Verfolgter Rock, subventionierte Oper: Die sowjetische Kulturlogik

Rock galt als Propaganda des Feindes, die Oper als Erbe des Volkes. Es gab offizielle VIA-Bands und eine Untergrundszene, die je nach Windlage geduldet oder unterdrückt wurde.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Verfolgter Rock, subventionierte Oper: Die sowjetische Kulturlogik
Verfolgter Rock, subventionierte Oper: Die sowjetische Kulturlogik

Rock wurde in der Sowjetunion nicht wegen seiner Akkorde verboten. Er wurde verfolgt, wenn überhaupt, weil man ihn als Propaganda des Feindes las. Die klassische Musik hingegen war eine europäische Schöpfung, die das Regime als universelles Erbe präsentieren konnte, das dem Adel entrissen und unter dem Volk verteilt worden war. Das ist die These, die sich durch die Diskussion zieht, und sie erklärt die kulturelle Doppelmoral des realen Sozialismus besser als jeder Erlass.

Ein Mythos sollte von vornherein ausgeräumt werden: Sowjetischen Rock gab es durchaus. Die offiziellen Bands hießen VIA — vokal-instrumentale Ensembles —, kleideten sich korrekt, bewegten sich kaum auf der Bühne und sangen über die Liebe oder den Alltag. Parallel dazu existierte eine Untergrundszene inoffizieller Gruppen, die ihren westlichen Pendants ähnelten und je nach Windlage geduldet oder unterdrückt wurden. Die Beatles bekamen sogar Platten beim Verlag der Partei veröffentlicht und waren im Grundsatz willkommen. Die Strategie bestand weniger darin, das Phänomen zu zerschlagen, als es zu unterwandern und umzuleiten.

Warum war Rock Propaganda und klassische Musik nicht?

Das meistgebrachte Argument: Rock war eine US-amerikanische Erfindung, die vom kapitalistischen System lebte und als Waffe der Subversion fungierte. In einem Regime, das sich bereits als kommunistisch verstand, war die Einführung einer mit Subversion assoziierten Musik redundant und gefährlich. Die klassische Musik hingegen passte in das sowjetische aufgeklärte Projekt: Oper, Ballett und Sinfonie sollten für alle zugänglich sein, und die Moskauer Metro wird als Beispiel dieser Ästhetik der hohen Kultur zitiert. Manche behaupten, der durchschnittliche Sowjetbürger habe mehr Stunden in Konzertsälen und Ausstellungen verbracht als sein kapitalistisches Pendant.

Das Kleingedruckte dieser Erzählung ist weniger freundlich. Komponisten wie Schostakowitsch lebten mit gepacktem Koffer, falls die politische Polizei vorbeischaute, und Musik mit mitteleuropäischer oder geistlicher Tradition konnte als verdächtig eingestuft werden. Die Zensur unterschied nicht zwischen Hoch- und Populärkultur: Sie unterschied zwischen dem Nützlichen und dem Unbequemen.

Gab es vor der Glasnost Rockbands in der UdSSR?

Ja, und zwar viele. Das erste Rockkonzert fand 1966 im Sitz des Außenministeriums statt, und Bands wie Pojuschtschije guitarry wurden 1965 gegründet. Der sowjetische Pogre Rock hatte sein Zentrum in Estland, mit Bands von bemerkenswerter Qualität. Der Schwarzmarkt für Schallplatten, die auf Röntgenbildern gepresst wurden — klangarm, aber heiß begehrt —, beweist, dass es die Fangemeinde gab und der Staat sie nicht vollständig kontrollierte.

Die Episode, die die Paradoxie am besten zusammenfasst, ist das Konzert von 1991, einen Monat nach dem letzten Versuch, das System zu retten, und drei Monate vor dem formellen Ende des Landes: eine riesige Menschenmenge, die sich dem ergab, was als kapitalistischer Nihilismus bezeichnet worden war. Die Ironie: Die meisten wussten, dass die kommunistische Erzählung falsch war, ahnten aber nicht, wie wahr die kapitalistische Erzählung war.



Es bleibt die unbequeme Frage: Wenn Rock so gefährlich war, warum hat man ihn nicht so finanziert wie die Oper? Die wahrscheinliche Antwort: Die Oper veranstaltete keine Konzerte vor einer Million Menschen. Vor diesem Hintergrund sollte jede Prognose über kulturelle Zensur und Technologie mit Vorsicht behandelt werden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (60 Antworten).

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