Wochenend-Karte: Spanien liegt in Europa beim fehlenden Nationalstolz vorn

Eine Umfrage weist Spanien den Spitzenplatz in Europa beim fehlenden Nationalstolz zu: 20 Prozent der Spanier empfinden keinen Stolz auf ihr Land. Die Daten im Ländervergleich und was dahintersteckt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Eine Meinungsumfrage weist Spanien als das europäische Land mit dem höchsten Anteil an Bürgern aus, die keinen Stolz auf ihre Nation empfinden, rund 20 Prozent. Der Wert verdreifacht den Abstand zu Belgien und steht im Kontrast zum Chauvinismus Griechenlands oder des Balkans.

Manche Umfragen liest man wie eine Karte, andere wie einen Spiegel. Diese gehört zur zweiten Kategorie. Rund **20 Prozent** der Spanier geben an, keinen Stolz auf ihr Land zu empfinden – der höchste Prozentsatz Europas bei dieser Frage. Der Abstand zum nächsten Land ist kein Detail: Es liegen drei Punkte zwischen Spanien und **Belgien**, einer Monarchie, deren innerer Zusammenhalt auf der Krone ruht.

## Spanien führt beim fehlenden Nationalstolz

Die Zahl besagt nicht, dass jeder fünfte Spanier sein Land verleugnet. Sie besagt, dass jeder fünfte es nicht an erste Stelle setzt, wenn man ihn fragt. Das ist ein feiner, aber relevanter Unterschied, denn Nationalstolz misst eher die Bereitschaft, ihn zur Schau zu stellen, als die tatsächliche Verbundenheit.

Der Vergleich mit Belgien ist wegen des Modells aufschlussreich. Dort ist der Staat um eine Monarchie herum aufgebaut, die als Kitt zwischen den Sprachgemeinschaften wirkt – und trotzdem liegt der Anteil der Distanz unter dem spanischen. Am anderen Ende erscheint **Griechenland** als Fall intensiven Chauvinismus: **Goldene Morgenröte** war drittstärkste politische Kraft und bei manchen Wahlen stärkste Liste.

## Deutschland und Großbritannien: Stolz auf technischem Weg

**Deutschland** liegt fast gleichauf mit **Großbritannien**, obwohl es einen intensiveren Entnationalisierungsprozess durchlebt. Der Schlüssel liegt darin, wohin der Stolz gelenkt wird: auf technische Leistungsfähigkeit und materiellen Wohlstand, nicht auf Militarismus. Ein Ingenieurspatriotismus, weniger laut und produktiver.

Diese Nuance ist wichtig, weil sie die Idee entkräftet, weniger Nation bedeute mehr Entfremdung. Deutschland hat weniger klassische Nationalerzählung und trägt dennoch einen messbaren Stolz. Der Unterschied zu den am Euro gebundenen Staaten ist keiner der Gefühle, sondern einer der Ergebnisse.

## Der Osten blickt auf Russland, der Balkan misstraut dem Westen

In Osteuropa wiederholt sich das Muster treu: **Russland** fungiert als sichtbares Zentrum eines Raums, in dem Nationalstolz nie in Frage gestellt wird. **Norwegen**, außerhalb der Europäischen Union, projiziert in derselben Umfrage mehr Zukunft als völlig entnationalisierte Länder.

Der **Balkan** beantwortet die Frage von einem anderen Ort aus. Er hält Westeuropa für eine entartete Welt ohne mögliche Erlösung. Das ist eine Haltung, die schon die Behörden des Franquismus in den Jahren des sogenannten **Contubernio de Múnich** vertraten. Nichts Neues unter der Sonne, nur mit anderem Akzent.

## Italien, zwischen Angst und diffuser Identität

Die Italiener erscheinen als bipolarer Fall. Sie fürchten, dasselbe Schicksal wie Deutschland zu erleiden, ohne selbst eine echte Nation zu sein – so die Lesart der Daten. Es ist ein Widerspruch, den man mit Vorsicht betrachten sollte: Er misst Wahrnehmungen, keine überprüfbaren Identitäten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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