Sedierung in Spaniens öffentlichem Gesundheitswesen: Zwei Fälle

Zwei Berichte beschreiben, wie Familien von älteren Patienten eine Sedierung angeboten wurde, obwohl diese sich erholten oder nach Hause wollten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sedierung in Spaniens öffentlichem Gesundheitswesen: Zwei Fälle
Zwei Berichte über Express-Sedierung im öffentlichen Gesundheitssystem

Eine Familie verhindert durch die Polizei, dass ein Siebzigjähriger sediert wird, der sich gut von einem Lungenödem erholt. Tage später wird der Vater tot in seinem leeren Bett aufgefunden. Dies ist der erste Fall. Der zweite: Eine Achtzigjährige mit Schlaganfall, die bei Bewusstsein ist, Schwierigkeiten beim Essen hat und fragt, wann sie nach Hause darf. Ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn wird erzählt, sie sei zu alt, die Katheterisierung sei zu kompliziert und das Beste sei, sie ins Untergeschoss zu bringen. Sie stimmen sofort zu.

Der Bericht, veröffentlicht in einem Wirtschaftsforum und monatelang geteilt, ist kein klinischer Befund. Es ist ein Zeugnis. Aber die daraus resultierende Diskussion – 173 Antworten – funktioniert wie eine informelle Prüfung darüber, wie Entscheidungen am Lebensende in spanischen öffentlichen Krankenhäusern getroffen werden. Und die daraus hervorgehende Diagnose ist nicht beruhigend.

Was die beiden einleitenden Fälle zeigen

Der erste Patient kommt kritisch an, mit Sauerstoff bei 15 Litern und 50% Konzentration. Die zweite Blutgasanalyse ist bereits weitgehend normal, mit Sauerstoff bei 12 Litern und 35%. Die Nieren sprechen auf die diuretische Behandlung an, er uriniert reichlich und entwässert. Zwölf Stunden später liegt er bei 8 Litern und 25%. Bei Bewusstsein. Entgegen aller Prognosen entwickelt er sich gut.

Dann erscheint der Stationsarzt. Laut dem Bericht sagt er der Tochter, dass das Leben ein Ende habe, dass es um Lebensqualität gehe, dass das Wichtigste sei, dass er nicht leide, und dass sie sich so einer Last entledige. Und dass man ihn ins Untergeschoss bringe, um die Sauerstoffkanüle durch einen Fentanyl-Zugang zu ersetzen. Die Tochter ruft die Polizei und verhindert dies. Sie bleibt sechs Tage lang, Tag und Nacht. Als sie drei Stunden abwesend ist, um zu duschen und Kleidung zu holen, kehrt sie um sechs Uhr morgens zurück: Das Bett ist leer.

Der zweite Fall ist in den Unterlagen expliziter. Eine Frau mit Schlaganfall, praktisch halbseitig gelähmt, die isst und trinkt, aber Schwierigkeiten hat, schlecht spricht und weiterhin denkt. Sie fragt Ärzte und Pflegepersonal, wann sie nach Hause kann. Der Familie wird gesagt, sie sei sehr alt, die Katheterisierung lohne sich nicht und die Pflege werde sehr anstrengend sein. Das angebotene Ergebnis ist das Untergeschoss. Sie stimmen sofort zu.

Das Muster, das sich in den Berichten wiederholt

Die Diskussion beschränkt sich nicht auf diese zwei Fälle. Andere Berichte zeichnen eine erkennbare Sequenz: älterer Patient, schwere Diagnose, Angebot der Sedierung an die Familie, Zustimmung durch den nächsten Angehörigen oder niemanden. Eine Person berichtet, dass ihrer Großmutter mit schlechter Durchblutung eines Beins plötzlich ein Herzversagen mit 90% Wahrscheinlichkeit diagnostiziert wurde und sie sediert wurde, sobald die Enkelin zwei Tage abwesend war. Eine andere beschreibt ihre Mutter, die nach einem Sturz eingewiesen wurde, am Dienstag sitzend Witze mit den Enkeln machte, am Mittwoch „für mehr Ruhe“ sediert wurde und am Donnerstag Nierenversagen hatte.

Einige behaupten, es sei keine Bosheit, sondern Effizienz: Ein Krankenhaus sei eine Fabrik mit Betten, Kosten pro Patient und Wiederaufnahmequoten. Die zynischste Berechnung fasst es so zusammen: Zwei Minuten braucht das System, um zu entscheiden, dass ein Leben nicht mehr rentabel ist. Dagegen steht das offensichtliche Argument: Die Dame mit dem Schlaganfall fragte nach ihrem Zuhause. Das ist Entscheidungsfähigkeit, keine logistische Belastung.

Die Grenze zwischen Sedieren und Töten

Die Debatte driftet in rechtliches Terrain. Ist dies Euthanasie oder etwas anderes? Die getroffene Unterscheidung ist fein: Eines ist Sterbenlassen mit palliativer Sedierung, ein anderes ist die Anwendung eines terminalen Protokolls ohne echte Einwilligung. Im ersten Fall verhinderte die Familie dies durch die Polizei; im zweiten stimmte die Familie zu. Keiner der beiden ging durch ein Komitee, ein Dokument über Patientenverfügungen oder eine Zweitmeinung. Zumindest wird nichts davon berichtet.

Die Diskussion verschärft sich, als die Pandemie ins Spiel kommt. Mehrere Nachrichten behaupten, dass die Kriegsmedizin seitdem normalisiert wurde und was früher Ausnahme war, nun Routine ist. Ein Teilnehmer liefert Kontextdaten: Während der Gesundheitskrise gab es laut einer erwähnten britischen Studie (ohne Link) keine Übersterblichkeit in privaten Pflegeheimen, im Gegensatz zu öffentlichen und teilprivaten Einrichtungen. Diese Daten werden als Munition geworfen, nicht als Schlussfolgerung.

Der Faktor Familie: Erbschaft und der „Schubs“

Es gibt einen unbequemen Aspekt, der in mehreren Nachrichten auftaucht: die Familie als Interessengruppe. Es wird argumentiert, dass in einem Modell wie dem spanischen, in dem der Staat als Anbieter fungiert und eine Generation ihren Anteil erwartet, die Sedierung des Großvaters auch als wirtschaftliche Entlastung gelesen werden kann. Es gibt keine Daten, die diese These im Material stützen, nur Verdacht. Aber der Verdacht kursiert.

Solider ist der Bericht dessen, der entscheiden musste. Ein Teilnehmer erzählt, dass sein Vater mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs ihn bat, damit aufzuhören. Ein anderer, ein medizinischer Fachmann, berichtet, dass er nach fünf Jahren Überleben und einer Komplikation entschied, seinen eigenen Vater zu sedieren, und gibt zu, dass es keinen Tag gibt, an dem er die Entscheidung nicht hinterfragt. Keiner der beiden spricht von ärztlichem Druck. Sie sprechen von eigenen Entscheidungen, getroffen mit Schmerz. Der Unterschied zu den beiden Anfangsfällen ist genau dieser: Hier entschied jemand. Dort, laut dem Bericht, entschied jemand für sie.

Was überprüfbar ist und was nicht

Nichts davon ist ein offizieller Bericht. Es sind anonyme Zeugnisse, ohne Krankenhausaamen, ohne genaue Daten und ohne Möglichkeit zur Überprüfung. Die Diskussion weiß dies und behandelt es dennoch als Symptom, nicht als Beweis. Der Wert des Materials liegt nicht in der Genauigkeit jedes Falls, sondern in der Übereinstimmung der Muster: Ältere Menschen, angebotene Sedierung, unter Druck gesetzte Familien, diffuse Zustimmung.

Bleibt die verwirrende Tatsache. Im ersten Fall verbesserte sich der Patient. Im zweiten fragte die Patientin nach ihrem Zuhause. Keiner von beiden befand sich in einer erklärten Terminalphase. Und in beiden Fällen kam die Diskussion über das Ende vor der Diskussion über die Behandlung. Wenn das Protokoll ist, sollte jemand erklären, welches Protokoll gemeint ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (173 Antworten).

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