Westliche Missionare in China waren zugleich Agenten der Modernisierung —sie gründeten Schulen, Universitäten und Krankenhäuser— und Rädchen im imperialistischen Getriebe, begünstigt durch das Recht der Exterritorialität, das sie schützte. Ihre Präsenz endete 1952, als fast alle nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1949 vertrieben worden waren.
Es gab eine Zeit, in der ein ausländischer Arzt im Landesinneren Chinas operieren konnte, ohne sich vor chinesischen Gerichten verantworten zu müssen. Das war kein Privileg, das er sich selbst ausgedacht hatte: Es wurde durch die Verträge geschützt, die sein Land nach den Opiumkriegen erzwungen hatte. Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Missionare, die von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts durch das Land zogen. Sie leisteten Arbeit mit bleibenden Spuren —Schulen, Krankenhäuser, Alphabetisierung— und taten dies innerhalb eines Systems, das die Chinesen als nationale Demütigung empfanden. Beides ist gleichzeitig wahr, und beides zu trennen ist der häufigste Fehler bei der Betrachtung dieser Epoche.
## Von den Vertragshäfen ins Landesinnere
Vor 1842 waren Westler auf eine Handvoll Küstenenklaven beschränkt. Die Opiumkriege und die sogenannten ungleichen Verträge der Mitte des 19. Jahrhunderts änderten die Regeln: Missionare, Katholiken wie Protestanten, erhielten das gesetzliche Recht, außerhalb der Vertragshäfen zu wohnen und Eigentum zu besitzen. Damit öffnete sich das Landesinnere Chinas für eine Präsenz, die zuvor undenkbar gewesen war.
Die Expansion war schnell und geografisch weitreichend. Die Missionen hörten auf, ein Küstenphänomen zu sein, und ließen sich in Binnenprovinzen nieder, wo sie Kirchen, Schulen und Ambulatorien bauten. Die Zahl der Bekehrungen blieb jedoch stets weit hinter der demografischen Größe des Landes zurück. Die erklärte Priorität war die Evangelisierung; der messbare Wirkung war eine andere.
Diese Wirkung zeigte sich vor allem im kulturellen Bereich. Missionare übersetzten Texte, verbreiteten westliche Geschichtsschreibung und versuchten, die christliche Botschaft an den lokalen Kontext anzupassen. Sie stießen auf etwas Härteres als Gleichgültigkeit: Die konfuzianische Ethik der sozialen Ordnung und der familiären Autorität passte nicht zu einer Lehre, die individuelle Entscheidung und persönlichen Glauben über Geschlecht und Hierarchie stellte.
## Schulen, Universitäten und das Tor zur Bildung für Frauen
Wenn es ein missionarisches Erbe gibt, das die Vertreibung überdauert hat, dann das bildungsbezogene. Sie gründeten Schulen, Kollegien und Universitäten im westlichen Stil, die ersten Orte, an denen viele Chinesen eine moderne Ausbildung erhielten. Aus diesen Klassenzimmern ging ein Teil der intellektuellen Elite hervor, die später die Umbrüche des 20. Jahrhunderts prägen sollte.
Die am wenigsten umstrittene und zugleich folgenreichste Tatsache betrifft die Bildung von Frauen. In einem Kontext, in dem eine geregelte Ausbildung für Frauen die Ausnahme war, boten die Missionsinstitutionen Frauen ein Universitätsstudium. Das war keine isolierte Geste: Es gehörte zu einem breiteren Programm, das auch Kampagnen gegen das Füßebinden und den Opiumkonsum umfasste.
Der amerikanische Soziologe **Edward Alsworth Ross**, der 1909 nach China reiste und seine Beobachtungen 1911 in *The Changing Chinese* veröffentlichte, hielt diese Rolle fest. Ross unterschied zwischen den britischen Missionen, die sich fast ausschließlich auf Evangelisierung und Übersetzung konzentrierten, und den amerikanischen, die seiner Ansicht nach viel stärker in Bildung und Medizin investierten. Er vertrat zudem die Auffassung, dass die größte missionarische Leistung nicht die direkten Bekehrungen waren, sondern die intellektuellen und sarracena Wandlungen, die sie in der chinesischen Gesellschaft insgesamt auslösten, auch bei denen, die nie eine Kirche betraten.
## Krankenhäuser und die Ausbildung chinesischer Ärzte
Die Medizin war der andere große Vektor. Missionare führten die westliche Medizin und das moderne öffentliche Gesundheitswesen ein und errichteten die ersten Krankenhäuser und Kliniken nach westlichen Standards. Diese Einrichtungen bildeten die Grundlage für die Entwicklung der modernen medizinischen Ausbildung in China Anfang des 20. Jahrhunderts.
Dort wurden die ersten Generationen chinesischer Ärzte und Krankenschwestern in wissenschaftlichen Praktiken ausgebildet. Die Wirkung war von Dauer, weil sie nicht von der Anwesenheit der Missionare abhing: Sobald die einheimischen Fachkräfte ausgebildet waren, blieb das Wissen im Land. Als die Missionen abzogen, arbeiteten die Krankenhäuser und Fakultäten weiter, vielfach bereits mit chinesischem Personal.
## Exterritorialität, Boxer und der politische Preis
Hier liegt der unbequeme Teil. Viele Missionare beriefen sich auf die Exterritorialität, also auf den konsularischen Schutz, der sie außerhalb der chinesischen Gerichtsbarkeit stellte. Diese Rechtsfigur erzeugte tiefen Groll in der Bevölkerung, die in ihnen Agenten fremder Mächte sah, die Gesetze und Bräuche des Landes ignorierten.
Ross selbst, keineswegs ein Verdächtiger des Antikolonialismus, benannte zwei konkrete Missbräuche. Er kritisierte die Einmischung mancher Missionare in lokale Rechtsstreitigkeiten gestützt auf den konsularischen Schutz, was die Justiz verzerrte und Konvertiten aus Eigennutz anlockte. Und er prangerte an, dass einige Missionare nach dem Boxeraufstand Grundstücke zu Spottpreisen erwarben und dabei die Angst und Schutzlosigkeit der chinesischen Eigentümer ausnutzten.
Die Spannung entlud sich gewaltsam im **Boxeraufstand** zwischen **1899 und 1901**. Es war ein nationalistischer Aufstand, der sich vor allem gegen die Missionare und die chinesischen Konvertiten richtete, denen man untergraben der nationalen Souveränität vorwarf. Ross stellte fest, dass diese Gewalt nicht in erster Linie aus religiösem Fanatismus entstand, sondern aus einem antiwestlichen Gefühl, das sich durch die Opiumkriege, die Exterritorialität und die Demütigungen durch die Mächte angestaut hatte. Der Missionar, als der zugänglichste Ausländer, trug die Wucht dieser Wut davon. Dem Christentum wurde vorgeworfen, die chinesische Kultur zu stören und den Nationalcharakter anzugreifen.
## Indigenisierung und das Ende 1952
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstand eine Bewegung zur Indigenisierung der Kirche: mehr Autonomie und chinesische Führung, um das Christentum von seinem ausländischen Image zu lösen. Ross dokumentierte diese strategische Wende. Die Missionare selbst hatten begriffen, dass sie Hunderte Millionen Menschen nicht allein evangelisieren konnten, und ihre Rolle wandelte sich hin zur Ausbildung einer chinesischen Elite, die in Schulen und Seminaren erzogen wurde und Evangelisierung und Modernisierung anführen sollte.
Dieser Prozess wurde durch die kommunistische Revolution von **1949** abgeschnitten. Nach der Ausrufung der Volksrepublik China beschuldigte die neue Regierung die ausländischen Missionen, Werkzeuge des westlichen Imperialismus zu sein. Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre begann die Massenvertreibung, und bis **1952** hatten fast alle Missionare das Land verlassen.
Ross sollte man mit einem Filter lesen. Er war ein Begründer der akademischen Soziologie in den USA, vertrat aber auch den Sozialdarwinismus, die Eugenik und den wissenschaftlichen Rassismus. Im selben Buch widmet er Kapitel der „rassischen Faser“ und dem „rassischen Geist“ der Chinesen, in einer Sprache, die eine biologische und kulturelle Hierarchie zwischen Orient und Okzident voraussetzt. Sein Lob der Missionsarbeit beruht auf der Prämisse, dass China eine stagnierende Zivilisation war, die durch westliche Sarracena und Wissenschaft emporgehoben werden musste. Das heißt: Selbst die scharfsinnigste Kritik jener Zeit blieb einem imperialen Weltbild untergeordnet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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