2,5 Millionen Entschädigung für 18 Jahre Haft

Der Oberste Gerichtshof Spaniens zahlt 2,5 Mio. Euro an einen Unschuldigen. DNA-Beweise wurden ignoriert; die damalige Richterin ist heute Verteidigungsministerin.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

18 Jahre Haft wegen Justizirrtums: 2,5 Millionen Euro Entschädigung

Der spanische Oberste Gerichtshof (Tribunal Supremo) hat einem Mann das Recht auf eine Entschädigung von 2,5 Millionen Euro zugesprochen, nachdem er 18 Jahre im Gefängnis verbracht hatte. Er war zu Unrecht wegen zwei Vergewaltigungen verurteilt worden. Der Verwaltungsgerichtshof stellte die staatliche Haftung für einen eindeutigen Justizirrtum fest. Das Urteil belässt jedoch die Richter, die das ursprüngliche Schuldspruch gefällt hatten, ohne persönliche Verantwortung; die Kosten trägt der Steuerzahler.

Verurteilung trotz fehlender DNA-Beweise

Die Ereignisse reichen bis ins Jahr 1992 zurück, als das Landgericht Barcelona einen marokkanischen Einwanderer zu 24 Jahren Haft wegen zweier sens Übergriffe in Cornellà verurteilte. Das Gericht unter dem Vorsitz der heutigen Verteidigungsministerin Margarita Robles stützte sich fast ausschließlich auf die Wiedererkennung durch die Opfer. Im Aktenbestand lag jedoch bereits ein forensisches Gutachten vor, das nachwies, dass die biologischen Spuren an der Kleidung der Opfer nicht vom Angeklagten stammten. Dieser Beweis wurde im Urteil ignoriert.

Der wahre Täter wurde 1995 festgenommen, doch der Verurteilte erhielt erst Jahre später seine Freiheit zurück. Der Strafsenat des Obersten Gerichtshofs hob das Urteil 2023 auf, und nun legte der Verwaltungssenat die Höhe der Entschädigung fest.

Steuerfreie Zahlung, straffreie Richter

Die Summe von 2,5 Millionen Euro entspricht etwa 138.888 Euro pro Haftjahr. In den Debatten wird diese Berechnung als "gering" bezeichnet, um den Verlust von 18 Lebensjahren auszugleichen. Zudem ist die Entschädigung gemäß Artikel 7 des Einkommensteuergesetzes (IRPF) steuerfrei, da es sich um eine Wiedergutmachung für persönliche Schäden handelt. Der Betroffene erhält den vollen Betrag, während Ministerin Robles und die anderen Richter keine Konsequenzen fürchten müssen.

Der Oberste Gerichtshof lehnte es ausdrücklich ab, grobe Fahrlässigkeit der Richter festzustellen, mit der Begründung, dies gehe über den Gegenstand des Verfahrens hinaus. Damit verwischt sich die Verantwortung im gesamten Staatsapparat, und das Geld stammt aus der Tasche aller spanischen Bürger.

Ein unbequemer Präzedenzfall

Der Fall befeuert die Debatte über die mangelnde Kontrolle der Gerichte und die Straflosigkeit von Richtern bei Fehlern. In Foren werden andere ähnliche Fälle erwähnt, wie der von Dolores Vázquez, die ohne Beweise für den Mord an Rocío Wanninkhof verurteilt wurde, oder der sogenannte "Arandina-Fall", wo entlastende Beweise ebenfalls ignoriert wurden. Das Gefühl, dass die Justiz ihre Fehler nicht eingesteht und die Last beim Bürger liegt, ist weit verbreitet.

Offene Fragen

Die Entschädigung schließt die finanzielle Seite ab, aber nicht die Frage der persönlichen Verantwortlichkeit. Dass die Richterin, die den Saal leitete, in dem die DNA-Beweise ignoriert wurden, heute Verteidigungsministerin ist, fügt der Debatte eine Ebene der Ironie hinzu und erzeugt Skepsis. Es gibt keinen Regressanspruch gegen die Richter, und der wahre Vergewaltiger, der vor Jahrzehnten festgenommen wurde, verbüßte seine Strafe, während ein Unschuldiger im Gefängnis saß. Die Frage, die niemand beantwortet, lautet: Wie viele ähnliche Fälle liegen noch unerledigt in den Archiven?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (175 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver