Kostenlose Photoshop-Klone bringen Adobes Geschäftsmodell in Bedrängnis
Im Oktober 2026 veröffentlichte ein Ingenieur aus Atlanta namens Brandon Thomas auf GitHub eine Reihe von Open-Source-Replikaten von sieben Adobe-Anwendungen —Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, Acrobat Pro, After Effects und InDesign— die nach seiner Darstellung mit Hilfe von Claude Opus 5.5 entwickelt wurden. Das Projekt hat 44.000 Sterne gesammelt und wird alle drei Tage aktualisiert. Es kann kostenlos für Linux, Windows und Mac heruntergeladen werden. Die US-Softwarebranche macht rund 9,3 % des BIP des Landes aus, so Zahlen, die in der Diskussion genannt werden, und die Bewegung hat sich bereits auf Office (WordCraft, GridCraft, DeckCraft), AutoCAD (cadCraft) und Figma (Figcraft) ausgeweitet.
Der Auslöser ist kein klassischer Piraterie-Fall. Das Argument, das am meisten kursiert, lautet, dass nicht Adobes Code kopiert wurde, sondern dass eine KI von Grund auf eine Software programmiert hat, die dasselbe leistet, mit neuem Code. „Das ist völlig legal“, hält eine Strömung der Analyse dagegen und vergleicht den Fall mit Red Hat und Linux: Das Geschäftsmodell ändert sich, das Produkt wird nicht gestohlen. Reverse Engineering von Funktionen, so die Ergänzung, sei nicht dasselbe wie das Kopieren des Quellcodes.
Was das Gesetz sagt und was ein Richter denkt
Der rechtliche Einwand ist nicht verschwunden. Manche erinnern daran, dass ein Richter und nicht der Laie entscheidet, ob es eine Kopie ist, und dass auch die Benutzeroberfläche geschützt sein kann. Die Antwort, die sich in der Diskussion durchsetzt, ist praktischer Natur: Bei 20.000 möglichen Klonen und bereits freiem Code würde jeder Prozess Jahre dauern, und bevor ein Gericht entscheidet, wäre schon eine weitere Version mit verändertem Erscheinungsbild erschienen. Die US-Gerichtsbarkeit würde zudem Klone, die in anderen Jurisdiktionen erstellt und vertrieben werden, nicht erfassen.
Das Abo-Modell im Visier
Adobes Geschäft ruht auf dem Monatsabo und den Kündigungsstrafen. Das ist die verwundbare Stelle, auf die die Diskussion hinweist: mittelständische Unternehmen, die wegen der Audits nicht piraterien können und die nun eine legale, kostenlose Alternative hätten. Die immer wiederkehrende Rechnung: Zehntausende Euro Ersparnis pro Jahr und Lizenz. Die Frage ist, ob der jeweilige Chef wartet, bis der Klon ausgereift ist, oder ob die Ersparnis mehr wiegt als das Risiko, junge Software fehlerfrei zu bekommen.
Die Qualität als bremsendes Argument
Die Begeisterung hat eine Bremse. Ein Open-Source-Klon braucht jemanden, der programmieren kann, um ihn zu debuggen, und niemand übernimmt massenhaft ein Werkzeug, das versagt. Figcraft, die Figma-Replik, schätzt sich selbst auf 53 % funktionale Parität ein und verfügt nicht über das Ökosystem kommerzieller Plugins. Die Diskussion spaltet sich in die, die das Ende geschlossener Software sehen, und die, die glauben, dass damit nur Tür und Tor für experimentelle Projekte ohne die Qualität des Originals geöffnet wird.
Getty, die Entlassungen und der Dominoeffekt
Die Bewegung bleibt nicht bei Adobe stehen. Nach einer im Thread kursierenden Nachricht meldet Getty Images nach Chapter 11 Insolvenz mit einem vorab vereinbarten Plan an, und das Foto-Lizenzgeschäft blutet seit dem Start von ChatGPT aus. Die Liste der Tech-Entlassungen im Oktober 2026 umfasst American Express (5 % der Belegschaft, rund 3.500 Mitarbeiter), Barclays (5.000), eBay (9 %) und Netflix (6 %, rund 1.000). Bei Microsoft erhält fast jeder dritte Mitarbeiter —60.000— ein Angebot für einen freiwilligen Abgang, so ein im Thread wiedergegebener Tweet. Die Ironie liefert, wer daran erinnert, dass dieselben Unternehmen, die mit KI Personalkosten sparen wollten, nun wegen der KI selbst Personal abbauen.
Die technische Grenze: Wenn das Programm im Speicher läuft
Es gibt eine grundsätzliche technische Debatte. Läuft Software lokal, kann sie in Echtzeit im Speicher analysiert und ihr Verhalten rekonstruiert werden, was jeden Schutz durch Obfuskierung wertlos macht. Als einzige echte Barriere zeichnen sich entfernte Anwendungen ab, bei denen der Nutzer nur Ergebnisse sieht und nie das Programm. Kryptografie erscheint als letzte Verteidigungslinie, mit derselben Skepsis, mit der jedes Versprechen absoluter Sicherheit betrachtet wird.
Der Punkt, an dem die Analyse in allen Facetten hängen bleibt, ist derselbe: Niemand bestreitet, dass der Code bereits draußen ist und repliziert werden kann; ungeklärt ist, ob das ausreicht, um einen Riesen zu stürzen, oder nur dazu, seine Marge zu erodieren, während Gerichte und Markt entscheiden, wer recht hatte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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