Spanien: Wahlvorbereitungen für den 29. November trotz Haushaltsblockade

Die spanische Regierung schreibt Wahlmaterial aus, während Puigdemont Neuwahlen fordert und der Haushalt blockiert ist.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien rüstet sich für den 29. November: Wahlmaterial ausgeschrieben, Haushalt eingefroren

Finden am 29. November vorgezogene Parlamentswahlen in Spanien statt, oder hat die Regierung nur vorsorglich Stimmzettel drucken lassen? Diese Frage dominiert derzeit die politische Debatte, nachdem bekannt wurde, dass das Wahlmaterial ausgeschrieben wurde, obwohl offiziell keine Wahlen anstehen. Das Detail ist nicht unwichtig: Die Verwaltungsmaschinerie wird immer mit monatelanger Vorlauf aktiviert, und ihr Anlaufen ist oft das erste Zeichen dafür, dass jemand im Hintergrund bereits den Kalender konsultiert hat.

Hinzu kommen Signale aus verschiedenen Richtungen. Puigdemont forderte Sánchez auf, angesichts seiner Unfähigkeit, den Haushalt zu verabschieden, Neuwahlen anzusetzen. In seinem Umfeld wird betont, dass in einer normalen Demokratie der Verlust einer parlamentarischen Mehrheit ausreichen sollte, um die Kammern aufzulösen, ohne dass ein Misstrauensantrag nötig wäre. Währenddessen schlagen Teile der PSOE offen vor, Wahlen auszurufen und die Straße gegen die PP zu mobilisieren. Selbst Abascal versprach, Wahlen in der Comunidad Valenciana zu erzwingen, falls der Präsident vorprescht.

Die offizielle Darstellung geht wie immer einen anderen Weg. Die von Yolanda Díaz geforderte Arbeitszeitverkürzung wurde laut Berichten „im Hinblick auf mögliche Wahlen“ eingefroren, und Sumar hat seine Maschinerie für eine mögliche Vorverlegung im Frühjahr aktiviert. Jedes Teil fügt sich zum nächsten: Wahlmaterial, festgefahrene Haushalte, nervöse Koalitionspartner und eine Partei, die ihren eigenen Führer auffordert, sich dem Votum zu stellen.

Warum wird über Wahlen am 29. November spekuliert?

Das Datum kursiert, weil es passt, wenn die Vorverlegung nach dem Sommer und vor Beginn des neuen politischen Jahres erfolgt. Die Ausschreibung des Wahlmaterials, enthüllt von The Objective, deutet auf eine Logistik hin, die Wochen erfordert: Drucken von Stimmzetteln, Verteilung des Materials an die Wahllokale und Koordination des Apparats. Es ist kein endgültiger Beweis, aber auch kein bloßes Rauschen.

Das Problem für die Regierung ist, dass die parlamentarische Arithmetik keinen Spielraum lässt. Der Haushalt kommt nicht durch, die Partner setzen unter Druck, und die Legislaturperiode verläuft ohne Puffer. In diesem Kontext gewinnt die Theorie der Vorverlegung an Boden, da sie der Exekutive erlaubt, den Zeitpunkt zu wählen, bevor andere ihn bestimmen. Die Frage ist, ob die PSOE lieber den Kalender ausschöpft und riskiert, eine vorhersehbare Niederlage einzufahren, oder ob sie die Notbremse zieht und die Wahlen in ein Plebiszit gegen das gegnerische Lager verwandelt.

Puigdemont setzt Akzente und drängt auf automatische Auflösung

Der ehemalige katalanische Präsident hat eine Idee auf den Tisch gelegt, die in jedem Handbuch des Parlamentsrechts vernünftig klingt: Wenn eine Regierung ihre Mehrheit im Parlament verliert, sollten automatisch Neuwahlen angesetzt werden, ohne dass ein Misstrauensantrag erforderlich ist. Dies ist eine elegante Art zu sagen, dass Sánchez ohne ausreichende Unterstützung regiert und jede Abstimmung zu einer Auktion geworden ist.

Junts hat formell vorgezogene Wahlen beantragt, falls der Präsident keinen neuen Haushalt verabschieden kann. Der Zug hat zwei Seiten: Einerseits übt er Druck auf die PSOE aus; andererseits erinnert er Freunde und Feinde daran, dass ohne ihre Stimmen keine Mehrheit möglich ist. Im Grunde wissen alle Partner, dass ein schwacher Sánchez ihnen mehr nützt als ein starker, denn eine Minderheitsregierung gibt mehr ab, als sie sollte.

PSOE mobilisiert intern, Sumar bereitet sich vor

Während von außen Wahlen gefordert werden, bewegen sich auch innerhalb der Partei Figuren. Laut Berichten haben sich alteingesessene PSOE-Mitglieder zusammengeschlossen, um die Einberufung zu fordern, und einige argumentieren, dass der beste Weg, die Basis zu mobilisieren, die Mobilisierung der Straße gegen die PP sei. Die Strategie ist nicht neu: Die allgemeinen Wahlen in ein Referendum über den Gegner zu verwandeln, statt sie als Bilanz der Regierungsarbeit zu nutzen.

Sumar bleibt nicht untätig. Die Formation von Yolanda Díaz hat ihre Maschinerie für eine mögliche Vorverlegung im Frühjahr aktiviert, wohlwissend, dass jede Woche ohne Wahlen eine weitere Woche der Abnutzung bedeutet. Das Einfrieren der Arbeitszeitverkürzung, das dem Widerstand des sozialistischen Flügels zugeschrieben wird, hat die Nahtstellen der Koalition offengelegt. Falls es Wahlen gibt, wird jeder Partner mit seiner eigenen Erzählung antreten wollen.

Das Kleingedruckte: Aufgeschobene Ermittlungen und verschobene Mandate

Eine Vorverlegung der Wahlen verändert nicht nur den politischen Kalender. Laut Berichten würde die Einberufung die doppelte Beschuldigung der PSOE im Fall „Cloacas“ (Schmutzkampagnen) und wegen illegaler Finanzierung bis nach dem 29. November aufschieben. Das heißt, die Gerichtsverfahren, die die Partei betreffen, würden durch die administrative Pause, die ein Urnengang mit sich bringt, auf Eis gelegt. Die Übereinstimmung ist zumindest auffällig.

Hinzu kommt die Verteilung der Sitze. Die Comunidad de Madrid würde einen Abgeordneten gewinnen und insgesamt 38 Sitze verteilen, während die Provinz Cádiz von neun auf acht fallen würde. Es sind demografische Anpassungen, die bei jeder Wahl angewendet werden, aber in einem so knappen Szenario können sie Mehrheiten entscheiden. Jeder Sitz zählt, besonders wenn Umfragen Blöcke zeigen, die sich innerhalb eines Margins von zwei oder drei Abgeordneten bewegen.

Was passiert, wenn es doch keine Vorverlegung gibt?

Die Option, die Legislaturperiode auszusitzen, bleibt bestehen. Der Haushalt kann unbegrenzt verlängert werden, und es gibt keine rechtliche Notwendigkeit, vorgezogene Wahlen anzusetzen. Dies ist das Argument derer, die glauben, dass Sánchez erst im letzten Moment handeln wird. In diesem Szenario wäre das Wahlmaterial nur eine administrative Vorsichtsmaßnahme, und der Druck von Junts, Sumar und den PSOE-Altvorderen wäre vergebens.

Aber Politik richtet sich nicht nur nach Legalität, sondern auch nach Gelegenheit. Und die Gelegenheit deutet jetzt darauf hin, dass die Regierung alles vorbereiten will, bevor die Abnutzung irreversibel wird. Wenn der 29. November bestätigt wird, dann weil jemand entschieden hat, dass es besser ist, knapp zu verlieren, als ohne Unterstützung zu regieren. Wenn nicht, dann weil die PSOE einen Weg gefunden hat, an der Macht zu bleiben, ohne das Volk zu befragen. In beiden Fällen muss der Gewinner erklären, warum er so gehandelt hat.



Schlüsseldaten

  • Die Comunidad de Madrid würde einen Abgeordneten gewinnen und 38 Sitze verteilen.
  • Die Provinz Cádiz würde von neun auf acht Sitze reduziert.
  • Die doppelte Beschuldigung der PSOE im Fall Cloacas und wegen illegaler Finanzierung würde bis nach dem 29. November aufgeschoben.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (323 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver