Pablo Iglesias trocknet Geschirr in seiner neuen Bar

Ex-Vizepremier Pablo Iglesias trocknet Besteck in seiner Taberna in Lavapiés. Drohungen und Inszenierungsvorwürfe dominieren die Debatte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Pablo Iglesias trocknet Geschirr in seiner neuen Bar
Pablo Iglesias trocknet zwei Gabeln und eröffnet eine Bar

Eine Minute. Zwei Gabeln. Und das zusammengerollte Tuch. Die erste dokumentierte Arbeitsschicht von Pablo Iglesias hinter der Theke seiner eigenen Taberna im Stadtteil Lavapiés passt genau in diese Aufnahme: Der ehemalige stellvertretende Regierungschef trocknet am Vorabend der Eröffnung Besteck ab, während die Fassade über Nacht mit bedrohlichen Graffiti beschmiert wurde. Die Geste, verbreitet vom Konto des berichtenden Mediums, hat gleichermaßen Gelächter und Misstrauen ausgelöst. Denn das Detail, das am häufigsten wiederholt wird, ist nicht die Drohung selbst: Es ist das Tuch. Wer schon einmal im Publikumsverkehr gearbeitet hat, weiß, dass eine Gabel in drei Sekunden trocken ist und dass das Einrollen des Tuchs bei der zweiten Gabel keine Pause ist, sondern eine Pose. El chepas, sagen sie, arbeitet bereits in der Bar. Arbeiten, im eigentlichen Sinne, ist etwas anderes.

Die Taberna Garibaldi und der Cocktail zu Ehren von Durruti

Das Geschäft heißt Garibaldi und befindet sich in Lavapiés. Auf der Karte steht ein Cocktail, der Buenaventura Durruti huldigt, so die Informationen zur Eröffnung, und dort wurden bekannte Gesichter aus dem politischen Umfeld des Betreibers gesichtet: die ehemalige Ministerin Irene Montero sowie mehrere Funktionäre und regelmäßige Mitstreiter des Ökosystems. Die Inszenierung überzeugt jedoch einen Teil des Publikums nicht, der in der Geste mit dem Besteck eher eine Imagekampagne als ein gastronomisches Projekt sieht. Einige behaupten, dass andere die Hauptarbeit übernehmen werden und dass die Rolle des Eigentümers auf das Foto beschränkt bleibt.

Graffiti an der Fassade und die Theorie der Inszenierung

Die Fassade war am Morgen vor der Eröffnung mit bedrohlichen Graffiti versehen. Die überwiegende Reaktion in den Diskussionen war nicht Solidarität, sondern Misstrauen. Viele Nachrichten deuten auf eine False Flag Operation hin, das heißt, dass Freunde des Betreibers selbst die Graffiti angebracht haben könnten, um eine Opfererzählung zu konstruieren und dabei kostenlose Werbung zu generieren. Das Argument stützt sich auf die zeitliche Übereinstimmung – einen Tag vor der Eröffnung – und auf die Karriere der Person. Andere hingegen halten die Bedrohung für real und sehen es als Fehler an, sie zu verharmlosen. Die Diskussion lässt jedenfalls eine unbequeme Tatsache offen: Der Angriff, falls er einer war, hat als Launch-Kampagne funktioniert.

Ist eine Bar in Lavapiés rentabel oder steckt mehr dahinter?

Hier spaltet sich die Analyse in zwei Lager. Ein Block vertritt die Ansicht, dass eine Bar ein Geschäft mit engen Margen, zwölf Stunden Steharbeit und täglicher Kassenführung ist und dass jemand ohne Fachkenntnisse das erste Jahr nicht durchhält. Die am häufigsten genannte Prognose ist die Schließung innerhalb weniger Monate. Der gegnerische Block bestreitet nicht die Schwierigkeit der Branche: Er bezweifelt den Zweck. Die am meisten zitierte Hypothese ist Geldwäsche, im Kontext der veröffentlichten Berichte über öffentliche Auftragsaffären, die Personen im Umfeld der Regierung betreffen. Es gibt kein gerichtliches Urteil, das diesen Vorwurf bestätigt, und so wird es formuliert: als Verdacht, nicht als Fakt. Eine andere, prosaischere Strömung deutet darauf hin, dass der Laden ein Instrument der politischen Neupositionierung ist: die Rückkehr ins Viertel, zum Bild der Nähe, nach Jahren im Villenviertel und mit Personenschutz.

Kollateralschaden: Negative Bewertungen für eine andere Garibaldi-Bar

Die Verwechslung hat Chaos angerichtet. Eine gleichnamige Cocktailbar, die nichts mit dem Projekt zu tun hat, erhält seit Kurzem negative Bewertungen von Menschen, die glauben, die Taberna des Ex-Vizepremiers zu bewerten. Der fast komische Vorfall illustriert das Ausmaß der Polarisierung: Der Name des Lokals fungiert bereits als Schlachtfeld, bevor die Küche überhaupt heiß gelaufen ist. Er diente auch dazu, dass einige das Offensichtliche hervorheben: Dass Werbung, sogar feindliche Werbung, immer noch Werbung ist.

Was jeder fragt, der in der Gastronomie gearbeitet hat

Gewerbeanmeldung, Bescheinigung über die Hygieneschulung, Kurs zur Prävention von Arbeitsrisiken. Das sind die Fragen, die in der Diskussion auftauchten und die niemand mit Dokumenten beantwortet hat. Es ist kein Detail am Rande: Ein für die Öffentlichkeit zugängliches Lokal erfordert eine Reihe von Formalitäten, die sich nicht mit einem Foto erledigen lassen. Wenn der Eigentümer hinter der Theke stehen wird, muss er dies nachweisen. Wenn er nicht dort sein wird, ändert sich die Frage: Wer ist dann der tatsächliche Verantwortliche für das Geschäft?

Bemerkenswert ist nicht, dass ein ehemaliger Vizepremier eine Bar eröffnet. Bemerkenswert ist, dass die Bar zum Gradmesser für etwas anderes geworden ist: Ob seine Erzählung der Rückkehr zum Volk trägt oder nicht. Während das Besteck allein auf der Theke trocknet, bleibt die Antwort offen. Wie lange dauert es, bis das zweite Tuch auftaucht?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (109 Antworten).

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