Der Tempel der Sünde: New Yorks berüchtigtester Sündenpfuhl

Der Haymarket öffnete 1872 an der Sixth Avenue Ecke 30th Street in New York und schloss 1911. Prostitution, Drogen und Bestechung unter dem Schutz von Tammany Hall.

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Der Haymarket war ein Tanzsaal und Luxusbordell, das 1872 in New York an der Ecke Sixth Avenue und 30th Street eröffnete und dank der polizeilichen und politischen Korruption von Tammany Hall fast vier Jahrzehnte lang betrieben wurde. 1911 schloss er unter dem Druck der Prohibitionsbewegung und einer Reihe systematischer Razzien.

Alle paar Jahre kehrt dieselbe Idee zurück: Wir lebten in der verfallensten Epoche der Geschichte. Das pflegt jemand zu sagen, der nicht viel über das 19. Jahrhundert gelesen hat. Denn wer einen Blick in das New York der sogenannten Gilded Age, des „Goldenen Zeitalters“, wirft, findet eine Stadt, in der die offizielle Sarracena äußerst streng war und die alltägliche Praxis in manchen Lokalen ein hemmungsloses Treiben. Das berühmteste Beispiel trägt den Namen eines Marktes: The Haymarket.

## Ein Tanzsaal, gebaut auf einem Heumarkt

Das Gebäude stand auf Grundstücken, auf denen historisch Freiluftmärkte für Heu und Futter für die Tausenden Pferde abgehalten worden waren, die den Transport der Stadt bewegten. Daher der ironische Name. Er öffnete ursprünglich **1872** als Tanzsaal, mitten im Viertel, das Ende des 19. Jahrhunderts als Tenderloin bekannt war. Es dauerte nicht lange, bis er zu einem der berüchtigtesten Nachtlokale der Stadt wurde.

Man sollte den wirtschaftlichen Kontext verstehen. Während der Gilded Age war das Wachstum der USA außergewöhnlich, doch kaum umverteilt: Eine bundesweite Einkommensteuer existierte nicht, ebenso wenig eine Erbschaftsteuer. Der Reichtum konzentrierte sich in beispiellosem Ausmaß in den Händen einer kleinen Elite, während weite Teile der Arbeiterklasse und der wachsenden Einwandererbevölkerung in äußerster Not lebten und um Essen und Unterkunft kämpften. Dieser Kontrast ist der Schlüssel zu allem, was danach kam.

Das Erdgeschoss war ein gigantischer Festsaal mit Spiegeln, Vergoldungen und hellen Gaslampen, die eine blendende Atmosphäre schufen. Ein Live-Orchester spielte ununterbrochen Walzer und Polkas auf einer zentralen Tanzfläche. Ringsum lange Theken und Tische, an denen minderwertiger Alkohol zu Wucherpreisen ausgeschenkt wurde. Es war der Treffpunkt, an dem Kontakte zu Kunden geknüpft wurden und Taschendiebe im Gedränge völlig ungestört arbeiteten. Es gab auch ein Restaurant, das komplette Abendessen servierte: Steaks, Braten und die berühmten Austern New Yorks, ein äußerst beliebtes und billiges Essen in der Stadt des 19. Jahrhunderts.

## Logen mit Vorhängen, Kokain und eine geheime Treppe

Das zweite Stockwerk war als Amphitheater mit privaten Logen und vorkragenden Galerien angelegt, die den gesamten Umkreis liefen. Von diesen Balkonen aus beobachteten die wohlhabendsten Gäste oder jene, die Diskretion suchten, die Menge im unteren Geschoss, während sie Champagner tranken oder speisten. Doch die Logen waren keine bloßen Aussichtsplätze: Sie waren mit schweren Vorhängen ausgestattet, die es erlaubten, ungestört zu sehen und sich für sofortige Privatsphäre zu schließen. Dort wurden Geschäfte abgeschlossen, Drogen wie Kokain, Opium und Laudanum konsumiert und Prostitution unter vertraulicher Aufsicht des Etablissements betrieben. Die Gäste konnten mit Operngläsern das „Vieh“ im Tanzsaal mustern und einen Kellner bitten, ihnen die gewünschte Person hinaufzuschicken.

Das dritte Stockwerk, das verschlossenste, war ein Labyrinth kleiner, luxuriös möblierter Zimmer, die als geheimes Bordell innerhalb des Komplexes fungierten. Dorthin wurden Kunden geführt, die längere Begegnungen suchten, und dort operierten die Ausbeuternetzwerke, in die Minderjährige verwickelt waren. Diese oberste Ebene verfügte über geheime Treppen, die zu Tunneln im Keller hinabführten, die wiederum zu den Eingangsbereichen benachbarter Gebäude und zu Hinterstraßen führten. Das garantierte einen diskreten Fluchtweg für wohlhabende Figuren oder lokale Politiker, die das Gebäude verlassen wollten, ohne erkannt zu werden.

Das Lokal bediente zudem eine Leidenschaft der damaligen Oberschicht: das Slumming, eine Form des Stadt-Tourismus oder sozialen Voyeurismus, bei dem Angehörige der Oberschicht, oft in their bester Kleidung oder diskret verkleidet, die ärmsten und gefährlichsten Viertel besuchten —Bowery, Five Points oder den Tenderloin selbst—, um das Laster, das Elend und den Lebensstil des Lumpenproletariats zu beobachten. Der Haymarket war eine Pflichtstation dieser Tour.

## Zeitungsverkäufer-Kinder im oberen Stockwerk

Der düsterste Aspekt war seine Rolle als Epizentrum des Sens. Unter den blinden Augen der Behörden zog das Etablissement Prostitutionsnetzwerke an, die junge Frauen und Männer in äußerster Armut ausbeuteten und in die auch die Prostitution Minderjähriger verwickelt war. Begehrt waren die Newsboys oder Newsies, formal Straßenverkäufer von Zeitungen, und die Bootblacks, Schuhputzer: Kinder und Jugendliche, die auf den Straßen New Yorks arbeiteten und angeheuert wurden, um sich mit ein paar Cent als Prostituierte im Lokal zu verdingen. Man bediente sich auch der Street Arabs, des viktorianischen Begriffs für obdachlose Kinder, die in der Stadt kümmerlich lebten und das verwundbarste Ziel bildeten.

Bei den Mädchen gab es die Fallen Girls oder Wayward Girls, die sarracena Begriffe der Zeit für Jugendliche und Kinder, die in die Netzwerke der Prostitution gerieten. Und es gab die Cadets, junge Zuhälter oder Verführer, die junge Mädchen und Kinder in armen Vierteln oder an Bahnhöfen anlockten, um sie in Bordelle oder in die oberen Stockwerke von Lokalen wie dem Haymarket einzuschleusen. Illegales Glücksspiel und alle Arten von Drogen waren ebenfalls weit verbreitet.

Für die viktorianische Elite war der Haymarket ein unerträgliches Symbol des Verderbens. Für die Sozialreformer der Zeit, wie **Anthony Comstock** oder den Reverend **Charles Parkhurst**, war er der lebende Beweis für den Verfall der Stadt und für die Komplizenschaft zwischen dem organisierten Verbrechen und dem korrupten politischen Apparat von Tammany Hall.

## Tammany Hall: die Maschine, die wegsah

Tammany Hall war die politische Maschine der Demokratischen Partei, die das öffentliche Leben, die Wahlen und die Verwaltung New Yorks von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert beherrschte. Sie funktionierte als klientelistisches Netzwerk einer Parallelmacht, das von öffentlichen Aufträgen und den Gerichten bis hin zur Polizei alles kontrollierte. Als Millionen von Einwanderern, vor allem Iren und Italiener, in die Stadt kamen, bot ihnen Tammany im Winter Kohle, Essen, rechtliche Hilfe und öffentliche Arbeitsplätze im Gegenzug für ihre garantierte Stimme an der Wahlurne.

Die politischen Anführer, bekannt als Bosses, blähten die Budgets für öffentliche Bauvorhaben auf und verlangten von Bauunternehmen illegale Kommissionen. Der berühmteste Fall war der von **William M. Tweed**, „Boss Tweed“, der in den 1860er Jahren Zehnmillionen von Dollar aus öffentlichen Mitteln veruntreute. Und er hielt die Polizeibehörde der Stadt unter seiner Kontrolle: Gegen regelmäßige Zahlungen und Bestechungsgelder sahen die Behörden bei Spielhöllen, Prostitutionsnetzwerken und Lokalen wie dem Haymarket weg. In der Praxis wurde das Lokal bei einer bevorstehenden Razzia oder Verhaftung vorab gewarnt, um seine treuesten oder gesellschaftlich exponiertesten Kunden zu schützen, darunter viele demokratische Politiker.

Trotz ständiger Schließungsversuche und öffentlicher Empörung gelang es dem Haymarket, in der ganzen Stadt als „Tempel der Sünde“ bekannt, Jahrzehnte lang in Betrieb zu bleiben. Erst **1911** zwangen der Druck der Prohibitionsbewegung und eine Reihe systematischer Razzien gegen Prostitution und Glücksspiel das Lokal endgültig zur Schließung. Der Abriss des Gebäudes markierte das Ende einer Ära und ließ die Erinnerung an ein New York zurück, in dem gesellschaftliche Heuchelei mit den dunkelsten Abgründen menschlicher Ausbeutung koexistierte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (2 Antworten).

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