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Wann wurden die Evangelien geschrieben? Die Fakten zur Datierung
Papyri, Inschriften und ein verschwundenes Manuskript: Was die Belege über die Entstehungszeit der Evangelien verraten – und was weiter offen bleibt.
Die Datierung der Evangelien ist keine abgeschlossene Frage
Im 2. Jahrhundert landet ein Philosoph namens Pantänus in Indien und trifft auf Christen, die eine Kopie des Matthäusevangeliums aufbewahren. Das berichtet Eusebius von Caesarea. Fromme Fiktion oder Erinnerung an eine frühe Verbreitung? Die Frage ist die beste Zusammenfassung eines Fachgebiets, in dem der Konsens nur mühsam hält.
Markus oder Matthäus: Wer war zuerst?
Die zentrale Frage ist die Markuspriorität. Markus ist das kürzeste Evangelium: 678 Verse und 11.300 Wörter, gegenüber 1.071 Versen und 18.300 Wörtern bei Matthäus. Für eine dominante Strömung zeigt dieses Missverhältnis, dass Matthäus und Lukas aus Markus und einer Spruchquelle namens Q schöpften. Für eine andere Strömung deuten die kirchenväterliche Überlieferung und die Pantänus-Episode darauf hin, dass Matthäus, das nchristlichstenchristlichstenchristlichstenchristlichste und messianischste Evangelium, zuerst verfasst wurde. Die wissenschaftliche Forschung neigt heute zu Markus, doch der Fall ist nicht abgeschlossen: Lukas selbst räumt ein, dass es bereits „viele" Berichte gab, als er seinen schrieb.
Papyri, Inschriften und das „neue Testament" des Paulus
Die materiellen Belege lösen die Reihenfolge nicht, grenzen aber das Zeitfenster ein. Aus der Zeit vor dem Jahr 300 sind rund 40 ägyptische Papyri mit neutestamentlichen Texten bekannt. P52, datiert auf 125 bis 150, enthält ein Fragment des Johannes. P104 aus der Mitte des 2. Jahrhunderts kopiert Matthäus. Um das Jahr 200 zirkulierten die vier Evangelien bereits als Kodex. Die Archäologie liefert weitere Bausteine: Die Erastus-Inschrift in Korinth, datiert auf 50 bis 70, passt zur Figur in Römer 16,23; die Gallio-Inschrift verankert Paulus in Achaia. Und es gibt ein philologisches Argument, das ins Wanken bringt: In 2. Korinther 3,14 spricht Paulus von der „Vorlesung des alten Bundes". Wenn es einen alten gibt, gibt es dann auch schon einen geschriebenen neuen Bund?
Das Geheime Markusevangelium – die Affäre, die nie endet
Die Debatte hat ihr verfluchtes Teil: das sogenannte Geheime Markusevangelium. Morton Smith fand es 1958 im Kloster Mar Saba; es war ein Brief des Clemens von Alexandrien mit einer Episode über Jesus und einen nackten Jüngling. Das Manuskript verschwand 1990, und der Verdacht der Fälschung schwebte jahrzehntelang darüber. Eine Dissertation der Universität Helsinki, gestützt auf forensische Analysen der Handschrift, vertritt die Auffassung, der Text sei kein Schwindel und der Vorwurf beruhe auf Fotos schlechter Qualität. Das Original gilt weiterhin als verschollen. Wie in so vielen Ecken der antiken Geschichte ist der physische Beweis ein Gespenst.
Was dieser Überblick hinterlässt, ist für alle unbequem. Weder ist die Markuspriorität ein unanfechtbares Dogma, noch bricht die Historizität der evangelischen Erzählung wegen fehlender Ankerpunkte zusammen. Um das Jahr 200 waren alle vier Evangelien im Umlauf, und schon zu Paulus' Zeiten las man einen „alten Bund", der etwas Neues voraussetzte. Bis ein Papyrus auftaucht, der die Reihenfolge klärt, wird die Datierung ein Schlachtfeld zwischen Philologen, Archäologen und Skeptikern bleiben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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