Wine ermöglicht Office-Installation auf Linux

Ein Fünf-Schritte-Tutorial installiert Microsoft Office unter Linux und entfacht die Debatte zwischen LibreOffice, OnlyOffice und proprietären Formaten neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wine macht Linux zur Office-Installationsmaschine

Microsoft Office unter Linux zu installieren ist so einfach wie einen Doppelklick auf eine Datei namens Setup.exe. Das ist die These eines viel diskutierten Tutorials zum Thema verantwortungsvoller Softwarekonsum. Die vorgeschlagenen Schritte sind bodenständig: Paketmanager öffnen, Wine, Winetricks und Winbind installieren, die Office-ISO auf dem Desktop entpacken und immer wieder auf Weiter klicken. Der Autor schließt mit einem Augenzwinkern: „Gar nicht so schwer, oder?“ Hinter dem Scherz steckt ein ernstes Thema: der alte Vorwurf, dass Linux für die Arbeit ungeeignet sei, weil es das Office-Paket von Microsoft nicht akzeptiert.

Das Rezept basiert auf Wine, einer Kompatibilitätsschicht, die seit Jahren für Windows entwickelte Programme ohne virtuelle Maschine ausführt. Das Tutorial stellt klar, dass nach Installation der drei Anfangspakete jede andere Windows-Software — inklusive Photoshop — genauso installiert werden kann wie im Originalsystem, ohne die vorherigen Schritte zu wiederholen. Das Versprechen ist weitreichend: Im Anwendungsmenü erscheint schließlich das gesamte Office-Paket samt Icons.

Welche nativen Alternativen gibt es, um Wine zu vermeiden?

Der Weg über Wine ist nicht der einzige. Im Gespräch tauchen drei Namen auf, die denselben Platz beanspruchen: LibreOffice, OnlyOffice und WPS Office. Ersteres ist auf den meisten Distributionen vorinstalliert und erhält am meisten Kritik. Manche vergleichen es mit Office 2003, andere verteidigen es als ausreichend für 90 % der Nutzer, die angeblich nur 10 % der Funktionen einer Suite nutzen.

OnlyOffice präsentiert sich als nahezu exakter Klon der modernen Microsoft-Oberfläche, mit integriertem PDF-Editor in Version 7.5, und wird in verschiedenen Formaten vertrieben, darunter Flatpak. WPS Office tritt mit der Empfehlung jener auf, die es im Vergleich zu abwertend genannten schlecht programmierten Suiten als „sehr professionell“ betrachten. Die Diskussion darüber, was besser ist, kreuzt sich mit einer grundlegenden Frage: Interoperabilität. Wer ein Dokument in LibreOffice bearbeitet und es anschließend in Word öffnet, stellt fest, dass die Formate nicht immer zusammenpassen. Diese Inkompatibilität wird zum Hauptargument der Befürworter des Originals.

Das eigentliche Problem ist nicht Linux, sondern das geschlossene Format

Die häufigste Verteidigung von Freier Software greift nicht die Oberfläche an, sondern die Datei. Das Argument lautet, dass Microsoft seine Formate nicht offenlegt, sodass jede Abweichung beim Öffnen einer .docx-Datei in einer anderen Suite in der Verantwortung dessen liegt, der die Spezifikationen nicht veröffentlicht. Es wird betont, dass bereits Microsoft selbst Kompatibilitätsprobleme zwischen seinen Versionen hat, während LibreOffice das Format bewahrt, auch wenn die neuesten Word-Ausgaben es verzerren. Daraus folgt die Forderung nach offenen Formaten als Garantie dafür, dass ein Dokument in zwanzig Jahren noch lesbar ist — etwas, das ein proprietäres Format nicht sicherstellen kann, da es von den Entscheidungen des Besitzers abhängt.

In der Praxis verschärft sich die Debatte im Bereich Verwaltung und Bildung. Einige behaupten, Lehrer sollten Arbeiten im PDF-Format und nicht in einem proprietären Format verlangen, während andere daran erinnern, dass Vorlagen und Referenzmanager das wahre Schlachtfeld sind, wo sich die Unterschiede zwischen Suiten zeigen. Die vollständige Berechnung der Kompatibilität, einschließlich langsamer Makros und Tabellen mit Tausenden voneinander abhängiger Zellen, bleibt fortgeschrittenen Nutzern vorbehalten, die Excel wirklich benötigen.

Der ewige Krieg: Konsole gegen Maus

Das Tutorial führt schnell zum klassischen Aufeinandertreffen von Befürwortern und Gegnern des Pinguins. Eine Seite behauptet, die Nutzung von Linux sei lächerlich und das Leben zu kurz, um sich mit Distros, Befehlen und nicht funktionierenden Programmen herumzuärgern. Die andere Seite antwortet, dieses Bild sei seit mehr als einem Jahrzehnt veraltet, man müsse die Konsole nie anfassen, und Freie Software ermögliche es, Eigentümer dessen zu sein, was sich im Computer befindet, statt ein Benutzer ohne Rechte zu sein. Der Vorwurf, Linux koste Zeit, wird mit dem Hardware-Argument beantwortet: Ein zehn Jahre altes Gerät funktioniert weiterhin, während Windows alle paar Jahre eine neue Maschine erzwingt.

Die Diskussion erhitzt sich bis zur Beleidigung an mehreren Punkten, mit gegenseitigen Anschuldigungen von Fanatismus und Unwissenheit. Die gemäßigtere, aber minoritäre Haltung schlägt vor, alle Plattformen griffbereit zu haben und aufzuhören, darüber zu streiten, welche besser ist. Das verwirrende Faktum: Jemand prahlt damit, niemals für Windows oder Office bezahlt zu haben und sie trotzdem legal zu besitzen, während andere jahrelang Windows-Anwendungen unter Wine ohne einen einzigen Fehler nutzen.

Die Zukunft liegt in App-Stores

Das Gespräch endet mit einem Blick nach vorn. Es wird darauf hingewiesen, dass die Zukunft der Distributionen in Richtung unveränderlicher Systeme mit App-Stores geht — Snap bei Ubuntu, Flatpak anderswo — und dass dieses Modell die Alternative sein könnte, wenn ein Teil der Nutzer keinen Support mehr für Windows 10 erhält und wegen Hardware-Inkompatibilität nicht aktualisieren kann. Die Prognose, mit Vorbehalten: Wenn neben besserem Packaging auch die Verbesserung bestehender Software angegangen wird, wird Linux etwas für diese Masse verwaister Geräte bieten können. Niemand in der Diskussion wettet auf ein Datum.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

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