Yen fällt auf 187 pro Euro: BoJ kann Zinsen nicht erhöhen

Der Yen erreicht mit 187 pro Euro den tiefsten Stand des Jahrhunderts. Die BoJ ist durch die Staatsverschuldung blockiert, während die USA eingreifen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Freier Fall des Yen und eine Zentralbank im Dilemma zwischen Inflation und Schulden

Was passiert in Japan? Diese Frage dominiert derzeit die Märkte, während der Yen bei 187 pro Euro notiert – dem schlechtesten Wert dieses Jahrhunderts. Die US-Notenbank Fed verkauft Euro, um eine Währung zu stützen, die keinen Boden findet. Gerüchte über koordinierte Interventionen vermischen sich mit der Realität einer Zentralbank, die seit Monaten an Zinserhöhungen scheitert. Ein Niedergang ohne kosmetische Korrekturen.

Eine Zentralbank, die Zinsen erhöhen will, aber nicht kann

Die Bank of Japan (BoJ) hielt diese Woche die Leitzinsen bei 1,00 %. Ratsmitglied Takata stimmte gegen den Beschluss und forderte eine Erhöhung auf 1,25 %. Die BoJ warnt selbst, dass die Inflation deutlich über 2 % steigen wird, und bekräftigt ihre Bereitschaft zu weiteren Schritten. Warum bleibt sie dennoch untätig? Weil echte Zinserhöhungen angesichts der enormen öffentlichen Verschuldung das Budget durch steigende Zinskosten sprengen würden. Wenn die Geldpolitik nicht mehr von der Inflation, sondern vom Schuldendruck diktiert wird, handelt es sich nicht mehr um Politik, sondern um Notfalltherapie.

Die Schwäche des Yen ist kein Zufall. Nach Jahrzehnten bewusster Abwertung zur Stützung der Exporte – eine Strategie, die funktionierte, solange die Welt japanische Technologie kaufte – reagiert die Währung nicht einmal mehr auf Interventionen. Im Krisenjahr 2008 lag der Euro-Yen-Kurs bei 161. Am vergangenen Montag erreichte er 187. Obwohl die japanische Regierung vor einigen Monaten intervenierte und kurzfristige Entlastung schuf, hält der Abwärtstrend an.

Spanien hat Japan nicht überholt: Die Illusion des Wechselkurses

Ein oft zitiertes Argument dieser Tage betrifft das BIP pro Kopf: Spanien habe Japan überholt, obwohl es keine vergleichbare Industrie wie Toyota oder Sony besitzt. Dies gilt nur für nominale Dollarwerte, ist aber irreführend. Die reale Eurostat-Reihe in konstanten Euro zeigt, dass Spaniens BIP pro Kopf von 21.640 Euro im Jahr 2000 auf 26.210 Euro 2024 stieg – ein Plus von 21 %, nicht die suggerierten 250 %. Der Unterschied resultiert aus akkumulierter Inflation und einem Euro-Dollar-Kurs von 0,92 im Jahr 2000. Dieselbe Verzerrung führt dazu, dass Japans BIP scheinbar 20 % unter dem Niveau von 2000 liegt, was jedoch größtenteils währungsbedingt ist.

Das bedeutet nicht, dass Japan florierend ist. Das absolute BIP, das bis 2022 vor Deutschland lag, wird nun von Deutschland übertroffen. Zudem verlor Japan seit 2000 vier Millionen Einwohner, während Spanien acht Millionen gewann. Doch einen Wechselkursproblem mit industrieller Krise gleichzusetzen, führt zu falschen Schlüssen: Japan verfügt weiterhin über eine industrielle Basis, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit, von der Spanien nur träumen kann.

Der FIMA-Trick: Yen-Stützung ohne Anleiheverkauf

Die Intervention am Freitag überraschte nicht. Sie wurde diese Woche von US-Finanzminister Bessent bestätigt, der zudem schriftlich die Ausweitung der FIMA-Fazilität der Fed forderte. Warum ist das wichtig? Eine Zentralbank, die Dollar benötigt, hat zwei Optionen: Sie verkauft ihre US-Treasuries oder leiht sie temporär gegen Dollar aus und erhält sie später zurück. Option eins drückt den Anleihekurs und treibt die langfristigen US-Zinsen nach oben; Option zwei tut dies nicht. Washington bevorzugt Letzteres und fordert es daher öffentlich.

Der Markt bleibt jedoch skeptisch. Der Carry Trade – Aufnahme billiger Yen-Kredite zur Investition in renditestärkere Assets – kehrt sich um. Der „Reverse Carry Trade“ ist bereits da: Kredite werden nicht verlängert, Zinsen steigen, und der Aktienmarkt könnte geopfert werden, um die Anleihenmärkte zu retten. Die Anpassung hat also erst begonnen.

Das Kernproblem ist nicht der Yen, sondern die Demografie

Die Währung ist nur das Symptom; die Überalterung ist die Krankheit. Japan gleicht einem Altersheim für die gesamte Nation, mit einer Bevölkerung, die jährlich um Hunderttausende schrumpft. Außerhalb Tokios werden Häuser verschenkt, weil Wohnraum im Übermaß vorhanden ist und Erben fehlen. Man erfand sogar vererbliche Hypotheken – das Hamsterrad in seiner extremsten Form –, damit die Schulden nicht mit dem Schuldner sterben. Keine Geldpolitik kann dies lösen.

Indes klammert sich das Land an seine industriellen Traditionen: Unternehmen arbeiten noch mit Fax und Disketten, und laut einem ehemaligen Toyota-Chef muss sich die Automobilbranche fusionieren oder verschwinden. Hinzu kommen Exportbeschränkungen für Technologie nach China, das bereits zu Preisen produziert und kopiert, die Japan nicht konkurrenzfähig sind. Manche sehen im schwachen Yen eine Tourismus-Chance – Essen und Unterkunft kosten heute weniger als in Spanien –, doch auch dies erzeugt Reibereien, etwa durch Schilder, die Besucher nach Sprachkenntnissen unterscheiden.

Mit festgefahrenen Zinsen, explodierenden Schulden und schrumpfender Bevölkerung lautet die Frage nicht mehr, ob Japan in der Krise steckt. Die Frage ist, ob der Yen einen Boden findet, bevor die finanzielle Anpassung ihn hinwegspült. Die Warnung der Märkte bezüglich Japans ist keine bloße Vorsorge: Es ist ein vorweggenommenes Epitaph. Oder eben nicht. Je nach Perspektive.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (343 Antworten).

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