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Armenien prüft EU-Beitritt nach Bruch mit Russland
Armenien erwägt einen EU-Beitritt angesichts verschlechterter Beziehungen zu Moskau. Die EU hat bereits 270 Millionen Euro über vier Jahre zugesagt.
Armenien strebt EU-Mitgliedschaft an, während die russische Achse zerbricht
Der armenische Außenminister Ararat Mirzoyan bestätigte, dass Armenien eine Bewerbung um die Mitgliedschaft in der Europäischen Union in Betracht zieht. Diese Ankündigung folgt auf wochenlange rapide Verschlechterungen der Beziehungen zu Russland, dem historischen Partner und theoretischen Sicherheitsgaranten. Das Paradoxon ist klassisch: Ein Binnenstaat mit etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern, umgeben von feindlichen Nachbarn und einer heißen Grenze, sucht Zuflucht in einem Club, der auf dem Balkan bereits Warteschlangen hat. Und das genau dann, wenn der Kreml einmal mehr beweist, dass seine Verträge Makulatur sind.
Was der Blick nach Brüssel bedeutet
Der entscheidende Punkt ist Artikel 4 des Vertrags der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS), der einen Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle betrachtet. Armenien ist Gründungsmitglied, ebenso wie Russland. Als Aserbaidschan angriff, wurde die Klausel nicht aktiviert. Viele Analysten ziehen eine einfache Schlussfolgerung: Das Wort Moskaus zählt nichts, selbst wenn es schriftlich fixiert ist. Dies ist der Boden, auf dem jede Annäherung an die EU aufgebaut wird.
Der zweite Faktor ist finanzieller Natur. Die EU hat bereits 270 Millionen Euro für Armenien in den nächsten vier Jahren zugesagt, laut den im Umlauf befindlichen Zahlen zur Verfolgung der Angelegenheit. Es ist kein Marshall-Plan, aber es ist echtes Geld und ein politisches Signal, das klarer ist als jede Pressemitteilung. Brüssel lockt, Moskau droht, und Eriwan rechnet.
Das Kernproblem: Wer verteidigt Armenien, wenn Aserbaidschan Druck macht?
Hier bricht der Optimismus zusammen. Armenien hat keinen Zugang zum Meer, keine Schwerindustrie und sein Militär kann nicht mit dem Aserbaidschans konkurrieren, das türkische Unterstützung und das Energieinteresse eines großen Teils Europas genießt. Wer eine Karte ohne Romantik betrachtet, kommt zu einer unbequemen Schlussfolgerung: Ohne russischen Schutzschirm ist das Land kurzfristig nicht verteidigbar. Und die EU hat weder eine eigene Armee noch Lust, eine im Kaukasus aufzubauen.
Einige behaupten, die armenische Regierung habe sich zu früh an den Westen und die NATO angelehnt und damit ihr Schicksal in Bergkarabach besiegelt. Dem gegenüber steht das Argument, dass die Anerkennung dieses Territoriums als rechtlich aserbaidschanisch, wie sie die armenische Exekutive vollzog, Moskau keinen Vorwand für eine Intervention ließ. Beide Lesarten passen in dieselbe Akte und keine lässt sich vollständig beweisen.
Der Sogeffekt: Alle Nachbarn Russlands wollen aus dem Einflussbereich ausbrechen
Das Muster wiederholt sich. Moldau blickt nach Brüssel. Georgien kokettiert seit Jahren. Die Ukraine befindet sich bereits im offenen Krieg. Die übergreifende Frage ist nicht, ob die EU an Armenien interessiert ist, sondern warum kein Land im russischen Orbit bleiben will. Wenn Russland gewinnt, wie einige behaupten, warum hält sich dann niemand zum Gewinner? Die zynischste Antwort ist auch die wahrscheinlichste: Weil der Gewinner Macht kassiert und Elend bezahlt.
Die andere Seite ist bürokratischer Natur. Die EU hat neun westbalkanische Kandidaten, die seit über einem Jahrzehnt warten. Montezaino führt seit fast vier Jahren stockende Verhandlungen, obwohl 33 von 35 Kriterien erfüllt sind. Bei diesem Tempo könnte Armenien den Antrag unterschreiben und sich hinsetzen und warten. Der Club ist nicht bereit für schnelle Erweiterungen, schon gar nicht mit einem Kandidaten, der einen eingefrorenen territorialen Konflikt mit sich bringt.
Das unausgesprochene Thema Türkei
Der Elefant im Raum ist die Türkei. NATO-Mitglied, ewiger EU-Kandidat, Verbündeter Aserbaidschans und mit einer Geschichte der Leugnung des Völkermords an den Armeniern, die beispielsweise in Frankreich stark in der öffentlichen Meinung verankert ist. Wenn Armenien beitritt und die Türkei draußen bleibt, muss Brüssel zwischen zwei inkompatiblen Partnern wählen. Falls die Türkei jemals beitritt, vervielfacht sich das Problem.
Dies ist der Knoten, den keine europäische Hauptstadt lösen möchte. Man kann über Erweiterung, Fonds und Nachbarschaftspolitik diskutieren, aber am Tag, an dem entschieden werden muss, wen man schützt, lautet die Antwort wie immer: Niemanden. Und Armenien weiß das.
Was Eriwan in den kommenden Jahren riskiert
Das in Analysen am häufigsten genannte pessimistische Szenario prognostiziert, dass Armenien Territorium und Bevölkerung verliert und als Reststaat zwischen der Türkei und Aserbaidschan endet. Das optimistische Szenario sieht eine langsame, finanzierte und symbolische europäische Integration vor, die die Sicherheitsfrage nicht löst, aber Zeit kauft. Dazwischen liegt ein Land mit zwei Millionen Einwohnern, das Entscheidungen trifft, die es nicht kontrollieren kann.
Währenddessen tut die EU, was sie gut kann: Geld versprechen und Entscheidungen hinauszögern. Die Ankündigung von Mirzoyan ist ein Signal, kein Ticket. Die offene, unbeantwortete Frage lautet, ob jemand in Brüssel bereit ist, ein Land, das Einsamkeit kennt, mit mehr als nur Pressemitteilungen zu verteidigen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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