Warum Moskau als Erbe der Horde gilt und nicht zu Europa gehört

Eine These sieht Moskau als Nachfolger des mongolischen Khanats und spricht Russland den europäischen Status ab, während andere Europa als frankisches Konstrukt betrachten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die These: Ursprung Moskaus in der Goldenen Horde

Die Behauptung ist kategorisch und kursiert seit Längerem: Moskau sei nicht europäisch, sondern das institutionelle Erbe des mongolischen Khanats. Die Argumentation geht von einem konkreten Ereignis aus, der Invasion, die Kiew im 1237 zerstörte. Sie besagt, dass das Fürstentum, aus dem später Russland hervorging, nicht als europäische Entität entstand, sondern als Steuereintreiber für den Khan.

Der dargelegte Bericht ist detailliert. Nach der Zerstörung der Kiever Rus wurden angeblich lokale Anführer eingesetzt, um Tribute einzuziehen, und Moskau wurde zum wichtigsten Vertreter der Horde in Europa. Seine Fürsten durchstreiften die Ruinen, konfiszierten Güter und erpressten Gelder, um die Beute an den Khan der Mongolei und später an den der Goldenen Horde zu überweisen. Als diese schwächer wurde, hätten die Moskauer Khane ihre ehemaligen Herren ersetzt und deren Institutionen geerbt: Kult, Unterwerfung und Leibeigenschaft gegenüber dem Khan.

Daraus folgt die wiederholte Schlussfolgerung: Institutionell, kulturell und politisch wären Moskau und seine Nachfolgestaaten die direkten Erben des Khanats, und nichts läge weiter entfernt von Europa als dies. Das Gründungsdatum wird im 13. Jahrhundert angesetzt, im Gegensatz zu Spanien, das, so wird argumentiert, bereits in antiken Texten und im Herzen der lateinischen Welt mit Kaisern wie Theodosius, Hadrian und Trajan präsent war.

Europa als Summe der Mächte versus Einheitsbefehl

Der Kern des Arguments ist nicht genealogisch, sondern institutionell. In Europa, so heißt es, war die Macht aufgeteilt zwischen Zünften, Krone, Kirche, Städten, Gemeinderäten und Aristokratie, die untereinander durch formale und informelle Beziehungen verhandelten. In der Horde genügte der Wille des Khans. Der Vergleich wird mit Iwan dem Schrecklichen illustriert, der Ost-Europa verwüstete und jeden Widerstand ohne anderen Grund als seine Stellung als absoluter Herrscher zerschlug.

Auf dieser Basis werden Kontraste aneinandergereiht. Parlamentarismus, Handel und Zivilgesellschaft auf der einen Seite; Verteilung von Leibeigenen wie Vieh auf der anderen. Recht, Theologie und Wissenschaft gegen Willkür gegenüber der Bauerschaft. Entdeckungen und Städte gegen Plünderung der Nachbarn. Wissenschaftliche Methode und Industrie gegen Holzstädte, errichtet, um sie verbrennen zu können, wenn sie zu groß wurden. Die europäische Elite kam aus Industrie, Handel, Universitäten und Militär; die der Horde aus dem Kreis des Khans.

Das Ende dieser Aufzählung ist explizit: Die Horde wäre Antizivilisation, Chaos und Dunkelheit; Europa Ordnung und Licht. Das vollständige Katalog der Institutionen, die diesem Erbe zugeschrieben werden – Kult, Unterwerfung und Leibeigenschaft –, wird hier ausführlicher dargestellt, als es zusammenfassend möglich ist.

Die Gegenargumente: Europa war nie ein monolithischer Block

Die häufigste Antwort leugnet nicht die mongolische Vergangenheit, sondern das idyllische Bild Europas. Es wird daran erinnert, dass der Kontinent jahrhundertelang ein Schachbrett gegeneinander kämpfender Länder war: Dreißigjähriger Krieg, Napoleon, Deutsch-Französischer Krieg. Die Idee eines harmonischen und pluralistischen Europas wird als interessengeleitete Fabel bezeichnet.

Manche gehen weiter und kehren das Argument um. Mit derselben Logik wird behauptet, dass Europa heute die Horde ist: Die beanspruchten Institutionen – beginnend mit der kommunalen Selbstverwaltung – existierten nicht mehr, und die Verrohung komme vom Wohlfahrtsstaat, dem „Brot und Spiele“ unserer Zeit, ähnlich wie beim Römischen Reich.

Demgegenüber steht eine andere Strömung, die das Gegenteil vertritt: Dass Russland Europa sei oder dass die Teilung selbst eine Erfindung sei. Es wird argumentiert, dass die Begriffe Europa und Asien von den Franken geschaffen wurden, um Römer und Germanen zu einen, und dass Russland einer höheren Realität gehorche: der orthodoxen Christenheit, dem Dritten Rom.

Von der Goldenen Horde zum „kulturellen Meridian“

Auch der Ursprung der Steppevölker hat seinen Platz. Es wird behauptet, dass Türken und Mongolen gemeinsam nach Europa vorrückten: die Mongolen als politische Kraft, die Türken als Stoßkraft, mit späterer genetischer Vermischung. Die Goldene Horde oder das Timuridenreich seien von Mongolen geführt und von türkischen Kriegern kommandiert worden. Eine andere Haltung leugnet dies rundweg: Türkisch-mongolische Völker existierten als solche nicht.

Der griechische Fall dient dazu, die Definition des Westens zu strapazieren. Es wird daran erinnert, dass griechische Intellektuelle bestreiten, dass das moderne Griechenland zum Westen gehöre, obwohl es dessen Wiege war. Und es wird ein kultureller Meridian gezogen, der Orient und Okzident trennt und Griechenland innerhalb des letzteren verortet, zusammen mit Rom, dem Christentum, der germanischen und slawischen Welt sowie Konstantinopel, Katholiken und Orthodoxe „im selben Feuer gekocht“.

Ein Detail, das oft in diese Vergleiche einfließt: die Schwarze Pest. Es wird auf biologische Kriegsführung bei der Belagerung von Caffa im Jahr 1346 hingewiesen, wo Leichen von den Truppen Jani Begs katapultiert wurden, als eines der Ereignisse, die die Steppe mit der Pandemie verbinden, die Europa verwüstete.

Wo die These ins Stocken gerät

Das Problem ist, dass beide Hälften der Aussage gleichzeitig schlecht begründet sind. Wer verteidigt, dass Moskau aufgrund seines mongolischen Erbes asiatisch sei, muss erklären, warum dieselbe Messlatte Spanien als europäische Wiege und Russland als fremden Körper definiert. Und wer antwortet, dass Russland immer Europa war, stößt auf die Tatsache, dass sich das Land jahrhundertelang als eigene Welt betrachtet hat.

Keiner hat die Rechnung abgeschlossen. Weder das Gründungsdatum Moskaus, noch das byzantinische Erbe, noch das tatsächliche Gewicht des mongolischen Jochs reichen aus, um zu klären, was Russland ist. Die Diskussion endet dort, wo sie begann: mit zwei unvereinbaren mentalen Karten und keiner Zahl, die sie versöhnt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (189 Antworten).

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