15-M in Madrid: Was bleibt von der Protestbewegung?

Die Besetzung der Puerta del Sol begann am 15. Mai 2011. Teilnehmer sind sich einig, dass Parteistrukturen die Versammlungen dominierten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

15-M in Madrid: Was bleibt von der Protestbewegung?
Was vom 15-M übrig blieb: Zeugnisse der Demonstranten

Eine Bewegung, die mit dem Anspruch startete, der Bruch sei nicht zwischen links und rechts, sondern „von oben nach unten“, endete damit, neue Parteien, Sitze im Parlament und Ministerposten zu füllen. Die Besetzung der Puerta del Sol begann am 15. Mai 2011. Jahre später schwankt das Fazit der Beteiligten zwischen Nostalgie für die erste Nacht und der weit verbreiteten Gewissheit, Teil eines Prozesses gewesen zu sein, der ihnen entglitt. Einige verbrachten Wochen auf dem Platz; andere nur einen Nachmittag, um zu sehen, was sich anbahnt. Kaum jemand wiederholt den damaligen Enthusiasmus.

Was forderte der ursprüngliche 15-M?

Der Aufruf, der den Platz füllte, war nicht die Besetzung selbst. Es handelte sich um eine Demonstration, initiiert von „Democracia Real Ya“ unter dem Motto „Echte Demokratie jetzt“, mit einem konkreten Auslöser — dem Sinde-Gesetz — und einer Diagnose, die heute jeder unterschreiben würde: Die Politiker vertraten nicht ihre Wähler. Mehrere Anwesende betonen dieselbe Unterscheidung: Das Anliegen war parteiübergreifend, vernünftig und grundlegend.

Der Bruch kam später, als aus dem Protest ein Lager und aus dem Lager eine ständige Versammlung wurde. Für einen Teil der Teilnehmer waren die Märsche der echte 15-M; die Besetzungen seien ein künstliches Nebenprodukt gewesen, auf das Akteure mit anderen Plänen aufsprangen. Der Unterschied ist nicht rhetorisch: Er markiert die Grenze zwischen diffusem Unmut und einer Struktur, die letztlich von jemandem gesteuert wurde.

Wann roch es nach Organisation?

Früher, als die meisten glauben. Manche erkannten das Muster bereits am ersten Tag: Sie identifizierten Gesichter und Methoden radikaler linker Organisationen und schlossen daraus, dass nichts spontan war. Andere brauchten länger, bis zur letzten Demonstration in ihrer Stadt, wo sie Parteimitglieder sahen, die den Zug mit ihren Fahnen anführten, während der Rest nichts bemerkte.

Die Versammlungen sind der häufigste Berührungspunkt. Ein detailliert überlieferter Fall beschreibt, wie eine Versammlung in die Hände eines älteren Herrn mit offensichtlicher Erfahrung in solchen Dingen fiel; später sah man ihn in einer nahegelegenen Bar eine Kleinigkeit bestellen und den Bon aufheben. Ein anderer Bericht erwähnt Gruppen mit Hippie-Look, aber neuer Kleidung, als kämen sie gerade vom Imageberater. Das Muster wiederholt sich: Der Protest dauert wenige Tage, und Parteistrukturen übernehmen die Mikrofone.

Vom „Kaste“ zum Vokabularwandel

Auch die Sprache hat ein Datum. In jenen Monaten kursierte der Begriff „castuzo“ für die politische Klasse; als er 2013 in Talkshows von Intereconomía TV und 13TV auftauchte, taufte einer der zukünftigen Medienstars des Bewegungskosmos ihn in „la casta“ (die Kaste) um, besser verdaulich für die breite Masse. Die Anekdote ist nicht trivial: Sie fasst den Sprung vom Platz ins Studio und von dort ins Parlament zusammen.

Ein weiteres Detail der Zeit ging in die Archive. Eine Gruppe von Besetzern wurde in einer Sendung von Intereconomía interviewt, doch dieses Material ist heute, laut denen, die danach suchen, nirgends mehr auffindbar. Damals tingelte auch ein junger Mann mit Mikrofon und Kamera durch das Lager, der Interviews für eine Fernsehsendung aus Vallecas drehte.

Wer instrumentalisierte den Unmut?

Hier herrscht fast Konsens. Kurz nach der Räumung entstand Podemos und zog Mobilisierungen, Energie und Hoffnungen in die Wahlurne. Manche behaupten, einige der Platzbesucher hätten enorm profitiert, und nennen Pablo Iglesias und Irene Montero als die Hauptnutnießer des Prozesses; andere geben halb im Scherz zu, dass sie ohne Skrupel heute ein besseres Haus hätten. Dies sind Einschätzungen, keine bewiesenen Tatsachen, und so sollten sie gelesen werden.

Die verbreitetste Lesart ist, dass das System nicht gebrochen wurde: Es gab nur mehr Farben, in die man das Papier werfen konnte. Eine Strömung fügt hinzu, der Unmut habe sich in etwas muss geändert werden, damit alles gleich bleibt erschöpft. Aus heutiger Sicht schmerzt diese Diagnose mehr als damals.

Was auf der Strecke blieb

Es gab auch harte Schläge, und zwar nicht nur auf dem Platz. Die Demonstrationen im September 2012 rund um das Parlament — das „Belagerung des Kongresses“ — endeten tatsächlich mit Übergriffen und Konfrontationen; manche Berichte beschreiben Knüppelschläge und hastig geschlossene Café-Türen. Zuvor, bei den Protesten gegen die Kürzungen oder den Busfahrten nach Madrid, durchsuchte die Polizei die Insassen beim Überqueren der Sierra de Guadarrama.

Und ein Nebenschaden des Kalenders: Wer 2011 die Besetzung mit Interesse beobachtete, gleichzeitig aber Bitcoin für 80 Euro hielt, räumt heute ein, falsch priorisiert zu haben. Der Vergleich, halb ernst halb scherzhaft, sagt viel über die Art der Leser dieser Themen aus.

Ein offenes Ende

Es bleiben wenige Gewissheiten und viele Risse. Die Bewegung, die demokratische Erneuerung versprach, glich am Ende, nach Ansicht vieler ihrer Protagonisten, genau dem, was sie bekämpfen wollte. Die 22 Jahre eines Besetzers, der von der Bereitschaftspolizei geschlagen wurde, haben noch keine Erklärung gefunden, die zufriedenstellt. Hat der 15-M etwas gebracht, oder lehrte er vor allem, wie leicht sich Menschen mobilisieren lassen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (146 Antworten).

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