Wiener Brunnen für fast 2 Millionen Euro sorgt für Spott

Der WeWater-Brunnen in Wien kostete fast 2 Millionen Euro und acht Monate Bauzeit, was in Presse und sozialen Medien für heftige Kritik sorgt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Wiener Brunnen für fast 2 Millionen Euro sorgt für Spott
Wien zahlt fast 2 Millionen für einen Brunnen, der Spott erntet

Ein Wasserbrunnen, der die Wiener Steuerzahler fast 2 Millionen Euro und acht Monate Bauzeit gekostet hat, ist zum Running Gag in den sozialen Medien geworden. Das Werk des Kollektivs Gelatin zeigt mehrere Figuren um einen Wasserstrom. Die Urheber nannten ihn „WeWater“ und erklären ihn so: „Der Titel bedeutet, dass wir uns alle hier im Kreis zusammensetzen und gemeinsam das Wasser halten und schützen.“ Diese Erklärung konnte den Spott nicht dämpfen.

Fast 2 Millionen und acht Monate für dies

Fast zwei Millionen Euro an öffentlichen Geldern. Das ist der Wert, der die Wogen hochschlagen ließ. Die Installation dauerte acht Monate und die Kosten trägt die Stadtverwaltung. Einige behaupten ohne Beweise, dass die Auftragsvergabe 1,8 Millionen Euro betrug und diejenigen, die die eigentliche Arbeit ausführten, nicht einmal 200.000 Euro in Rechnung gestellt hätten. Dies ist ein Verdacht über die Verteilung des Geldes, keine offizielle Zahl, aber er fasst zusammen, warum das Thema über eine rein ästhetische Diskussion hinausgeht.

Das ist der Kern des Ärgers: Es geht nicht darum, dass der Brunnen hässlich ist, sondern dass man mit diesem Budget etwas anderes hätte bezahlen können. Wenn ein Gemeinderat einen solchen Scheck unterschreibt, wird die Frage von einer künstlerischen zu einer buchhalterischen.

Von spanischen Kreisverkehren zu Müllsammelstellen: Die Resonanz

In Ermangelung offizieller Urteile war das Volksurteil unerbittlich. Das Werk wurde als etwas beschrieben, das an spanische Kreisverkehre (rotondas españolas) oder an eine Müllsammelstelle (punto limpio) erinnert, an der jemand seinen Unrat hinterlassen hat. Einige gingen noch weiter und verwiesen auf das Budget: Das Ergebnis stehe, so heißt es, auf einer Stufe mit den Kreisverkehr-Verbesserungen, die während der Immobilienblase in Spanien errichtet wurden.

Der Spott hat noch weitere Ebenen erhalten. Über eine der Figuren wurde kommentiert, dass sie so aussehe, als würde sie urinieren; über das gesamte Ensemble, dass einige Linien an einen Zeichentrickpinguin erinnerten. Auch die Einweihungszeremonie diente als Munition: Wer sie gesehen hat, behauptet, die gewählte musikalische Begleitung habe der Veranstaltung einen noch unfreiwilligeren Charakter verliehen.

Wenn der Zorn kulturell wird, erscheinen historische Vergleiche: Früher erinnerten Plätze an Schlachten, Anführer und Schönheit; heute, so diese Lesart, erinnern sie an etwas anderes. Die härteste Version des Arguments besagt, dass das Stück ein Symptom für den Niedergang Europas ist.

Gelatin: Ein Eiszapfen aus Urin und ein Bogen aus Knete

Um den Auftrag zu verstehen, muss man den Lebenslauf betrachten. Gelatin ist kein improvisiertes Kollektiv: Ihre früheren Werke beinhalten Provokationen mit Urin als Material. 2005 präsentierten sie auf der Biennale für zeitgenössische Kunst in Moskau einen riesigen Eiszapfen aus gefrorenem Urin, der von Besuchern selbst beigesteuert wurde, die eingeladen wurden, in Eimer zu urinieren.

Zwei Jahre zuvor, im Jahr 2003, hatten sie in Salzburg den Arco de Triunfo errichtet, einen sieben Meter hohen Brunnen mit einer urinierenden Figur, modelliert aus 2.000 Kilogramm Knete. Angesichts dieser Vorgeschichte behaupten einige, dass derjenige, der den Brunnen in Auftrag gab, wusste oder wissen sollte, was er da kaufte.

Der Balkon im 91. Stock des World Trade Centers

The Kontroverse hat ein altes Ereignis wieder aufleben lassen. Im Jahr 2001 waren die vier Mitglieder des Kollektivs im 91. Stock des Nordturms des World Trade Centers untergebracht, in einem Atelier, das vom Lower Manhattan Cultural Council angeboten wurde. Dort entwarfen sie The B-Thing: ein Fenster öffnen, einen Balkon im Außenbereich bauen und mit Flügeln und Glitzer herauslehnen, während ein Helikopter über der Szene kreist.

Sie arbeiteten damit, Dutzende von Pappkartons bis zur Decke stapelten, in einem Holzraum, den sie selbst gebaut hatten. Der Effekt war, dass ein Teil der Fenster mit Blick auf Manhattan verdeckt war. Die Veröffentlichung des Fotoreports über das Projekt war für den 11. September 2001 geplant. Dieser Fakt, der im Thread hervorgehoben wurde, war einer der am meisten kommentierten.

Der Kaiser ist nackt

Wenn der Empfänger den Code nicht teilt, hängt zeitgenössische Kunst von einem Akt des Glaubens ab. In der Debatte ist der am häufigsten wiederholte Vorwurf nicht der der Hässlichkeit, sondern der des Märchens: Der Kaiser geht ohne Kleidung und niemand traut sich, es zu sagen. Die Verteidigung der Urheber beschränkte sich darauf, die Bedeutung des Titels zu erklären.

Einige führen die Kritik weiter und behaupten, hinter diesen Stücken stehe eine Infantilisierung des öffentlichen Diskurses, ein Umgang mit dem Bürger als jemandem, dem man nichts erklären muss, weil alles erlaubt ist.

Was als Nächstes kommt

Niemand wird das Geld zurückgeben, und der Brunnen wird bleiben, ob mit oder ohne Applaus. Es ist wahrscheinlich, dass die nächste öffentliche Ausschreibung in Wien genau unter die Lupe genommen wird und dass das Kollektiv, das bereits eine Geschichte der Provokation hat, wieder jemanden finden wird, der ihren Scheck unterschreibt. Wenn die europäische öffentliche Kunst diesem Pfad weiter folgen soll, ist es besser, dies vor der nächsten Rechnung zu wissen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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