Zinseszins: 30 Jahre Sparen für die finanzielle Freiheit

Der Zinseszins braucht 30 Jahre, um wirksam zu werden. Wer seit 13 Jahren investiert, macht oft Verluste; Dividenden-Reinvestition steigert die Rendite von 338% auf 541%.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zinseszins: 30 Jahre Sparen für die finanzielle Freiheit
30 Jahre harter Arbeit, um im Alter wohlhabend, aber erschöpft zu sein

Wozu dient es, drei Jahrzehnte lang zu investieren, wenn der Gewinn erst kommt, wenn man körperlich und geistig nicht mehr in der Lage ist, ihn zu genießen? Diese Frage prägt eine Diskussion unter Privatanlegern, die sich über fast vier Jahre hinzieht und immer wieder zum selben Ergebnis führt: Der Zinseszins funktioniert, aber er braucht so lange, bis er spürbar wird, dass finanzielle Freiheit zu einem Versprechen an einen unbekannten 60-Jährigen wird.

Der Ausgangspunkt ist hart: Der einzige realistische Weg sind dreißig Jahre des Sparens, weit unter dem eigenen Lebensstandard. Am Ende des Tunnels wartet ein Vermögen, das höchstens davon befreit, von anderen abhängig zu sein. Die Mathematik steht außer Frage. Diskutiert wird, ob es sich lohnt.

Wie lange dauert es, bis der Zinseszins sichtbare Ergebnisse liefert?

Dreißig Jahre, und dann noch mit Glück. Das ist der Zeitraum, der am Anfang dieser Debatte immer wieder genannt wird, verbunden mit einer Warnung: Wer nicht direkt nach der Kindheit mit dem Investieren beginnt, ist zu spät dran. Das häufigste Beispiel ist der Rentner, der jahrzehntelang jeden Überschuss aufbewahrte und schließlich zwischen 7 und 8 Millionen Dollar ansammelte, ohne jemals ein hohes Gehalt bezogen zu haben. Er lebte wie ein Armer, um reich zu sterben. Das ist das Modell – und auch sein Fluch.

Die Berechnungen lassen keinen Spielraum: Ein Horizont von zehn Jahren kann mit Verlusten enden, ohne dass etwas grundlegend schiefgelaufen ist. Es gibt Anleger, die seit dreizehn Jahren einzahlen und heute im Minus stehen. Von diesem Punkt aus betrachtet wird die Frage, was man mit dem Geld mit 60 tun soll, unangenehm.

Das Problem langer Zeiträume ohne Rendite

Märkte steigen nicht linear, und manche Indizes haben zwei Jahrzehnte lang stagniert. Der japanische Nikkei wird als Warnung zitiert, ebenso der spanische IBEX 35 in bestimmten Phasen. Die Schlussfolgerung der Befürworter dieser These ist einfach: Der Glaube daran, dass „die Börse langfristig immer steigt“, ist eine populäre Annahme, kein Naturgesetz.

Die Gegenargumente liefern Daten. Ohne Berücksichtigung von Dividenden sehen die Renditediagramme katastrophal aus; mit ihnen ändert sich das Bild deutlich. Dividenden liegen bei etwa 3% bis 4% pro Jahr, und reinvestiert sind sie ein entscheidender Teil der Gesamtrendite. Wer sie ignoriert, liest die Geschichte falsch, so dieses Lager.

Reinvestition von Dividenden: Von 338% auf 541% in zwei Jahrzehnten

Nach einer in der Diskussion kursierenden Berechnung liegt die zwanzigjährige Rendite ohne Reinvestition der Dividenden bei etwa 338%; mit Reinvestition steigt sie auf 541%. Der Unterschied ist keine Nuance: Er beträgt fast die Hälfte des Ergebnisses. Auf dieser Basis ist die Kritik an Diagrammen, die die Aktionärsvergütung ausschließen, vernichtend.

Bleibt das steuerliche Problem. Das Finanzamt (Hacienda) kassiert seinen Anteil, bevor die Dividende erneut in den Markt fließt, obwohl dies in einem Indexfonds innerhalb des Vehikels verwaltet wird. Das heißt, die Reinvestition ist nicht kostenlos, aber der Zinseszins-Effekt hält stand.

Warum investieren so wenige Menschen in Spanien in Aktien?

Weil es weder Mittel noch Möglichkeiten gab. In Spanien investieren nur etwa 2% der Bevölkerung fundiert in Aktien, die Finanzbildung ist praktisch nicht vorhanden, und bis vor wenigen Jahren gab es weder einen seriösen Broker noch kostengünstige Indexfonds. Die Kultur der Immobilieninvestitionen („Ladrillo“) tat ihr Übriges.

Gegen diese Diagnose argumentiert ein anderer Sektor, dass Ausreden nichts zählen: Man kann amerikanische Aktien von jedem Sofa aus kaufen, da der Markt globalisiert ist. Man muss nur eine unbequeme Prämisse akzeptieren: dass man arm ist und so leben muss, bevor man nach mehr strebt.

Ist es mit 40 zu spät, um aufzuhören zu arbeiten?

Für viele ja. Die Zahl, die für die wirtschaftliche Unabhängigkeit oft genannt wird, ist ein Portfolio von etwa 400.000 Euro in einem Indexfonds, eine Summe, die mit 40 und ohne Erbe unerreichbar erscheint. Der tiefere Verdacht lautet, dass der durchschnittliche Angestellte nie durch Aktien rentabel wird: Im besten Fall hört er auf, in einem anderen Sinne zu rudern.

Daraus entsteht die These des Erbes. Vermögen aufzubauen ist eine Aufgabe für mehrere Generationen: Eine beginnt, die nächste setzt fort, die dritte erntet. Wer die Kette bricht, um das Geld heute auszugeben, verurteilt seine Familie dazu, weiterhin so zu leben. Die Antwort ist klar: Das Leben darf nicht für einen imaginären Urenkel geopfert werden.

Anleihen, REITs und Renten: Was bleibt, wenn Aktien versagen?

Die Kupons von Anleihen bieten nach Jahren lächerlicher Renditen unter 1% wieder akzeptable Erträge, und REITs ermöglichen Immobilien-Exposure mit Börsen-Liquidität. Nichts davon löst das Grundproblem: Eine hohe Inflation, im diskutierten Szenario um die 10%, erfordert zweistellige Renditen, nur um nicht zu verlieren.

Die staatliche Rente taucht in fast allen Berechnungen als Einkommen auf, dem immer weniger vertraut wird. Und ewiges, ruhendes Sparen, obwohl es sicher wirkt, entwertet sich von selbst.

Mit diesen Zahlen wäre es ideal, bereits mit sechs Jahren zu investieren, wie ein bestimmter Investor aus Omaha. Doch selbst dann geht die Rechnung nicht auf. Der Unterschied ist, dass er die Zeit geerbt hat, die wir damit verbringen, arm geboren zu werden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (232 Antworten).

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