Abogados Cristianos: Debatte über Blasphemie-Anzeigen in Spanien entfacht

Die Gruppe Abogados Cristianos hat zahlreiche Anzeigen wegen Straftaten gegen religiöse Gefühle eingereicht und damit eine Diskussion über das spanische Strafgesetzbuch ausgelöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Abogados Cristianos: Die Justizmaschinerie gegen die «Blasphemie»

Ein Bericht von InfoLibre deckt auf, dass Abogados Cristianos (ein katholischer Rechtsverband) etwa zehn Anzeigen wegen Straftaten gegen religiöse Gefühle eingereicht hat. Zu den Beschuldigten gehören der Künstler Abel Azcona, Aktivistinnen von Femen und Willy Toledo. Die Liste endet hier nicht: Die Madrider Stadträtin Rita Maestre und sogar Ada Colau stehen im Visier des Verbandes.

Ein Strafgesetzbuch, das die Verspottung von Göttern bestraft

In Spanien gelten weiterhin die Artikel 524 und 525 des Strafgesetzbuches. Der erste schützt Kultstätten; der zweite bestraft die Verspottung und Verhöhnung von Dogmen und Glaubensüberzeugungen. Die Existenz eines spezifischen Straftatbestands für Blasphemie lässt sich nur schwer mit einem konfessionslosen Staat vereinbaren. Tatsächlich fordern bereits einige deren Abschaffung: Nach Jahrzehnten der Anwendung hat niemand erklärt, warum die Beleidigung einer Religionsgemeinschaft mehr Schutz verdient als die Beleidigung jeder anderen Institution.

Kritiker erinnern daran, dass 525.2 auch die Verhöhnung von Atheisten bestraft, ein Paragraph, der juristisch fast schon lächerlich wirkt. Hinzu kommt Artikel 510 über Hassdelikte, der nach Ansicht einiger im öffentlichen Diskurs sehr großzügig angewandt wird.

Asymmetrie zum Sarracin: Karikaturen versus Blasphemie

Teile der Analyse argumentieren, dass die Linke Einschränkungen von Mohammed-Karikaturen im Namen der Sensibilität widerspruchslos akzeptierte, aber empört reagiert, wenn Katholiken das Gesetz zu ihrer Verteidigung nutzen. Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Wenn christliche Blasphemie aufgrund des sozialen Drucks eine Straftat ist, warum wird die muslimische dann anders behandelt?

Ein anderes Lager hält diese Gleichsetzung für falsch: Eine Mohammed-Karikatur in einem europäischen Medium ist nicht dasselbe wie eine Performance von Abel Azcona in einer Galerie. Der Kontext sei entscheidend, sagen sie, und auch grundlose Verspottung sei kein heiliges Recht.

Gegenseitige Klagen: Auch Podemos spielt mit den rechtlichen Mitteln

Die Debatte nahm eine Wendung, als daran erinnert wurde, dass Podemos (eine linke politische Partei) und ihre Führungskräfte zahlreiche Klagen gegen Esperanza Aguirre, Eduardo Inda, Aznar oder Alfonso Rojo wegen Aussagen über venezolanische Finanzierungen oder ETA-Verbindungen anhäufen. Die Anhänger von Abogados Cristianos weisen auf die Heuchelei derjenigen hin, die diesen Verband kriminalisieren, aber politische Prozesse begrüßen. Der Unterschied, so die Verteidiger der Meinungsfreiheit, beste darin, dass sich einige Klagen auf persönliche Beleidigungen beziehen, während andere versuchen, religiöse Dogmen abzusichern.

Geschäft oder Glaube: Die finanzielle Unterstützung

Ein Teil fordert Spenden an Abogados Cristianos und Hazte Oir, den anderen Arm des Pro-Life-Aktivismus. Erwähnt wird die Kampagne letzterer gegen die Dator-Klinik, die laut ihren Verteidigern 61 „Leben retten“ konnte. Ob Geschäft oder Überzeugung, das Phänomen zeigt, dass sich auch der Glaube mit Anwälten organisiert. Die Justizmaschinerie gegen die Blasphemie läuft weiter, und bisher hat niemand die Debatte darüber schließen können, wo die Meinungsfreiheit endet und die Straftat beginnt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (103 Antworten).

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