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US-Justizjagd gegen Spanien: Sechs Anklagen, keine Haftbefehle
Seit 2020 kursiert in den USA das Narrativ einer Justizoffensive gegen spanische Politiker. Trotz sechs schwerer Vorwürfe und Dutzender Namen fehlt bis heute ein sichtbares Verfahren.
Sechs Anklagen und 50 Namen: Die ausstehende US-Justizoffensive
April 2020. Eine Prognose macht als Nachricht die Runde: Die USA werden Spaniens Auslieferung von 50 bis 70 hochrangigen Politikern verlangen. Sechs Jahre später, im August 2026, taucht das Thema unter neuem Deckmantel wieder auf – mit einer Botschaft der Trump-Regierung an José Luis Rodríguez Zapatero – und derselben unbeantworteten Frage: Wo ist die Akte? Das Narrativ ist detailliert. Die Namensliste lang. Das Papier, das es stützt, unsichtbar.
Die sechs als abgeschlossen geltenden Anklagepunkte
Der Ausgangspunkt ist eine feste Aufzählung: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Drogenhandel, Behinderung der Justiz, Fälschung von Visa und öffentlichen Dokumenten, offizieller Schutz ausländischer Staatsangehöriger und Geldwäsche. Alle diese Delikte sind in den USA streng strafbewehrt. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion wird jedoch keiner der Vorwürfe von einem sichtbaren internationalen Haftbefehl oder einer veröffentlichbaren gerichtlichen Anordnung begleitet.
Hier liegt die Spannung, die das gesamte Thema durchzieht. Auf der einen Seite steht eine formelle Anklage in sechs Punkten gegen spanische Bürger, die bei Bestätigung der schwerste justizielle Schlag zwischen Washington und Madrid seit Jahrzehnten wäre. Auf der anderen Seite fehlt das Dokument, das aus einer Leckage ein förmliches Verfahren macht. Das vollständige Inventar der Namen, Ämter und Daten, das dieses Narrativ umfasst, ist weitaus länger als hier dargestellt werden kann.
Carvajal, der Zeuge, der Papiere versprach
Im September 2021 erfolgt der am häufigsten zitierte Wendepunkt: Hugo „El Pollo“ Carvajal bekennt sich des Narkoterrorismus schuldig und kündigt an, dem Richter Unterlagen über angebliche illegaler Handlungen im Zusammenhang mit Podemos und Bildu zu übergeben. Mehrere Medien berichten damals, dass der ehemalige venezolanische Militär Beweise anbiete und seine Aussage führende Mitglieder der linken Partei belasten könnte.
Die Erwartungen waren enorm. Die Umsetzung deutlich geringer. In diesem Narrativ erscheint Carvajal als Schützling der Regierung Zapatero und später der Regierung Sánchez, wie in einem der wiedergegebenen Tweets behauptet wird. Aus jener Ankündigung ist bis heute keine gesicherte Anklage gegen jemanden wegen der versprochenen Taten hervorgegangen.
Kinema, Correa und die Millionen der ecuadorianischen Botschaft
Zwei Zahlen tauchen in der Rekonstruktion immer wieder auf. Die erste sind 2,6 Millionen Euro, die die Regierung Rafael Correas angeblich Kinema zugesandt hat, einer mit Podemos verbundenen Genossenschaft. Die zweite sind weitere 2,9 Millionen Euro, die aus der ecuadorianischen Botschaft in Spanien über eine Strohfirma abgeflossen sein sollen. Die ecuadorianische Staatsanwaltschaft, so wird betont, könnte die Führungsspitze der Genossenschaft vorladen.
Es sind Beträge, die immer wieder zitiert werden, aber nie von einem Urteil begleitet sind. Öffentliche Zahlung, nahestehende Genossenschaft und Strohmann: Das Dreieck fügt sich in das Narrativ, doch Einfügen ist nicht Beweisführen.
Zapatero, Aldama und die dominikanische Akte
Das letzte Kapitel verlagert sich auf ein anderes Szenario. Im Juli 2025 wird verbreitet, der Unternehmer Aldama habe die wahren Gründe für Zapateros Reisen in die Dominikanische Republik dargelegt, die als Operationsbasis und regelmäßiges Ziel des offiziellen Flugzeugs dargestellt wird. Ein ehemaliger PDVSA-Führungskraft übergibt dem Richter nach den zitierten Berichten belastende Vereinbarungen zwischen dem Ex-Präsidenten und Maduro.
Im August 2026 folgt das Kapitel, das die Jagd wiederbelebt: Die Trump-Regierung sendet eine klare Botschaft an Zapatero, im Kontext der Festnahme Maduros und seiner unfähigen Reaktion auf die Herkunft bestimmter Juwelen. Der Fall ist zu diesem Zeitpunkt weiterhin ohne bekannte gerichtliche Lösung.
Basen, NATO und die geopolitische Lesart
Es gibt eine Strömung, die alles durch die Landkarte statt durch die Akten erklärt. Die USA unterhalten Militärbasen in Spanien, haben ein Interesse daran, dass sich hier keine radikal linke Regierung festigt, und können es sich nicht leisten, dass ein NATO-Partner zum bolivaristischen Lager wechselt. Aus dieser Sicht wäre die Justizjagd weniger juristisch als strategisch, und ihr Tempo hinge von der Geopolitik ab, nicht von einem Richter.
Die andere Strömung beschränkt sich darauf, den Kalender zu betrachten und seit 2020 denselben Punkt hervorzuheben: Versprechen von Anklagen, geleakte Listen und keine sichtbare Akte.
Mit diesen Teilen wäre eine Stellungnahme angebracht. Sie bleibt aus. Das Narrativ geht weiter, das Dokument nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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