Woher der Begriff „Fachapobre“ stammt: Eine klassistische Erfindung des Kulturkampfes

Der Begriff „Fachapobre“ entstand als kulturkämpferische Waffe der Linken, um reiche Arbeiterväter zu stigmatisieren, doch das klassistische Paradox…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Linke erfand „Reaccionariopobre“, um Arbeiterväter rechts der Mitte zu stigmatisieren – doch der Plan ist nach hinten losgegangen

Der Begriff „Reaccionariopobre“ (sinngemäß „armer Faschist“) tauchte in der öffentlichen Debatte als politisches Schmähwort auf, das Wähler der Rechten aus der Arbeiterklasse delegitimieren soll. Sein Ursprung ist jedoch gesteuerter, als es scheint. Er entstand nicht spontan aus der Basis: Linke Parteien wie die PSOE (Spaniens sozialistische Partei) haben ihn als kulturkämpferische Parole vorangetrieben, eine Weiterentwicklung des abgedroschenen „dümmer als ein rechter Arbeiter“, das nie recht zündete. Die Strategie: Wenn man den Gegner nicht Faschist nennen kann, nennt man ihn arm.

Vom Schmähwort zur Waffe der Massenpropaganda

Der Begriff erschien Mitte der 2020er Jahre in Foren und sozialen Medien, doch seine Verbreitung war nicht organisch. Diverse Analysen zufolge soll die Führung von Parteien wie der PSOE angeordnet haben, das Konzept über digitale Aktivisten zu verbreiten und die Plattformen zu fluten, bis es sich normalisierte. Die Idee war einfach: den Rechten-Wähler als jemanden darzustellen, der trotz Armut gegen seine eigenen wirtschaftlichen Interessen wählt. Die Paradoxie besteht jedoch darin, dass diejenigen, die das Schmähwort benutzen, meist einer gut situierten Linken angehören, die nie zwischen Stromrechnung und vollen Kühlschrank wählen musste.

Das Problem: Der Plan könnte nach hinten losgegangen sein. Die allgemeine Verarmung der Mittelschicht, beschleunigt durch Inflation und die Politik der letzten Regierungen, lässt den Begriff zynisch klingen. Wie mehrere kritische Stimmen anmerken, ist es ironisch, dass ausgerechnet diejenigen, die zur Verarmung der Arbeiterklasse beigetragen haben, sie anschließend beleidigen, indem sie sie arm nennen, weil sie sie nicht wählen.

Das klassistische Paradox der Linken

Die Debatte offenbart einen tieferen Widerspruch: Die Linke, die sich traditionell als Verteidigerin der Benachteiligten präsentiert, nutzt nun ein ökonomisches Merkmal als Wurfgeschoss. Der Begriff „Reaccionariopobre“ ist reiner Klassismus und sagt mehr über den aus, der ihn benutzt, als über den, der ihn trifft. Der Arbeiterväter-Wähler der Rechten schämt sich derweil nicht: Im Gegenteil, viele tragen das Wort als Stolzabzeichen und sehen darin den Beweis, dass sie sich nicht mit Versprechen von Subventionen kaufen lassen.

Es hat sich eine Dynamik des „politischen Stockholm-Syndroms“ entwickelt: Der Arme wählt rechts, weil er nach dem Experiment mit der Linken gesehen hat, dass sich seine Kaufkraft nicht verbessert. Und auf die Beleidigung reagiert er mit Gleichgültigkeit oder Hohn über den Beleidiger, den er als „reichen Gutmenschen“ wahrnimmt, der noch nie für sein Brot geschwitzt hat.

Eine unsichere Zukunft für das Schmähwort

Wenn man den Verlauf des Kulturkampfes betrachtet, sind die Tage von „Reaccionariopobre“ als wirksames Schmähwort gezählt. Seine Wirkung schwindet, je mehr Menschen den klassistischen Kern erkennen und ablehnen. Manche Beobachter prognostizieren, dass der Begriff – wie seinerzeit „Feminista radical“ – von der Rechten vereinnahmt und zum Stolzbanner umgedeutet wird. Die Linke wird derweil eine neue Parole suchen müssen, um die Andersdenkenden zu stigmatisieren. Fest steht: Der Kampf um die Sprache hat gerade erst begonnen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (89 Antworten).

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