Video von 2014 beschreibt heutige Überwachung

Ein zwölf Jahre altes Video beschrieb Hyperüberwachung, Social Scoring und Gesundheitskontrolle. Die Debatte dreht sich nun um die Frage, wer das Drehbuch schrieb.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das Video von 2014, das die Welt von heute bereits beschrieb

Es gibt ein Video, das seit über einem Jahrzehnt im Umlauf ist und das beim heutigen Anblick ein unangenehmes Grauen hervorruft. Nicht weil es eine mystische Prophezeiung wäre, sondern weil es mit der Präzision einer Bedienungsanleitung Dinge auflistet, die damals wie Science-Fiction klangen und heute Verwaltungsroutine sind: Kameras mit Gesichtserkennung an jeder Ecke, Social Scoring, Gesundheitskontrolle getarnt als öffentliche Gesundheit. Das Material wurde in diesen Tagen in einem Wirtschaftsforum erneut geteilt, mit einer Überschrift, die keinen Zweifel zulässt: „Wahrsager?“ Die überwiegende Antwort lautet, dass sie keine Wahrsager waren, sondern einfach das Drehbuch lasen, bevor gedreht wurde.

Was das Video sagte und warum es erneut geteilt wurde

Laut denen, die es wiederentdeckt haben, antizipierte der ursprüngliche Inhalt die digitale Hyperüberwachung als Herrschaftsinstrument, die Normalisierung von Kontrolle unter dem Vorwand der Sicherheit oder Gesundheit sowie das, was er als massenhafte Sozialingenieurwesen bezeichnete: Neudefinition der Familie, Sensual von Kindern, Förderung des Transhumanismus und kulturelle Degradation als Mechanismen der Entwurzelung. Zwölf Jahre später dreht sich die Diskussion nicht darum, ob es recht hatte, sondern darum, wer das Drehbuch geschrieben hat.

Die Unterhaltung driftete schnell in unbequemeres Terrain. Ein Teil der Teilnehmer vertritt die Ansicht, dass das Video ein weiteres Stück des Systems ist, das es anprangert – eine Art Warnung an die Bevölkerung darüber, was kommt, damit die Resignation leichter verdaut wird. Andere verteidigen, dass das Video das Problem korrekt identifiziert, aber den Schuldigen falsch benennt: Es zeigt auf eine diffuse Elite, während nach dieser Analyse die wahre Macht beim Staat liegt, der nie als Verantwortlicher, sondern nur als Opfer dargestellt wird.

Der Staat als Werkzeug, nicht als Opfer

Das am häufigsten wiederholte Argument in diese Richtung besagt, dass die reale Macht die Macht der Gewalt sei und alle anderen Mächte davon abhingen. Politische, wirtschaftliche und religiöse Macht benötigten ein Zwangsmonopol, vor dem die Bevölkerung zum Gehorsam neigt. Innerhalb dieser Logik wäre auch die größte Wirtschaftsmacht von allen der Staat, denn er erhebt Steuern, enteignet und delegiert den Schutz des Großkapitals an sich selbst.

Der Widerspruch kommt aus anderer Richtung: Wenn der Staat die oberste Macht wäre, würde es nicht erklären, warum die größten Vermögen in Jurisdiktionen mit schwächerem Recht Zuflucht suchen. Manche erinnern daran, dass mehr als die Hälfte der hundert größten Volkswirtschaften der Welt private Unternehmen sind und dass diese Unternehmen Grenzen überschreiten, dort produzieren, wo Arbeitskräfte billiger sind, und ihren Sitz verlegen, wenn der Skandal drückt. Die Diskussion darüber, ob die Macht staatlich oder korporativ ist, bleibt offen, und niemand schließt sie ab.

Die Kluft, die niemand füllt: Wem nützt die Erzählung?

Der unbequemste Punkt des Austauschs ist die Feststellung, dass solche Videos, indem sie das Problem einer abstrakten Elite zuordnen, faktisch zur Untätigkeit einladen. Wenn der Feind allmächtig und gesichtslos ist, gibt es keine Möglichkeit, sich gegen ihn zu mobilisieren. Nach dieser Lesart wäre die einzige mögliche Handlung, das staatszentrierte Paradigma abzuschaffen und aufzuhören, die gesamte Existenz an den Staat zu delegieren. Dies ist eine harte These und nicht frei von Kritik.

Parallel verschiebt sich die Unterhaltung auf das Feld der eingetretenen Prophezeiungen. Der Krieg zwischen der NATO und Russland wird als etwas erwähnt, das Jahre zuvor auf demselben Kanal angekündigt wurde. Man erinnert daran, dass einige vor der Pandemie gewarnt hatten und mit dem Argument abgetan wurden, dass es immer Pandemien gegeben habe. Und man teilt eine Seite, die seit zwei Jahrzehnten vor dem Kommenden warnt, mit dem Hinweis, dass der Besuch dieser Seite Angst macht.

Vom Warnhinweis zur Diagnose: Die Drift der Debatte

Was als Austausch über ein altes Video begann, mündet schließlich in eine Diskussion über die Mittelschicht, das Lumpenproletariat und wer entbehrlich ist. Hier bricht die Analyse zusammen und das Rauschen setzt ein. Manche behaupten, die Mittelschicht sei die am meisten entmenschlichte, weil sie sich nicht reproduziere, keine Macht suche und nicht gegen die Macht kämpfe, während sich die Unterschichten zumindest reproduzierten. Die Antwort lässt nicht auf sich warten: Wenn die Mittelschicht nicht existiere, sei das Problem ein anderes.

Der Abschluss des Austauschs bietet keine Schlussfolgerung. Es bleibt das Gefühl, dass das Video bei der Diagnose recht hatte, aber niemand sich über die Ursache einig ist, und dass die Diskussion darüber, wer wirklich regiert, genau dort steht, wo sie begonnen hat. Mit einem Unterschied: Nun gibt es mehr Daten, mehr vergangene Jahre und weniger Spielraum, es als Fiktion abzutun.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (104 Antworten).

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