Vom Market Timing zum All in: Dividendenanleger ändern Kurs

Ein Anleger, der die Liquidität leid ist, plant einen All in auf Dividenden von 5 % bis 10 %, mit Enagas bei 10 %. DCA und Warnungen vor Market Timing prägen die Debatte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vom Market Timing zum All in: Dividendenanleger ändern Kurs
Vom Market Timing zum All in: die Wende zur Dividende

70 % des Depots in Liquidität zu halten und auf einen Absturz zu warten, der nicht kommt, zermürbt mehr als ein Einbruch selbst. Das ist das Fazit eines Anlegers, der nach erfolgreichem Market Timing im Jahr 2020 nun das Gegenteil plant: ein gestaffelter All in über ein bis drei Monate in Aktien und ETFs mit hohen Dividenden zwischen 5 % und 10 % Rendite, mit Enagas als schwerem Gewicht bei bis zu 10 % des Depots. Der Überdruss ist der Motor: „Das Thema Börse nervt mich“, gibt er zu, und er möchte ein stabiles, ruhiges Depot, nachdem er bei Interactive Brokers bereits 1.500 Euro an Gebühren ausgegeben hat.

Der Plan kollidiert frontal mit der Buy-and-Hold-Doktrin. Die häufigste Antwort ist kein Kaufrat, sondern eine Warnung: Geld in Liquidität verliert langsam, aber unaufhaltsam an Wert, und auf den perfekten Crash zu warten ist eine Form von Spielsucht im Gewand der Vorsicht. Der genannte Anlagehorizont von zwei bis vier Jahren trägt ebenfalls wenig dazu bei, eine Langfriststrategie zu rechtfertigen.

Welche Aktien und ETFs mit Dividenden über 5 % im Gespräch sind

Zur Kandidatenliste gehören Tabakkonzerne wie British American Tobacco, Philip Morris und Altria; Telekomkonzerne wie Verizon und Vodafone; Bergbauunternehmen wie Rio Tinto; und die britische Post, die unter der Marke IDS firmiert. Dazu kommen europäische Immobilien-ETFs mit Renditen von gut 4 % sowie die bereits gehaltenen China-Positionen.

Die Details der Quellensteuer erweisen sich als entscheidend. Einige Länder erheben keine Quellensteuer auf Dividenden: Großbritannien, Brasilien, Hongkong, Singapur, Ungarn, Estland, Lettland, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Malaysia und Vietnam. Diese Liste, die unter Anlegern kursiert, macht den britischen Markt zu einem wiederkehrenden Ziel für regelmäßige Erträge.

Der Fall IDS verdient einen eigenen Abschnitt. Die Dividendenrendite von 17,38 %, die in Vergleichsportalen erscheint, ist nicht haltbar: Sie beruht auf einer außerordentlichen Ausschüttung, und das Unternehmen hat die Zahlung im Januar wegen des Konflikts mit den Gewerkschaften ausgesetzt. Die Aktie notiert bei einem KGV von 3 – aber wegen der Probleme, nicht weil sie ein Schnäppchen ist. Wer sie hält, muss akzeptieren, dass die Dividende auf sich warten lassen kann.

Ist DCA oder All in besser, wenn der Markt keine Pause gibt?

DCA – Cost Averaging, also der Kauf in Raten – erweist sich als das kleinste Übel für alle, die nicht auf investiert sein verzichten möchten. Die Käufe über ein Jahr, oder sogar bis zum zweiten Halbjahr des Folgejahres, zu verteilen, erlaubt es, Preise zu mitteln, ohne den Boden treffen zu müssen. Die Alles-oder-nichts-Alternative gilt als Leichtsinn: Fällt der Markt direkt danach, gleicht der Trost der Dividende das Rot auf dem Bildschirm nicht aus.

Die Debatte zwischen Time in the Market und Market Timing bleibt offen. Manche verteidigen die Ansicht, dass die größten Kursgewinne sich auf sehr wenige Tage konzentrieren und wer sie verpasst, straft die Rendite; dagegen steht die Erkenntnis, dass ein seitwärts laufendes Jahrzehnt wie 2000 bis 2010 Buy and Hold im Minus lassen kann. Der 30-Wochen-Durchschnitt wird als mechanischer Filter vorgeschlagen, um zu entscheiden, wann man einsteigt und wann man wartet.

Liquidität ist nicht die schlechteste Anlage, aber sie wiegt schwer

Das Gefühl, mit liegendem Geld langsam, aber unaufhaltsam zu verlieren, ist weit verbreitet. Die Inflation zehrt am Bargeld auf, und die Versuchung einzusteigen wächst, wenn Euribor und Zinsen auf Niveaus zeigen, die es seit Jahren nicht mehr gab. Dennoch behält die Vorsicht bei denen die Oberhand, die glauben, dass die Kapitulation noch nicht da ist: Der VIX ist nicht wie 2000 oder 2008 explodiert, und die Entziehung von Liquidität aus dem System hat gerade erst begonnen.

Die Absicherung mit Optionen taucht als Nischeninstrument auf. Einen Put auf den S&P-500-ETF zu einem Strike unter dem aktuellen Niveau zu kaufen, funktioniert wie eine Versicherung: Man zahlt eine Prämie und begrenzt den Verlust, verliert aber die Kosten, wenn der Markt steigt. Für große Depots kann das sinnvoll sein; für ein vierjähriges Dividendendepot verkompliziert es mehr, als es schützt.

Das Ende ist keine Empfehlung. Bei steigenden Zinsen und hartnäckiger Inflation fällt die Entscheidung zwischen Warten und Einstieg auf den Kalender zurück: Wer die Liquidität nicht aushält, soll in Raten kaufen; wer sie aushält, soll wissen, dass auch das Warten seinen Preis hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (45 Antworten).

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