VW verhandelt über Iron-Dome-Produktion in Osnabrück
Die Krise der deutschen Automobilindustrie führt zu einem ungewöhnlichen Szenario: Wie das Financial Times unter Berufung auf Quellen berichtet, verhandelt Volkswagen mit dem israelischen Unternehmen Rafael Advanced Defense Systems über die Umrüstung des Werks in Osnabrück zur Fertigung von Komponenten für das Raketenabwehrsystem Iron Dome. Im Gespräch wird betont, dass der deutsche Konzern bereits 50.000 Stellen gestrichen hat und nun in der Rüstungsindustrie einen Ausweg sucht, den der Verkauf von Autos nicht mehr bietet. Die von einigen Beobachtern angeführte Paradoxie ist, dass das Land, das seine Kernkraftwerke aus ökologischen Gründen abschaltete, nun erwägt, Raketen zu produzieren, um die Fabriken am Laufen zu halten.
Der Zusammenbruch eines Modells, das niemand mehr kauft
Die Diagnose innerhalb der Branche lautet, dass deutsche Hersteller Fahrzeuge gebaut haben, die das Publikum nicht will, zu Preisen, die sich niemand leisten kann. Eine im Diskurs kursierende Rechnung ist vernichtend: Ein spanischer Arbeitnehmer mit 1.400 Euro Gehalt, 600 Euro Miete, 200 Euro Nebenkosten und 400 Euro für Verpflegung und Transport kann sich kein Fahrzeug für 56.000 Euro leisten. Die Gleichung geht nicht auf. Das Problem liegt nach dieser Lesart darin, dass die deutsche Industrie genau das jahrelang verkauft hat.
Die Kritik an den Preisen ist nicht neu. Manche erinnern daran, dass ein Polo oder Golf vor Jahren so viel kostete wie heute ein Premiumfahrzeug, und dass das Preis-Leistungs-Verhältnis völlig zusammengebrochen ist. Die Marke, die einst als Referenz für Zuverlässigkeit und faire Preise galt, ist nach dieser Einschätzung zu einem Katalog überteuerter Produkte geworden. Der Dieselskandal, ständige Wechsel an der Vorstandsspitze und das Gefühl, dass die Manager ihr eigenes Geschäft nicht kennen, taten ihr Übriges.
Warum baut die deutsche Industrie keine günstigen E-Autos?
Die meistgestellte Frage hat für einige Teilnehmer eine unbequeme Antwort: weil sie es nicht wollen. Die Modelle, die laut diesen Stimmen von Stadtbewohnern nachgefragt wurden – der Volkswagen e-up!, der SEAT Mii, der Renault Twingo, der Fiat 500, der Skoda Citigo-e iV – waren einfache, zuverlässige Elektroautos mit Preisen zwischen 7.000 und 14.000 Euro. Sie wurden eingestellt, um auf die ID-Reihe zu setzen, die größer, teurer und weniger praktisch ist. Die Schlussfolgerung lautet, dass die Marken die reale Nachfrage urbaner Nutzer ignorierten und sich in ein Segment begaben, in dem chinesische Konkurrenz ihnen den Rang abläuft.
Der Vergleich mit Nokia liegt auf der Hand. Das finnische Unternehmen dominierte den Markt, passte sich nicht an, und asiatische sowie amerikanische Firmen teilten sich sein Geschäft. Bei Autos passiert Ähnliches, so die Debatte: Tesla und BYD machen Fortschritte, während die Deutschen diskutieren. Ohne Zölle würden viele europäische Käufer ohne Zögern zu einem chinesischen Fahrzeug greifen. Der Grund ist nicht ideologisch, sondern rechnerisch: Sie sind viermal günstiger.
Das grüne Paradoxon: Atomausstieg und Raketenfertigung
Die Hinwendung zur Verteidigung hat eine Komponente, die nicht unbemerkt bleibt. Deutschland schaltete seine Kernkraftwerke aufgrund des Drucks der Umweltbewegung ab und rüstet nun Autofabriken auf die Produktion von Komponenten für Raketenabwehrsysteme um. Konsistenz fehlt nach dieser Lesart vollständig. Dieselben, die den Atomausstieg forcierten, applaudieren nun der Umwidmung einer Autofabrik zur Rüstungsindustrie.
Die Debatte über die Rolle der Umweltschützer in der deutschen Industriekrise ist heftig. Ihnen werden der Atomausstieg, steigende Energiekosten und eine erstickende Regulierungsagenda zugeschrieben. Befürworter dieser Politik entgegnen, dass die Energiewende unvermeidlich sei und das Problem nicht im Umweltschutz, sondern in schlechtem Management liege. Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Rüstungsgeschäft als Rettungsanker
Die Kooperation mit Rafael Advanced Defense Systems wäre laut den zitierten Quellen das prominenteste Beispiel für die Umstrukturierung der deutschen Automobilindustrie hin zum Militärsektor. Das Werk in Osnabrück, das unter Auftragsmangel leidet, würde künftig Komponenten für das Iron-Dome-System fertigen. Für manche ist dies eine Lösung, die staatliche Aufträge sichert und Entlassungen verhindert, aber auch ein Eingeständnis, dass das traditionelle Geschäft nicht mehr ausreicht, um die Fabriken offen zu halten.
Die offene Frage bleibt, was mit den anderen Standorten geschieht. Wenn der Automobilbau die industrielle Beschäftigung in Deutschland nicht mehr trägt und die Rüstung nur einen Teil absorbieren kann, ist der Anpassungsprozess noch lange nicht beendet. Die kumulierten 50.000 Entlassungen sind nach Meinung vieler nur die Spitze des Eisbergs. Die Umstellung auf Waffenproduktion ist ein Ausweg für einige Werke, nicht für alle.
Die Rechnung, die der Arbeitnehmer zahlt
Die menschlichen Kosten der Krise treffen wie immer das schwächste Glied. Manager, die falsche Entscheidungen trafen, erhalten ihre Abfindungen und gehen. Die Fließbandarbeiter bleiben mit Unsicherheit zurück. Die Umstellung auf Rüstung wird einige Arbeitsplätze retten, doch jene, die nicht ins neue Profil passen, fallen durchs Raster.
Die vollständige Berechnung der Auswirkungen dieser Krise auf die europäische Industrie, aufgegliedert nach Standorten, zeigt eine Dimension, die Schlagzeilen oft nur unzureichend erfassen. Auf dem Spiel steht nicht nur Volkswagen. Es ist das Industriemodell, das Europa jahrzehntelang trug und nun zusammenbricht, ohne dass jemand einen glaubwürdigen Plan B vorgelegt hätte. Die militärische Konversion ist ein Pflaster, keine Strategie.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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