Venezianische Schwarze Adels-Theorie leugnet jüdische Bankenkontrolle

Die Theorie, die den venezianischen Adel über Rothschild und Rockefeller stellt, zirkuliert ohne jegliche dokumentarische Beweise.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Venezianische Schwarze Adels-Theorie leugnet jüdische Bankenkontrolle
Der venezianische schwarze Adel und das Narrativ, das jüdische Banker verdrängt

In Kreisen, die die Finanzmacht sezieren, zirkuliert hartnäckig eine These: Die internationale Bankenwelt wird nicht von den allgemein bekannten Namen kontrolliert, sondern von einem venezianischen Adelsnetzwerk, das seit Jahrhunderten im Hintergrund die Fäden zieht. Die Diskussion, die seit fast drei Jahren in einer Internet-Ecke offen ist, behauptet, dass die Rothschilds, Rockefellers, Morgans oder Warburgs kaum mehr als Strohmänner für Familien seien, die das Wuchersystem in Venedig schufen, es nach Holland exportierten, das Britische Imperium gründeten und schließlich in den USA Fuß fassten. Das Problem liegt, wie so oft, bei den Beweisen.

Was die These des venezianischen schwarzen Adels behauptet

Der zentrale Ansatz besagt, dass eine adelige Elite – Medici, Orsini, Colonna, Agnelli – als letzte Aktionärin aller relevanten Konzerne fungiere, einschließlich des Vatikans, der als ein von Jesuiten kontrollierter Konzern beschrieben wird, der wiederum diesem Adel rechenschaftspflichtig sei. Nach dieser Lesart entsteht das wucherische Bankwesen in Venedig, wandert nach Holland, finanziert die Gründung des Britischen Imperiums und endet in den USA, wo es angeblich beide Seiten im Zweiten Weltkrieg finanzierte. Der anglophone Raum und Israel wären in dieser Version Eigentum dieses Netzwerks.

Das Argument stützt sich auf ein wiederkehrendes Detail: Die Kirche verbot im 12. Jahrhundert die Zinsnahme unter Christen, was jüdische Banker gezwungen hätte, diese Lücke zu füllen. Die gestellte Frage lautet, wer diesen venezianischen Familien Geld lieh. Laut dieser Strömung waren die Kreditgeber nur Instrumente, nicht die Besitzer.

Zahlen zur Untermauerung des Narrativs

Der am häufigsten zitierte Datenpunkt zur Stärkung der These betrifft die US-Notenbank (Federal Reserve), die als Konsortium aus neun jüdisch besitzenden Banken und Assoziierten dargestellt wird, mit den Rothschilds an der Spitze. Die Liste umfasst die Rothschild-Banken in London und Berlin, die Gebrüder Lazard aus Paris, Israel Moses Seif aus Italien, Warburg aus Hamburg und Amsterdam, Lehman Brothers, Kuhn Loeb, Goldman Sachs, das Treuhandkonto der National City Bank of New York sowie das Hanover-Treuhandkonto, wobei die Rockefellers und die Chase National Bank als Hauptaktionäre gelten.

Diese Aufzählung zirkuliert seit Jahrzehnten und wird als endgültiger Beweis präsentiert. Was jedoch nie auftaucht, ist ein Dokument, das die Abhängigkeit belegt: dass diese Banken einem spezifischen venezianischen Adel Rechenschaft ablegen. Die Kette wird durch historische Assoziation konstruiert, nicht durch dokumentarische Evidenz.

Der unbeantwortete Einwand: Wo ist der Beweis?

Die häufigste Kritik an dieser These ist einfach und vernichtend: Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass Venezianer Rockefeller, Rothschild, Cassel, Morgan, Lazard, Loeb, Kuhn oder Warburg beherrschen. Dass Venezianer im Club of Rome oder in der Trilateral Commission sitzen, ist möglich. Dass sie diese leiten, ist etwas anderes. Die übliche Antwort lautet, dass die Geschichte seit der Entstehung des wucherischen Bankwesens in Venedig die Verbindung beweise, was ein zirkuläres Argument ist: Die Schlussfolgerung wird als Prämisse verwendet.

Manche gehen weiter und setzen den Ursprung alles beim Sumerern, mit Jesuiten, die Zionisten und Freimaurer „ficken“, finanziert durch diese urzeitliche Elite. Die Leiter wird so lang, dass jedes Glied alles erklärt. Und genau hier liegt das Problem: Eine Theorie, die alles erklärt, erklärt nichts.

Verdacht, dass die These einem anderen Zweck dient

Ein Teil der Anhänger behauptet, die Theorie des venezianischen schwarzen Adels sei nichts weiter als eine Desinformationsoperation, um dem Ntumntumntumntum das Monopol auf die Weltbesitznahme zu entreißen. In Spanien wäre der Pionier, der diese Absurdität verbreitete, laut dieser Lesart ein Autor, der für Russia Today arbeitete. Der Vorwurf lautet, es handle sich um eine Pseudowissenschaft ähnlich der Flachlandtheorie oder Reptiloiden, montiert zur Verwirrung.

Der Gegen-Vorwurf besagt, dass überprüfte historische Fakten in die entgegengesetzte Richtung weisen: Das Ntumntumntumntum war bereits vor jeder venezianischen Verschwörung ein Problem. Mitten in diesem Kreuzfeuer ist die ehrlichste Schlussfolgerung, dass zwei verfeindete Sekten Propaganda nutzen, um sich gegenseitig zu diffamieren, verbunden durch einen großen geheimen Pakt zur Begehung von Straftaten und Machtteilung.

Der finale Twist: Eine Elite, die ihre eigene Straflosigkeit feiert

Das Ende der Diskussion hinterlässt ein unangenehmes Resümee. Einer der Verteidiger der These gesteht schließlich, dass ihm die Elite gefalle, dass es einen verdienten Anteil an der Ausrottung des Pöbels gebe, dass er die Agenda 2030 und den Kalergi-Plan befürworte und dass es ihn nähre, wenn die Gewarnten ausgerottet werden. Dies ist die logische Konsequenz einer Weltsicht, in der Macht eine Naturkraft ist und die Masse eine Herde, die ihr Schicksal verdient.

Mit diesen Zutaten lautet die Prognose, dass die Diskussion niemals gelöst werden wird. Nicht weil Daten fehlen, sondern weil das Ziel nicht ist, die Macht zu verstehen, sondern einen Schuldigen zu finden, der zum vorherbestimmten Narrativ passt. Währenddessen tauchen jene, die das Geld wirklich bewegen, auf keiner Liste auf.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (107 Antworten).

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