Adolescence: Netflix-Serie thematisiert Incel-Narrativ

Die britische Miniserie Adolescence stellt die Manosphere und Incels ins Zentrum der Debatte und zeigt, wie ein Junge zum Zeitgeist-Villain wird.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Adolescence: Netflix-Serie thematisiert Incel-Narrativ
Adolescence: Die Serie, die den Incel zum modernen Bösewicht macht

Ein 13-jähriger Junge, eine scheinbar normale Familie, Liebe zu Hause und null Verdacht. Eines Tages stürmt die Polizei mit gezogenen Waffen herein und nimmt ihn mit. Der Vorwurf ist furchtbar. Wie konnte ein scheinbar schwaches Kind so etwas tun, und wie wurde aus einem Jungen vor den Augen seiner Eltern genau das? Das ist der Ausgangspunkt von Adolescence, der britischen Miniserie, die den Begriff Manosphere in aller Munde gebracht hat. Der Regisseur spielt den Vater des Protagonisten. Und das Thema hat, wie berichtet wird, bei Zuschauern für Verwirrung gesorgt, die Begriffe wie Red Pill, Incels oder die 80/20-Regel nicht kannten.

Die Premiere hat zwei Fronten eröffnet. Eine kulturelle: Inwieweit kann Online-Hass junge Köpfe formen, die noch nicht zwischen Kommentar und Realität unterscheiden können? Die andere erzählerische: Ob Fiktion das Geschehene erzählt oder das Erzählenswerte.

Was die Serie darstellt und warum sie so diskutiert wird

Die Handlung beginnt mit der Verhaftung und konzentriert sich auf den Schock der Familie und die Polizeiarbeit. Die ersten beiden Episoden wurden als Eintauchen in den Stress einer Wache und die Ratlosigkeit von Eltern aufgenommen, die ihre Kinder in Sicherheit glaubten. Die zweite Episode liest sich als Kritik am Bildungssystem: Lehrer ohne Autorität und Schüler, die sich in ihren eigenen Burgen verschanzt haben. Ab der dritten Episode ändert sich der Stil, und manche sprechen direkt von einem Durcheinander. Eine Plansequenz, die einigen als Entdeckung gilt und anderen als ermüdendes Stilmittel.

Die Schuldzuweisung ist das eigentliche Schlachtfeld. Für einen Teil des Publikums zeigt die Serie auf den weißen englischen Mann und entlastet alle anderen. Für einen anderen Teil ist das Problem umgekehrt: Die wahre Geschichte, die der Erzählung zugrunde liegt, passt nicht zum konstruierten Bösewicht. Es wird argumentiert, dass der tatsächliche Täter nicht dem Profil entsprach, das die Fiktion zeichnet, und dass die Änderung des Profils eine Propagandaoperation sei. Dies ist der Vorwurf des inversen Whitewashings: Nicht den Schuldigen beschönigen, sondern sein Profil verdunkeln, damit es zur These passt.

Das Incel-Kind als Sündenbock einer Epoche

Der Vergleich mit anderen Epochen drängt sich auf. In den Achtzigern war Heavy Metal schuld. In den Neunzigern Rollenspiele. Jetzt die Manosphere. Das Muster wiederholt sich: Ein furchtbares Ereignis, ein kulturelles Label und eine Erklärung, die alles andere freispricht. Manche behaupten, die reale Welt produziere keine Mörder mit durch Hassrede zerfressenen Gehirnen, und die Grundprobleme seien andere: Alltäglich Gewalt, verfallende Stadtteile, Messer für jeden erreichbar.

Der Begriff Incel selbst wird diskutiert. Er entstand, um jene zu beschreiben, die keine Partner suchen und sich selbst unterdrücken, nicht jene, die mit Eroberungen prahlen. Einen introvertierten Teenager und eine Medienfigur, die einen Harem ausstellt, in denselben Topf zu werfen, widerlegt das Argument, so diese Lesart. Die Serie, sagen Kritiker, vermische zwei Phänomene, die nichts miteinander zu tun haben, damit das Label funktioniert.

Vom echten Fall zum erfundenen Fall: Die Profil-Debatte

Im Kern geht es darum, ob Fiktion der Wahrheit verpflichtet ist. Manche verteidigen, dass eine Serie ein Kunstwerk und kein Dokumentarfilm sei. Andere antworten, dass sie, wenn sie von einem konkreten Verbrechen inspiriert ist und die Identität des Täters ändert, keine Fiktion mehr ist, sondern eine interessengeleitete Erzählung. Die Diskussion verheddert sich in Beispielen echter Verbrechen von Minderjährigen, teils namentlich genannt, die in kein ideologisches Schema passen. Die Realität, so heißt es immer wieder, übertrifft die Fiktion fast immer – und selten in die Richtung, die dem Drehbuch genehm ist.

Parallel dazu hat die Serie etwas Unerwartetes geleistet: Sie hat die Frage aufgeworfen, was Jugendliche im Internet konsumieren und wie viel ein Elternteil davon wissen kann. Nur hier nähern sich die Positionen an. Der Rest ist Streit.



Trotz des Hypes ist das Bemerkenswerte nicht, dass die Serie Kontroversen ausgelöst hat. Sondern dass die Kontroverse mehr gesehen wurde als die Serie. Und dass der moderne Bösewicht ein dreizehnjähriger Junge ist, der laut allen Lesarten erst auf dem Bildschirm existierte, bevor er in der Realität auftauchte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (109 Antworten).

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