Wokeness verbietet Beleidigung nicht – nur Beleidigung ohne Konsequenzen

Wokeness verbietet das Beleidigen nicht, sondern zwingt dazu, die sozialen Kosten der Grobheit zu tragen. Die Klage über politische Korrektheit verbirgt oft den Wunsch nach Straflosigkeit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wokeness verbietet Beleidigung nicht – nur Beleidigung ohne Konsequenzen
Proge nimmt euch nicht die Freiheit – sie nimmt euch die Straflosigkeit

Proge hat die Grobheit nicht verboten; sie hat ihren Preis erhöht. Wer sich darüber beschwert, nicht respektlos sein zu dürfen, verlangt im Grunde, dass Respektlosigkeit keine Folgen hat. Die Meinungsfreiheit wird als Schutzschild bemüht, doch das Recht zu beleidigen schließt nicht das Recht ein, zu demütigen.


Die unsichtbare Ökonomie des Respekts

Respekt funktioniert wie ein Vermögenswert: Er schafft Vertrauen, reduziert Reibungen und senkt die Kosten des Zusammenlebens. Politische Korrektheit ist in ihrer vernünftigsten Form eine Technologie zum Schutz dieses Werts. Wer sie ablehnt, argumentiert meist, sie verwandle das Miteinander in eine Beerdigung. Doch die Alternative ist keine Spontaneität: Es ist die Beleidigung als Normalzustand.

In Spanien war das Beleidigen historisch eine Form der Zuneigung; in anderen Ländern ist derselbe Satz ein Grund zur Beschwerde. Dieser kulturelle Unterschied erklärt, warum Grobheit in Politik und Medien hier eher toleriert wird. Die Klage über Proge ist in vielen Fällen keine Verteidigung der Meinungsfreiheit, sondern eine Verteidigung des Rechts, nicht widersprochen zu werden.

Die Asymmetrie des Rechts zu beleidigen

Das Argument, das Recht zu beleidigen müsse in beide Richtungen gelten, ist auf dem Papier vernünftig. In der Praxis dient es dazu, das Privileg einzufordern, zu beleidigen, ohne widersprochen zu werden. Wenn sich jemand durch Kritik beleidigt fühlt, antwortet er mit dem Vorwurf der Zensur. Dieser Schachzug macht aus dem Opfer den Täter.

Oscar Wildes Ausspruch — „Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, den Leuten zu sagen, was sie nicht hören wollen" — ist zur Fahne geworden. Aber Meinungsfreiheit ist kein Freibrief für Demütigung. Solange Proge ein Sammelbegriff bleibt, wird der Streit weitergehen. Die Frage ist nicht, ob man beleidigen darf, sondern wer die Kosten trägt. Und darin wird es, absehbar, keine Einigung geben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

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