Warum Drogen illegal bleiben: das Geschäft, das niemand beenden will

Zwei getötete Guardia-Civil-Beamte in Barbate, Spanien, entfachen die Debatte neu: Das Drogenverbot bewegt Milliarden, die unter wenigen aufgeteilt werden und nie beim Narco ankommen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum Drogen illegal bleiben: das Geschäft, das niemand beenden will
Warum Drogen illegal bleiben: das Geschäft, das niemand beenden will

Zwei getötete Guardia-Civil-Beamte in Barbate. Das ist der Preis, den die Diskussion auf den Tisch legt, sobald jemand fragt, warum Hierba, Kokain oder Fentanyl in Spanien weiterhin illegal sind. Die offizielle Antwort verweist auf die öffentliche Gesundheit. Die Antwort, die sich in wirtschaftlichen Analysen durchsetzt, ist eine andere: Es gibt ein Milliarden schweres Geschäft, das bei einer Legalisierung den Besitzer wechseln würde. Die Ausgangslage ist unmissverständlich: Das Verbot schützt niemanden, es garantiert nur, dass die Marge unter denen aufgeteilt wird, die die Kette bereits kontrollieren.

Von dort aus öffnet sich das Thema auf drei Ebenen, die nicht immer übereinstimmen: Gesundheit, Finanzen und Geopolitik. Und auf allen drei widersprechen die Zahlen, mit denen gerechnet wird, der beschwichtigenden Erzählung.

Was passiert, wenn Alkohol verboten wird: die Lektion der Prohibition

Der am häufigsten gezogene Vergleich ist die amerikanische Prohibition. In den Jahren des Verbots baute Al Capone ein Imperium auf illegalen Alkohol auf, die Straßen Chicagos wurden unsicher, und die Menschen tranken am Ende zweifelhafte Spirituosen, die sie erblinden ließen. Cocktails und Mischgetränke entstanden, so diese Lesart, als Möglichkeit, den Geschmack des Fusels zu überdecken. Das Verbot beseitigte den Konsum nicht: Er wurde teurer, verfälscht und in die Hände der Mafias gelegt.

Die Übertragung liegt nahe. Wenn es beim Alkohol so lief, ist der Mechanismus bei Kokain oder Heroin identisch. Das immer wieder wiederholte Argument lautet: Das Problem ist nicht die Droge, sondern ihr Verbot. Und die Folgerung: Wer vom Verbot profitiert, hat ein aktives Interesse daran, dass sich nichts ändert.

Fentanyl und Opium: wenn auch Legalität tötet

Der stärkste Einwand gegen die Legalisierungsthese kommt aus den USA. Dort ist Fentanyl zwar nicht frei verkäuflich, aber Oxycodon und Vicodin wurden großzügig an Schmerzpatienten verschrieben, und das Ergebnis war eine Suchtepidemie, die heute zu den größten Gesundheitskrisen des Landes zählt. Die gezogene Schlussfolgerung: Wird die Kontrolle zerstört, zerstört sich die Gesellschaft mit.

Als historisches Präzedenz wird das Opium im China des 18. Jahrhunderts zitiert, als die Briten es massenhaft einführten und Opiumhöllen aus dem Boden schossen. Die Bevölkerung, so das Argument, hörte auf zu arbeiten, um sich zu berauschen. Es ist dasselbe Muster, das Regionen mit starker Präsenz des Drogenhandels zugeschrieben wird: Die Jugend will Traficante sein und reich werden, kein selbstständiger Arbeitnehmer mit Lohnzettel.

Wer behält die Marge: die 50-70%, die nie beim Traficante ankommen

Hier wird das Thema unangenehm. Manche behaupten, das Geschäft sei nicht allein Sache der Narcos, und die Spanne, mit der einige Forscher rechnen, verlagert zwischen 50% und 70% der Wertschöpfung in Hände, die nicht denen des Bootsschmugglers gehören. Die Frage wird direkt gestellt: Wenn Milliarden über den Süden Spaniens hereinkommen, glaubt man wirklich, dass derjenige, der die Straße von Gibraltar überquert, all das kontrolliert?

Die These, die an Gewicht gewinnt: Das westliche Finanzsystem stützt sich zum Teil auf diese Abschöpfung. Die Margen sind gewaltig, sie werden unter wenigen aufgeteilt, und der Polizei- und Justizapparat fungiert als Zwangsmacht gegen die Konkurrenz. Der Staat wäre in dieser Lesart die am besten organisierte Mafia: Er konkurriert nicht mit dem Traficante, er monopolisiert ihn.

Der portugiesische Fall und das Gegenbeispiel des entfesselten Konsums

Portugal hat den Hierba-Konsum entkriminalisiert und ist, so wird argumentiert, heute eine ausgeglichenere Gesellschaft. Der Sektor würde legale Anbauten, regulierten Handel, Steuern und Sozialabgaben generieren. Ein Großteil des in Spanien konsumierten Marihuanas wird bereits hier produziert, in illegalen Plantagen mit abgezweigtem Strom. Die Legalisierung würde viele dieser Produzenten in selbstständige mit angemeldeter Tätigkeit verwandeln.

Das Gegenargument: Man kann nicht in einer Gesellschaft des Dauerkonsums legalisieren, in der die Werbebombardierung zu mehr Konsum anspornt. In den USA, so heißt es, führte legales Hierba zu Sorten mit extrem hohen THC-Gehalten und einem Anstieg von Schizophreniefällen im Zusammenhang mit dem Konsum. Die Schlussfolgerung: Nicht die Substanz ist das Problem, sondern das Umfeld, das sie umgibt.

Die Kosten der Beibehaltung des Verbots

Die Ausgaben für Polizei, Justizressourcen und Einsätze gegen den Drogenhandel sind der Posten, der in der Verbotbilanz nie auftaucht. Es wird argumentiert, dieses Geld stamme aus der Ausplünderung der Arbeiterklassen, um eine Wohlstandsfiktion aufrechtzuerhalten. Und dass währenddessen Eliteeinheiten gegen den Drogenhandel aus Budgetmangel geschlossen werden, während andere Posten aufgestockt werden.

Die Frage, die in der Luft bleibt, ist die der Eingangsbotschaft: Wie lange wird diese Lüge noch fortgeführt. Die Antwort der ökonomischen Analyse: Solange die Marge in der Illegalität größer ist als in der Legalität, hat niemand, der die Macht zur Änderung hat, ein Interesse daran. Und derzeit geht die Rechnung für den Steuerzahler nicht auf.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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