Warum in Spanien so viele Bars eröffnet werden: die Erklärung, die niemand gibt
Eine Bar in Spanien zu eröffnen ist einfacher, als eine Führerscheinprüfung zu bestehen. Man braucht keinen Beruf, keine Ausbildung, keinen Geschäftsplan, der einer ernsthaften Prüfung standhält. Es genügt, ein Bier zapfen zu können und etwas Geld gespart zu haben. Das ist die These einer Diskussion, die seit mehr als fünfzehn Jahren schwelt und immer wieder aufflammt, wenn sich jemand fragt, warum es in diesem Land unter jedem Wohnhaus eine Bar gibt. Die kurze Antwort: Weil das Geschäft, so wie es betrieben wird, ein perfektes Geschäft ist. Die lange Antwort hat mit der Kasse zu tun, mit der Steuerbehörde und mit einer Kultur, die ohne den Kaffee um elf nicht leben kann.
Der Kassentrick: Was nicht registriert wird, existiert nicht
Der Mechanismus ist alt und jedem bekannt, der je als Kellner gearbeitet hat. Die Registrierkasse bleibt offen, wird manipuliert oder die Taste wird gar nicht erst gedrückt. Der echte Umsatz wird "auf die Seite" gebracht: über Getränkekisten, über Fässer, über das, was in die Tasche wandert. So spart sich der Wirt, nach einer Berechnung, die in der Diskussion kursiert, die 48 % Steuern, die mit jedem Getränk verbunden sind, und behält eine Marge von rund 200 % auf den Einkaufspreis. Eine Coca-Cola, die den Lieferanten 0,15 Cent kostet, wird für zwei Euro verkauft. Der Rest ist sauber.
Manche halten dagegen, dass die Steuerbehörde Instrumente hat, um Daten abzugleichen: Wer 24 Coca-Colas kauft, muss sie verkaufen oder im Lager haben. Die Rechnung des Lieferanten verrät alles. Aber das Gegenargument ist genauso stichhaltig: Wenn der Lieferant ebenfalls steuervermeidet — und man geht davon aus, dass es 95 % tun —, verschwindet die Spur. Und in der Gastronomie wird das Geld bar gezahlt, von Hand zu Hand. Bares Geld.
Pauschalbesteuerung, Glücksspielautomaten und der magische Knopf für das Schwarzgeld
Die Diskussion wird verworren, wenn jemand fragt, warum manche Gastronomen nach dem módulos-System besteuert werden (einer spanischen Pauschalbesteuerung mit vereinbartem Schätzbetrag). Die Antwort ist nicht, dass sie dumm sind: Das módulo ist eine Möglichkeit, einen festen Betrag zu deklarieren, der mit der Verwaltung vereinbart wurde, unabhängig davon, was tatsächlich durch die Tür kommt. Ein perfekter Schutz für alle, die keine Überraschungen wollen.
Dazu kommen die Glücksspielautomaten, die nach mehreren Aussagen einen erheblichen Teil des Umsatzes ausmachen und eine Bar fast nie schließen. Und die Kassensysteme, die spezielle Funktionen für das enthalten, was euphemistisch "Korrekturen" genannt wird: ein Knopf, der ab einem bestimmten Betrag die Verkäufe in eine nicht registrierte Schublade umleitet. Ein magischer Knopf für Schwarzgeld, nennen sie das.
Ist das nur eine Barsache? Nein, aber hier fällt es mehr auf
Es fehlt nicht an Stimmen, die daran erinnern, dass Steuerhinterziehung nicht auf die Gastronomie beschränkt ist. Jedes Geschäft kann Umsätze verschweigen: Ein Friseur weiß, wie viele Schnitte er gemacht hat, aber niemand zählt sie mit. Der Unterschied ist, dass in einer Bar das Volumen enorm ist, der Durchschnittsbon niedrig und die soziale Kontrolle null. Niemand verlangt eine Rechnung für ein Bier.
Die andere Seite der Sache ist kulturell. Spanien hat eine enorme Nachfrage nach Bars: der Kaffee am Vormittag, das Bier nach der Arbeit, das Mittagsmenü. Und ein Angebot, das sich ständig erneuert, weil eine Eröffnung keine prohibitiv hohe Investition erfordert. Mit rund 60.000 Euro — weniger als eine Taxilizenz, weniger als ein Lkw — kann man ein anständiges Lokal eröffnen. Das Ergebnis ist ein Ökosystem, in dem die Kneipe mit den fettigen Steckdosen neben dem modernen Lokal mit Flachbildschirm fürs Fußballspiel existiert.
Was das Finanzamt nicht sieht und die Nachbarschaft doch
Die echte Kontrolle kommt nicht von den Prüfern, sondern aus dem Abgleich von Einkäufen und Verkäufen. Stellt der Lieferant Rechnungen aus, fliegt die Marge auf. Deshalb verlangt die perfekte Steuerhinterziehung Schwarzwareneinkäufe, was nicht immer möglich ist: Die großen Biervertriebe verkaufen Fässer selten ohne Papier. An dieser Stelle scheitern viele Betriebe, und hier werden die Arbeitsinspektionen — Kellner ohne Sozialversicherungsanmeldung — zu einem greifbareren Risiko als die Steuerbehörde selbst.
Die Anekdote, die alles zusammenfasst, ist die eines Gastronomen, der nach Jahren der intransparenten Kasse aus dem Stand heraus ein erfolgreiches Restaurant-Hotel baute. Er scherzte damit, es Villamódulos zu nennen, wegen all der Ersparnisse, die es ihm ermöglicht hatte. Der Witz kursiert seit Jahren, und niemand hat ihn dementiert.
Vor diesem Hintergrund ist die Prognose einfach: Solange das Bargeld an der Theke König bleibt und die Kunden weiter ohne Kassenbon zahlen, bleibt dies das beliebteste Geschäft Spaniens. Aber vielleicht, nur vielleicht, wird der Druck der Arbeitsinspektionen am Ende schwerer wiegen als der steuerliche.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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