700.000 Euro für Mikro-Apartment in Madrids Valdeacederas

Paare brauchen 141.600 Euro Jahreseinkommen für eine 30m²-Wohnung in Valdeacederas. Der Preis von 700.000 Euro heizt die Immobilienblasen-Debatte an.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

700.000 Euro für eine 30m²-Wohnung in Valdeacederas: Wenn Wohnraum jede Logik sprengt

Im Madrider Stadtteil Tetuán, genauer im Viertel Valdeacederas, bewirbt ein Neubau-Projekt eine Wohnung mit so geringer Fläche, dass Interessenten sie selbst als „Zwerglokal“ bezeichnen. Der Startpreis liegt bei 695.000 Euro. Damit ein Paar die Hypothek ohne Belastung über 30 % des Nettoeinkommens tragen kann, müsste es jährlich 141.600 Euro verdienen – ein Betrag, den nur das reichste Prozent der spanischen Haushalte erreicht. Nebenkosten wie Gemeinschaftsgeld, Grundsteuer oder Sonderumlagen sind dabei noch nicht eingerechnet.

Eine Wohnung mit zwei Bädern, aber ohne Lebensraum

Die Fotos der Anzeige zeigen eine offene Küche im Wohnzimmer, zwei vollständige Badezimmer – eines fast identisch mit dem anderen – und eine Raumaufteilung, die scharfe Kritik auslöst. Nutzer bemängeln das Fehlen eines Bidets, die fehlende Trennwand zwischen Koch- und Wohnbereich sowie die Unmöglichkeit, ein Bett aufzustellen, ohne dass die Wohnung wie ein Käfig wirkt. Die Nutzfläche wird auf etwa 30 bis 35 Quadratmeter geschätzt, eine Größe, die eher einem Studio entspricht als einer Immobilie zum Preis von 700.000 Euro.

Benötigtes Einkommen: Das oberste Prozent

Berechnungen aus der Diskussion ergeben, dass der Erwerb dieser Wohnung mit einer Finanzierung von 80 % und durchschnittlichem Zinssatz ein jährliches Nettoeinkommen von 141.600 Euro erfordert. Beide Partner müssten also jeweils rund 70.000 Euro verdienen, was Gehältern von Führungskräften, Ärzten, Kanzlei-Anwälten oder hochrangigen IT-Fachkräften entspricht. Selbst bei diesem Einkommen bindet sich das Paar über drei Jahrzehnte an monatliche Raten, die in den ersten Jahren 3.500 Euro überschreiten könnten. Scheitert die Beziehung – in Spanien endet etwa jedes zweite Ehepaar durch Scheidung –, bricht auch die Finanzplanung zusammen.

Umgebung: Elendsviertel nur 150 Meter entfernt

Das Mikro-Apartment liegt nicht im Finanzzentrum Madrids, sondern in Valdeacederas, einem Viertel, wo geförderter Wohnungsbau neben Slumsiedlungen existiert. Augenzeugen berichten, dass wenige Meter entfernt fünfzehn Behausungen aus Pueblerino und Planen standen, die später vom Rathaus entfernt wurden. Die Gegend, früher bekannt für ihre Müllkippe am Paseo de la Dirección, ist seit Jahrzehnten von Marginalisierung geprägt, was im starken Kontrast zum astronomischen Preis des Neubauprojekts steht. Manche sehen darin ein Zeichen dafür, dass die Immobilienblase völlig von der sozialen Realität des Bezirks entkoppelt ist.

Wertsteigerung: Die einzige Rechtfertigung

Trotz der Kritik verteidigen einige den Kauf. Wer in demselben Turm kaufte, als der Preis noch bei 500.000 Euro lag, hat seine Investition innerhalb weniger Jahre um 200.000 Euro steigen sehen. Ein Penthouse in diesem Gebäude zieht aufgrund seiner Lage bestimmte Käuferprofile an. Für diese Gruppe rechtfertigt die Wertsteigerung den Kaufpreis, auch wenn die Wohnung winzig ist. Es bleibt die Frage, ob der nächste Käufer jemanden findet, der bereit ist, noch mehr für so wenig Platz in einem widersprüchlichen Viertel zu zahlen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (184 Antworten).

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