Vom Morgengruß zu dem Mann, der in Den Haag Zyankali schluckte

Ein freundlicher Morgengruß führte am Ende zum Namen Slobodan Praljak, des in Den Haag verurteilten Mannes, der mitten in der Gerichtsverhandlung Zyankali schluckte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vom Morgengruß zu dem Mann, der in Den Haag Zyankali schluckte
Ein „Guten Morgen", das bei dem Mann endet, der in Den Haag Zyankali schluckte

Der Tag begann mit einem Höflichkeitsgruß: Wie geht's, wie startet ihr in diesen Mittwoch. Kurze Zeit später ging die Conversation um Den Haag, um einen internationalen Gerichtshof und um einen Mann, der mitten in der Verhandlung Zyankali schluckte. Zwischen dem einen und dem anderen liegen nur ein Avatar und eine Frage: Wer ist der Mann auf dem Foto? Der komplette Weg führt vom Guten Morgen zum Namen Slobodan Praljak.

Die erste Nachricht: ein Gruß, der als Anwesenheitscheck funktioniert

Der Auftakt bringt kein Thema auf. Er fragt, wie alle in den Mittwoch starten, und nennt gut ein Dutzend Stammteilnehmer, einen nach dem anderen. Es ist eher ein Lebenszeichen als ein Inhalt: Er dient dazu zu prüfen, wer noch da ist, wer antwortet und in welcher Stimmung jemand früh aufbricht. Die erste Antwort ist ein einzelnes Wort und eine beiläufige Spitze. Nichts deutete auf einen Gerichtssaal hin.

Das ist der eigentliche Ausgangspunkt. Die Community grüßt sich, erkennt sich, tastet sich ab; der Inhalt kommt später, fast zufällig. Und wenn er kommt, dann komplett.

Vom „Sportkommentator" zum in Den Haag Verurteilten

Den Sprung löst ein Bild aus. Jemand fragt nach einem Avatar: das Foto eines Mannes, der mitten in einer Übertragung ein Glas leert. Die erste Beschreibung lautet ein Sportkommentator, der einen Kurzen hinunterkippt. Die zweite ergänzt die Nationalität: ein jugoslawischer Kommentator. Die dritte beschreibt nicht mehr, sie identifiziert. Und da fällt die Kulisse: Dem Verlauf im Thread zufolge ist der Mann auf dem Foto Slobodan Praljak, vom Gericht in Den Haag verurteilt wegen Vorfällen in Kroatien.

Drei Schritte, um einen Witz zu zerlegen. Zuerst die Anekdote, dann das Adjektiv und schließlich der Eigenname – und an dem wechselt das Gespräch den Ton.

Wer war Slobodan Praljak

Der Darstellung im Thread zufolge wurde er vom internationalen Gerichtshof mit Sitz in Den Haag wegen Vorfällen in Kroatien angeklagt. In dem Moment, in dem das Gericht ihn verurteilte, schluckte er im Saal selbst Zyankali. Die Geste machte aus einem Urteil eine Szene, und genau diese Szene lebt heute weiter, zugeschnitten als Profilbild.

Von der gesamten Akte bleibt im Gespräch nicht die Anklage und nicht die Verhandlung, sondern das Bild. Und ein Bild ohne Bildunterschrift liest sich, wie man es gerade lesen will.

Wie ein Verurteilter zum Profilbild wird

Das Bild funktioniert, weil es aus dem Kontext gerissen ist. Wer es auswählt, wählt es wegen der Geste – das Glas, das Gesicht, die Frechheit –, nicht wegen dessen, was dahintersteckt; wer es wiedererkennt, erzählt den Rest meist auch nicht. Zwischen diesen beiden Polen wird ein Gerichtsfall zum Stammtischwitz. Das ist kein seltenes Phänomen: Das Meme reist immer schneller als die Bildunterschrift.

Unterwegs taucht der häusliche Ton auf, der diese Gespräche eigentlich trägt: Jemand fasst seinen Morgen als wieder ein Tag voller Arzttermine zusammen, fast routinehaft. Der Kontrast zwischen dem Krankenhaustermin und dem Gericht in Den Haag ist im Grunde der ganze Artikel.

Der Tag lief weiter mit derselben Leichtigkeit, mit der er begonnen hatte – nur lag jetzt ein Eigenname auf dem Tisch und ein Fall, den fast niemand bestellt hatte. Wie viele Bilder, die wir täglich als Scherz verwenden, tragen einen Gerichtssaal in sich?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (19 Antworten).

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