Zapatero versprach 2010 die Überholung Deutschlands beim Pro-Kopf-Einkommen

2007 versprach Spaniens Ministerpräsident Zapatero, Deutschland 2010 beim Pro-Kopf-Einkommen zu überholen. Die Produktivität wuchs kaum, der Aufholprozess kam nie zustande.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zapatero versprach 2010 die Überholung Deutschlands beim Pro-Kopf-Einkommen
Zapatero versprach, Deutschland beim Pro-Kopf-Einkommen zu überholen – und das Pressearchiv antwortet

2007 saß José Luis Rodríguez Zapatero einem Redakteur von El País gegenüber und ließ ein Versprechen mit Verfallsdatum fallen. "Bis 2010 können wir sie problemlos überholen", sagte er über das deutsche Pro-Kopf-Einkommen. "Wir sind sicher, dass wir Deutschland und Italien beim Pro-Kopf-Einkommen in zwei, drei Jahren überholen werden. Wir werden sie einholen", fügte er hinzu. Der Satz machte die Runde durch die Nachrichtenagenturen —Europa Press griff ihn auf— und landete in den Wirtschaftstalks, wo jemand den Taschenrechner zückte, bevor der Kaffee kalt wurde.

Was Zapatero versprach und auf welche Zahlen er sich stützte

Das offizielle Argument stand auf drei Beinen. Spanien wuchs mit Raten von nahezu 4% und erzeugte laut dem Ministerpräsidenten 60% aller Arbeitsplätze Europas. Der Haushaltsüberschuss von 2006 —1,6% des BIP, rund 14 Milliarden Euro— stellte das Land "wirtschaftlich sicher" und erlaubte es, die Schulden in Richtung 30% des BIP zu senken. Als Krönung versprach der Nationale Reformplan, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung vom aktuellen 1,13% auf 2% bis 2010 anzuheben.

Auf dem Papier waren das Zahlen des Wohlstands. Die Frage ist, was sie eigentlich messen.

Die Rechnung, die ein Forumsnutzer dem Versprechen entgegenhielt

Mit den Daten des dritten Quartals 2006 auf dem Tisch rechnete ein Forumsnutzer nach. Das BIP wuchs um 3,80% im Jahresvergleich. Die Erwerbstätigenzahl stieg von 19.191.000 auf 19.895.600 Personen, ein Plus von 3,67%. Wenn mit einem fast identischen Anstieg der Beschäftigten kaum mehr produziert wird, bleibt die Produktivität —das, was ein hohes Pro-Kopf-Einkommen wirklich trägt— bei 0,13%, praktisch null.

Da lag der Haken. Das Pro-Kopf-Einkommen kann auf zwei Wegen steigen: besser arbeiten oder mit mehr Leuten arbeiten. Spanien fuhr den zweiten Weg, und der hat eine Decke.

Warum Spanien Deutschland beim Pro-Kopf-Einkommen nicht einholte

Weil die Lücke keine der Wachstumsrate, sondern des Niveaus war. Nach der Zahl, die im Thread kursierte —der CIA-Liste laut Wikipedia—, lag das kaufkraftbereinigte deutsche Pro-Kopf-Einkommen 2009 bei rund 34.100 Dollar, das spanische bei 33.700 Dollar. Vierhundert Dollar.

Das Detail, so ein anderer Forumsnutzer: Deutschland erreichte diese Zahl, indem es seinen Arbeitnehmern im Schnitt zwischen 3.200 und 3.300 Euro netto im Monat zahlte. Spanien näherte sich demselben Indikator mit einer anderen Struktur: niedrigere Löhne und ein Bauboom, der die Beschäftigung trug. Zwei Länder mit ähnlichen Zahlen und entgegengesetzten Motoren.

Der Trick des Indikators: Pro-Kopf-Einkommen ist nicht Lebensstandard

Es gibt einen Einwand, den man ernst nehmen sollte: Die makroökonomischen Indizes schmücken sich selbst. Die Arbeitslosigkeit sinkt, wenn Menschen auswandern oder die Jobsuche aufgeben; das Pro-Kopf-Einkommen steigt, wenn Arbeitsplätze abgebaut werden und nur die hohen Gehälter übrig bleiben. Volkswirtschaften mit sehr hohen Einkommen aus Rohstoffen sind keine Wohlfahrtsparadiese.

Und dann ist da noch das Kleingedruckte. Ein Haushalt, der 3.000 Euro im Monat einnimmt und 700.000 Euro Hypothek schuldet, lebt nicht besser als einer, der 2.999 Euro einnimmt und 30.000 Euro schuldet. Das Pro-Kopf-Einkommen betrachtet das Foto des Einkommens; die Pro-Kopf-Verschuldung das des Ballasts. Mit beiden Zahlen vor Augen kehrt sich der Vergleich mit Deutschland um.

Vom Versprechen von 2010 zum Pressearchiv von 2012

Die Frist verstrich. Der Aufholprozess kam nie zustande, und das Land, das Deutschland hätte überholen sollen, wies laut der Bilanz der Forumsnutzer am Ende mehr als 4,5 Millionen Arbeitslose auf. 2012, als die Sache bereits nach altem Witz roch, holte eine Meldung den Ex-Ministerpräsidenten zurück in die Schlagzeilen: Er war nach Lanzarote aufgebrochen, um drei Wochen mit der Familie zu verbringen, und dachte darüber nach, auf der Insel ein Haus zu kaufen. Schreiben, laufen und ohne Albträume schlafen, lautete die Schlagzeile.

Das Versprechen starb so langsam, dass es zur Literaturgattung wurde. Von Zeit zu Zeit gräbt jemand den Satz wieder aus, und er macht erneut die Runde.

Bleibt die Zahl, die verstört. 2009 wiesen laut den im Thread zitierten Zahlen zwei europäische Partner nahezu identische Pro-Kopf-Einkommen auf: 34.100 Dollar Deutschland, 33.700 Dollar Spanien. Deutschland zahlte es aus eigener Tasche; Spanien, so derselbe Forumsnutzer, kassierte EU-Gelder und baute Wohnungen am Fließband. Vierhundert Dollar Unterschied – und zwei unvereinbare Arten, sie zu tragen. Die Zahl stimmte; das Modell nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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