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Venezuela ruft Referendum über Annexion von Essequibo aus
Venezuela hat für den 3. Dezember ein Referendum über die Annexion des Essequibo angesetzt, einer Region mit 75 % von Guyana und reichen Ölvorkommen.
Referendum in Venezuela zur Annexion des Essequibo
Venezuela wird das Essequibo annektieren. Oder auch nicht. Was feststeht, ist, dass am 3. Dezember ein Referendum über diese Annexion anberaumt wurde, und dass das umstrittene Gebiet —die Guayana Esequiba, westlich des Flusses Essequibo— nach den im Streit vorgebrachten Argumenten 75 % von Guyana darstellt. Dschungel, Fluss und darunter Öl.
Der Anspruch ist alt: Großbritannien behielt die Kontrolle über die Zone, Venezuela focht einen ungünstigen Schiedsspruch spät an und unterzeichnete 1966 mit den Briten einen Vertrag zur Lösung der Angelegenheit. Laut Analysten hat sich die Lage durch den Kontext geändert: Guyana wird nicht mehr von links regiert, hat einen rechten Präsidenten und spielt auf der Seite der USA und der Karibikmächte. Und unter dem Dschungel liegt Rohöl.
Warum beansprucht Venezuela das Essequibo?
Das Kernargument ist historisch: Man behauptet, die Briten hätten illegal Territorium besetzt, das gemäß den Unabhängigkeitsverträgen zu Venezuela hätte gehören sollen. Manche ziehen Parallelen zu den Falklandinseln oder Guantánamo, diesen Überresten der spanischen Geografie, die in fremde Hände fielen. Andere fügen eine unbequemere Lesart hinzu: Die Alliierten, die die amerikanischen Unabhängigkeiten finanzierten, hätten später ihre Rechnung in Form von Territorium beglichen.
Dem gegenüber stehen die juristischen Fakten gegen Caracas. Es gibt einen Schiedsspruch, der die britische Verwaltung anerkennt, den Venezuela —wie selbst Verteidiger zugeben, verspätet— angefochten hat, sowie einen späteren Vertrag, der die Parteien zu einer verhandelten Lösung verpflichtet. Kurz gesagt: Ein sauberer Weg für eine einseitige Annexion steht nicht zur Debatte.
Wie viel Öl gibt es im Essequibo?
Das ist die Frage, die alles andere antreibt. Die Entdeckung von Kohlenwasserstoffen in guyanesischen Gewässern und an Land machte aus einem Streit des 19. Jahrhunderts eine Angelegenheit, die Multis beobachteten. Eine Strömung dämpft die Begeisterung: Die geschätzten Reserven würden nicht einmal 200 Tage Verbrauch abdecken —laut verbreiteten Berechnungen— und die Förderung wäre mit der verfügbaren Technologie schwierig oder unmöglich.
Die andere Lesart ist prosaischer. Wäre das Öl irrelevant, gäbe es keine majors aus den USA und Europa, die sich in der Region bewegen, noch laufende Offshore-Projekte. Dass das Öl teuer zu fördern ist, bedeutet nicht, dass es niemand will: Es bedeutet, dass wer es fördert, hohe Preise und Rechtssicherheit braucht, die heute nicht gegeben sind.
Kann man ein Gebiet ohne Straßen invadieren?
Hier wird die Diskussion geografisch, und die Geografie ist stur. Ein schneller Blick auf Satellitenbilder ergibt dasselbe Resultat: Es gibt keine einzige Straße, die die Grenze überquert. Im Süden eine Bergkette mit mehr Dschungel und einem Fluss. Und vor allem das Klima: Regenzeit, extreme Feuchtigkeit, Jaguare, Anakondas, Kaimane und Piranhas. Die vorherrschende Prognose lautet, dass eine bewegliche Streitmacht mehr Verluste durch die Umgebung als durch den Feind erleiden würde.
Die Gegenthese besagt, dass man solche Konflikte nicht über Autobahnen führt. Tausende Soldaten mit Gewehren, Maultieren und Feldflaschen können in den Dschungel eindringen. Eine andere Sache ist es, Nachschub, Logistik und Sarracena monatelang in terra incognita aufrechtzuerhalten. Keine Macht hat jemals schnell in Gelände gewonnen, das Versorgungslinien verschlingt.
Wer würde Guyana in einem Konflikt unterstützen?
Auf dem Papier verfügt Guyana über eine Polizei-Stärke-Truppe. Sein Trumpf ist nicht die Armee, sondern die Verbündeten. Sein Verteidigungsminister besuchte das brasilianische Verteidigungsministerium für einen „strategischen Dialog“, was als Suche nach Rückhalt gewertet wird. Brasilien hat Lula und Maduro im gleichen ideologischen Orbit, aber kein Interesse an einem brennenden Nachbarviertel.
Die USA und Großbritannien sind die andere Karte. Die zynische Sichtweise besagt, dass Washington in einem Zusammenstoß die perfekte Ausrede sehen würde, Truppen in eine ölreiche Zone zu schicken und dort zu bleiben, um sie auszubeuten, während man den Nachbarn „verteidigt“. Die Gegenansicht: Niemand will eine neue Front eröffnen, während die Ukraine und Israel Aufmerksamkeit und Munition verbrauchen.
Unter dem Dschungel liegt Rohöl
Das Chaos ist angerichtet
Mit einer venezolanischen Wirtschaft in Trümmern, einer Währung, die jedes Jahr Dezimalstellen verliert, und Russland und Iran, die an anderen Fronten abgelenkt sind, ähnelt die Annexion des Essequibo eher einem innenpolitischen Manöver als einer militärischen Operation. Aber Generalstäbe studieren diese Karte seit Jahrzehnten, und Referenden werden, wenn sie anberaumt werden, nicht ohne Grund abgehalten.
Die Wette, mit allen Vorbehalten: Es wird Gesten, Rhetorik und symbolische Aufmärsche geben, keine Invasion. Und wenn jemand den Fluss überquert, wird der erste Feind keine Uniform tragen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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