wartezeit, denn der Tiefpunkt des Abschwungs liegt meist über dem Startpunkt des Wartens.

Dem gegenüber reduziert die regelmäßige Einzahlung das Risiko, zum ungünstigsten Zeitpunkt einzusteigen. Sie eliminiert das Risiko nicht, sie verteilt es. Dies ist das stärkste Argument für alle, die dafür plädieren, jetzt zu kaufen und monatlich nachzulegen, abhängig nicht von Orakeln, sondern von Beständigkeit.

Was sagt die Evidenz über Käufe an historischen Höchstständen?

Jeder Vermögenswert, der langfristig steigt, verbringt viel Zeit an historischen Höchstständen. Allein an einem Höchststand zu sein, bedeutet nichts. Auch zehn Jahre Aufwärtsbewegung sind kein Grund zur Sorge; historisch gab es noch längere Phasen. Entscheidend ist ein anderer Fakt: Das Geld, das durch das Warten auf den großen Knall entgangen ist, übersteigt deutlich die Verluste während des Knalls.

Diese Berechnung, Jahr für Jahr aufgeschlüsselt und mit reinvestierten Dividenden, zerlegt den Plan des Wartens. Wer sie durchführt, versteht, warum die Strategie, sich an breite Indizes anzulehnen und konsequent beizutragen, in jedem fünfzehnjährigen Zeitraum funktioniert hat, einschließlich solcher mit Ölkrise, Dotcom-Blase und Immobilienkrise.

Shiller-KGV bei 31 und 3 % Arbeitslosigkeit: Indikatoren ohne Prognosekraft

Das Shiller-KGV liegt bei 31, weit über seinem historischen Durchschnitt, und die Zinskurvenspread nähert sich null, was oft eine Rezession ankündigt, aber nicht immer. Keiner dieser Werte hilft vorherzusagen, was die Börse in einem Jahr tun wird. Ihre Vorhersagekraft unter fünf Jahren ist nahezu null, und die Streuung ist so groß, dass der S&P 500 in zwölf Monaten überall zwischen 2000 und 4000 Punkten landen kann.

Das Gedächtnis spielt uns Streiche. Als der S&P 500 vor über zehn Jahren bei 1200 Punkten stand, gab es genug Propheten eines absoluten Zusammenbruchs. Der kam nicht. Die US-Arbeitslosigkeit von heute rund 3 % lädt zum Gegenteil ein: Man könnte denken, der Zyklus habe noch Luft. Dieselben Indikatoren, die zur Rechtfertigung der Angst zitiert werden – S&P-500/Gold-Ratio, Buffett-Indikator, Yield Spread – geben nur eine vage Vorstellung davon, ob der Markt teuer oder günstig ist.

Wenn Value um 65 % fällt und Diversifikation nicht rettet

Ein Fall lohnt die Aufmerksamkeit. Im Februar 2007 folgte ein Investor dem Rat der Value-Gurus und steckte sein Geld in den damals angesagten Fonds: tadellose Historie, zweistellige Renditen, keine Banken im Portfolio und das Geschick, die Dotcom-Krise kommen zu sehen. Innerhalb von anderthalb Jahren verlor er 65 % seines Kapitals. Nur Beständigkeit und Zeit brachten das Kapital zurück.

Die spätere Analyse zeigt zwei Fehler. Erstens die Konzentration: Ein Fonds, der stark auf spanische und europäische Aktien setzt, fällt viel stärker als ein globaler. Zwischen einem Verlust von 50 % und 65 % liegt ein enormer Unterschied, denn die Erholung erfordert eine Verdopplung bzw. Verdreifachung. Zweitens der Glaube, dass Sektor-Diversifikation ausreicht: In diesem Crash fielen Banken, Öl, Immobilien und fast alles andere. Nur Gold und Staatsanleihen hielten stand. Ein Portfolio mit 5 % Gold und 25 % Staatsanleihen hätte den Schlag deutlich besser verkraftet.

MSCI-World-ETFs: Thesaurierung, Ausschüttung und Gebühren

Wer sich für globale Indexierung entscheidet, muss zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs wählen, was steuerliche Konsequenzen hat. Thesaurierende Fonds reinvestieren Dividenden intern und umgehen die Abgeltungsteuer, was langfristig dem Anleger zugutekommt. So funktioniert der iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983), gehandelt in Amsterdam und Xetra.

Wer Ausschüttungen bevorzugt, hat zwei Klassiker: den Lyxor MSCI World (FR0010315770) an der Euronext Paris mit 0,30 % Gebühr und den Xtrackers MSCI World (IE00BK1PV551) in Frankfurt mit 0,19 %. Letzterer ist auf dem Papier günstiger, doch man sollte die Fondsdokumentation prüfen. Und man darf ein Detail nicht vergessen: Die Steuer wirkt wie eine Kaufgebühr von über 10 %.

100 % Liquidität: Die Kosten, zu früh recht zu haben

Das Profil des Wartenden ist oft jemand mit fast vollständiger Liquidität. Es gibt Fälle von Portfolios mit 80–90 % Cash, die auf einen großen Absturz warten, der laut Betroffenen „nicht einmal mit Kanonen“ kommt. Unterdessen wächst das Geld nicht, und Chancen werden zu Preisen gekauft, die nie wiederkehren.

Die Gegenantwort ist einfach: Irgendwann wird es einen Crash geben, wie immer. Aber zu wissen, dass er kommt, heißt nicht zu wissen, wann. Wer den Absturz fünf Jahre zu früh vorhersagt, hat nichts gewonnen: Er hat seine Gewissheit mit entgangener Rendite finanziert.

Für 2019 und die Folgejahre erschienen die Preise bereits attraktiv für jene, die lange draußen geblieben waren. Die wiederholte Warnung bleibt dieselbe: Kaltblütigkeit beim Kaufen im Chaos entsteht nicht spontan. Sie wird trainiert, indem man vorher kauft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (110 Antworten).

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