Syrien: HTS stürzt Assads Regime in zehn Tagen

Die HTS marschierte mit kaum Widerstand in Damaskus ein, während die syrische Armee ohne russische oder iranische Unterstützung zusammenbrach und den Bürgerkrieg beendete.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Syrien: HTS stürzt Assads Regime in zehn Tagen
Syrien: HTS stürzt Assads Regime in zehn Tagen

Wie ist es möglich, dass eine Blitzoffensive einen Konflikt von mehr als einem Jahrzehnt in nur zehn Tagen beendet hat? Diese Frage durchzieht jede Analyse der Ereignisse in Syrien, wo die wenig bekannte bewaffnete Gruppe HTS fast ohne Widerstand in Damaskus einmarschiert ist. Das Regime von Baschar al-Assad, jahrelang von Iran und Russland gestützt, ist mit einer Geschwindigkeit zusammengebrochen, die selbst erfahrene Beobachter verwirrt. Die verfügbaren Daten deuten auf eine Kombination von Faktoren hin: eine erschöpfte reguläre Armee, eine nicht tragfähige Kriegswirtschaft und ein internationales Umfeld, das den Blick von Damaskus abgewandt hat.

Das Rätsel einer Offensive ohne Gegenwehr

Die erste Überraschung ist das Ausbleiben von Kämpfen. Die syrische Armee, die jahrelang ihre Befehlskette aufrechterhielt und Rebellengruppen mit russischer Unterstützung aufhalten konnte, leistete keinen Widerstand. Zirkulierende Berichte beschreiben demoralisierte Einheiten, unbezahlte Gehälter und eine bis ins Mark korrupte Struktur. In zehn Tagen durchquerte eine Streitmacht, deren Größe in den Medien nicht einmal beziffert wird, das Land von der türkischen Grenze bis zur Hauptstadt.

Einige argumentieren, dass das Regime bereits seine materielle Basis verloren hatte: Die syrische Wirtschaft, verwüstet durch über ein Jahrzehnt Krieg, konnte eine Armee von Hunderttausenden Männern nicht finanzieren. Die iranische und russische Unterstützung, entscheidend für Assads Überleben, hat sich verflüchtigt. Russland, konzentriert auf die Ukraine, hat seinen militärischen Fußabdruck auf die Marinebasis Tartus reduziert. Der Iran steht laut Analysen unter direktem Druck Israels und hat sich entschieden, seine letzten Karten in Syrien nicht zu spielen.

Warum ließen Russland und Iran Assad fallen?

Die kurze Antwort lautet: Es lohnte sich nicht. Russland unterhielt vierzehn Rekrutierungszentren in Syrien und eine Militärpräsenz, die ihm diente, um Macht im Mittelmeer zu projizieren. Doch der Krieg in der Ukraine hat Ressourcen und Menschen verschlungen. Die erfahrensten syrischen Soldaten wären an die ukrainische Front verlegt worden, wodurch das Land in den Händen unmotivierter Rekruten zurückblieb.

Der Iran sieht sich wachsendem Druck gegenüber. Israels Angriffe auf seine Interessen in der Region haben seine Fähigkeit geschwächt, Verbündete zu unterstützen. Die Hisbollah, ein Pfeiler der iranischen Achse, wurde nach den jüngsten Auseinandersetzungen angeblich stark dezimiert. Ohne diesen Schutzschild war Damaskus exponiert.

Das Ergebnis ist ein Vakuum, das die HTS ohne einen einzigen Schuss gefüllt hat. Die schwebende Frage ist, ob diese Gruppe, angeführt von einer mysteriösen Figur, fähig ist, ein Land zu regieren, das in Dutzende Milizen fragmentiert ist.

Die neue Machtverteilung im Nahen Osten

Der Fall Assads ist kein isoliertes Ereignis. Er fügt sich in eine breitere Neuausrichtung ein, die die Ukraine, Gaza, Armenien und Georgien betrifft. Einige Analysen weisen auf ein Treffen in Doha hin, an dem Außenminister aus Ägypten, Katar, Jordanien, dem Irak und Saudi-Arabien teilnahmen, zusammen mit Vertretern der Astana-Gruppe – Türkei, Iran und Russland –. Nach diesen Berichten wurde dort das neue syrische Gleichgewicht ohne westliche Präsenz vereinbart.

Die Schnelligkeit der Operation deutet darauf hin, dass die wichtigsten regionalen Akteure das Ergebnis kannten. Die Türkei, die seit Jahren Rebellenfraktionen unterstützt, hätte den Vormarsch erleichtert. Israel, daran interessiert, den Iran zu schwächen, hätte den Fall eines Verbündeten Teherans wohlwollend betrachtet. Die Vereinigten Staaten hätten inmitten eines Präsidentenwechsels keine Initiative ergriffen.

Was passiert jetzt in Syrien?

Das wahrscheinlichste Szenario, wie verschiedene Analysen übereinstimmend sagen, ist ein neuer Bürgerkrieg. Die HTS kontrolliert das besetzte Gebiet nicht; sie hat es nur durchquert. Kurdische Milizen, Baath-Brigaden, Reste der regulären Armee und Dutzende bewaffnete Gruppen verfolgen eigene Agenden. Die Fragmentierung des Landes könnte sich verschlimmern.

Unklar ist, wer Damaskus regieren wird. Maher Hussein al-Sharaa, der Bruder des HTS-Anführers, studierte Medizin in Russland und könnte Moskaus Mann sein, um ein neues Regime zu leiten. Dies ist eine kursierende Hypothese ohne offizielle Bestätigung. Klar scheint jedoch, dass das Machtvakuum von externen Akteuren genutzt werden wird.

Die Ironie besteht darin, dass das Regime nach dreizehn Jahren Krieg, mit Hunderttausenden Toten und Millionen Vertriebenen, in zehn Tagen fiel. Und niemand weiß, was danach kommt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (107 Antworten).

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