Verhaftungen nach Todesfall in Zahnklinik in Alzira

Polizei verhaftet Anästhesisten und Klinikbesitzerin wegen fahrlässiger Tötung und Medikamentenmissbrauchs.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Verhaftungen nach Todesfall in Zahnklinik in Alzira
Verhaftungen nach Todesfall in Zahnklinik in Alzira

Die spanische Nationalpolizei (Policía Nacional) hat am Mittwoch den Anästhesisten und die Inhaberin einer Zahnklinik in Alzira festgenommen. Dort war ein sechsjähriges Mädchen sediert worden und wenige Stunden später im Krankenhaus La Ribera verstorben. Dem 43-jährigen Mediziner werden fahrlässige Tötung, Körperverletzung, unterlassene Hilfeleistung, Verstöße gegen das Gesundheitsgesetz sowie Diebstahl vorgeworfen, da er angeblich Medikamente aus dem Krankenhaus entwendet hatte, in dem er arbeitete. Der 50-jährigen Besitzerin des Zentrums werden unterlassene Hilfeleistung und Verstöße gegen das Gesundheitsgesetz angelastet. Die Ermittlungen dauern an und konzentrieren sich auf mögliche Kunstfehler bei der Sedierung.

Das Muster: Krankenhausanästhetika in einer nicht zugelassenen Praxis

Dieser Fall ist kein bloßes Versehen. Laut Polizeiquellen entwendete der Anästhesist die Medikamente im Krankenhaus, in dem er regulär tätig war, und nutzte sie anschließend in privaten Kliniken. Wie das regionale Gesundheitsministerium (Conselleria de Sanidad) mitteilte, verfügte die Zahnklinik in Alzira nicht über die erforderliche Genehmigung für Bewusstseinssedierungen und besaß auch nicht die vorgeschriebenen Ressourcen für solche Eingriffe. Die Kombination aus nicht nachvollziehbaren Medikamenten und einer unzureichend ausgestatteten Einrichtung stützt die Vorwürfe.

Warum gestohlenes Propofol tödlich sein konnte?

Im Zentrum der Ermittlungen steht Propofol, ein intravenöses Narkosemittel, das nur im Krankenhaus verwendet wird und nicht in Apotheken erhältlich ist. Sein hoher Lipidgehalt macht es anfällig für Bakterienwachstum, wenn es falsch gelagert oder wiederverwendet wird. Standardmäßig müssen Reste jeder Ampulle entsorgt werden; ihre Wiederverwendung oder ein Transport ohne Kühlkette kann Toxine freisetzen und eine Sepsis auslösen. Die vorliegenden Daten deuten auf eine akute Vergiftung hin: Das Mädchen litt vor dem Bewusstseinsverlust unter Erbrechen, Schläfrigkeit und Fieber. Eine offizielle Bestätigung der genauen Todesursache fehlt noch.

Drei betroffene Minderjährige und erweiterte Ermittlungen

Die Untersuchungen beschränken sich nicht auf Alzira. Die Polizei prüft einen dritten Fall mutmaßlicher beruflicher Fahrlässigkeit in einer Zahnklinik in Paterna, wo ein weiteres Kind nach einer Sedierung durch denselben Spezialisten Komplikationen erlitt. Diese Klinik hat den Namen des verdächtigten Anästhesisten von ihrer Website entfernt. Zudem wurde ein zweites vierjähriges Mädchen zwei Wochen lang im Universitätskrankenhaus Valencia (Hospital Clínico de València) behandelt, einschließlich eines Aufenthalts auf der Kinderintensivstation, und ist inzwischen entlassen worden. Die Zahl der bestätigten Opfer liegt bei drei, alle sind minderjährig.

Das Geschäft mit billigen Sedierungen ohne Intensivstation

Hintergrund dieser Vorfälle ist oft ökonomischer Natur. Ein Anästhesist erhält im Privatsektor etwa 45 Euro netto pro Sedierung, eine Gebühr, die viele ablehnen, weil sie das Risiko nicht abdeckt. Gestohlene Medikamente erhöhen die Marge zusätzlich: Sie kosten zwischen 5 und 20 Euro und werden zu Preisen für Krankenhausprodukte in Rechnung gestellt. Die Klinik spart Kosten für Genehmigungen, Überwachungsgeräte und Reanimationspersonal. Das Ergebnis ist eine Sedierung ohne Sicherheitsnetz: Wenn etwas schiefgeht, gibt es keine Intensivstation, keine Zeit und keinen Notfallplan.

Offene Fragen der Ermittlungen

Noch ungeklärt ist, ob der Tod durch Kontamination des Medikaments, eine Überdosierung oder eine unvorhersehbare Reaktion verursacht wurde. Auch die Verantwortung der behandelnden Kinderzahnärztin, deren Name nicht in Zusammenhang mit den Festnahmen genannt wird, bleibt offen. Das Verfahren befindet sich noch im Ermittlungsstadium, und keiner der Festgenommenen wurde bisher verurteilt. Die Zahnklinik in Alzira operierte ohne die vom Gesundheitsministerium geforderte Genehmigung für Bewusstseinssedierungen. Dieses administrative Verfahren kostet rund 200 Euro und umfasst eine Inspektion der Räumlichkeiten. Nach vorliegenden Informationen wurde diese Genehmigung nie beantragt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (150 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver