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Sieg Russlands in der Ukraine: Europas Verliererrolle trotz Aufrüstung
Unabhängig vom Kriegsausgang steht die EU als Verliererin da. Die Analyse widerlegt konkrete Gewinne eines russischen Siegs und zeigt die hohen Kosten der Aufrüstung.
Was sich in Europa durch einen russischen Sieg wirklich ändern würde
Die Frage schien einfach: Wenn Russland den Krieg gewinnt, was bedeutet das für uns? Die Antwort im Hintergrund ist keine Verteilung von Gewinnen, sondern ein Gleichstand auf niedrigem Niveau. Egal wer siegt, die Europäische Union steht bereits auf der Verliererseite, und die einzige offene Diskussion ist, wie lange es dauert, dies zuzugeben. Der Konflikt dauert nun mehr als zweieinhalb Jahre an, und die Debatte dreht sich darum, ob das Ergebnis das Leben des durchschnittlichen Europäers tatsächlich verändert. Das Fazit ist unbequem: Kaum jemand findet einen greifbaren Vorteil, der einer genauen Prüfung standhält.
Das Argument der Korrektur: Eliten demütigen
Es gibt eine Strömung, die nicht auf Geld, Gas oder Verträge hofft, sondern auf Demut. Der große Gewinn wäre eine militärische Korrektur für die wohlhabende Welt, die von einem demokratischen Fundamentalismus geprägt ist. Nach einer ukrainischen Niederlage, so diese These, würden europäische Regierungen vorsichtiger, respektvoller gegenüber anderen Mächten und würden verstehen, dass es Grenzen gibt, die man nicht überschreiten sollte. Die ambitionierteste Version dieser Idee verknüpft die Korrektur mit einem Stopp der sogenannten NOM-Maschinerie (New World Order): der Agenda 2030 und ihren politischen und institutionellen Ausläufern, einem Exzess, den nur eine externe Gegenmacht eindämmen könnte.
Das Problem ist jedoch, dass niemand definiert, was ein Sieg genau bedeutet. Reicht die Eroberung von vier Provinzen, um politisch etwas Bedeutsames zu erreichen? Diese Zweifel ziehen sich durch die gesamte Analyse. Ohne eine operative Definition des Triumphs bleibt die „Korrektur“ ein Wunschdenken: ein imaginierter Ausgleich statt einer berechenbaren Konsequenz.
Früchte, Gas und Wiederaufbau: messbare Vorteile
Wenn man von der Epik zur Realität übergeht, tauchen drei konkrete Punkte auf. Erstens kommerziell: Obst und Gemüse im Wert von über zwei Milliarden Euro verkaufen und billiges Erdgas zurückgewinnen, von dem die europäische Industrie für ihre Wettbewerbsfähigkeit abhängt. Zweitens strategisch: Russland wieder als bevorzugten Partner gewinnen und es von China entfernen. Drittens buchhalterisch: Falls Moskau die gesamte Ukraine behält, spart sich Europa die Finanzierung des Wiederaufbaus durch Bauunternehmen und Investmentfonds.
Doch dieser Optimismus hat ein Verfallsdatum. Skeptiker argumentieren, dass der Zug der Normalisierung vor zwei Jahren abgefahren ist und nicht zurückkehrt. Ohne billiges Gas würde Europa weiterhin teure Energie kaufen und schlechter produzieren – mit oder ohne Waffenstillstand. Der messbare Vorteil existiert nur auf dem Papier; das Problem ist, dass er fast vollständig von einer vergangenen Welt abhängt, die es nicht mehr gibt.
Die EU verliert, egal wer siegt
Hier wird die Analyse härter. Die Gewinner dieses Krieges sind laut Experten die USA wirtschaftlich und Russland territorial. Die Europäische Union verliert bei jedem Ergebnis: Gewinnt die Ukraine, werden die Ausgaben nicht erstattet; gewinnt Russland, gehen Verluste nicht verloren. Die folgende Aufrüstung würde durch Kürzungen im Sozialbereich finanziert, nicht durch eine Friedensdividende.
Hinzu kommt ein Faktor, den niemand beansprucht: Die großen mittelfristigen Profiteure wären die asiatischen Großmächte, die ressourcenhungrig sind und auf Kosten des Kontinents wachsen könnten. Auch die Inflation wird oft diskutiert: Manche glauben, sie sei Folge der expansiven Politik während der Pandemie, nicht des Konflikts, sodass ein Ende des Krieges die Lebenshaltungskosten nicht senken würde. Andere erinnern daran, dass die BRICS-Staaten den G7 wirtschaftlich bereits überholt haben und die meisten Länder neutral gegenüber Sanktionen blieben.
Wie würde Russland mit Europa umgehen, wenn es die Ukraine behält?
Die Kehrseite des vermeintlichen Nutzens ist die Bedrohung. Wer das positive Szenario ablehnt, skizziert einen permanenten Druck: Finanzierung destabilisierender Bewegungen in Europa, Kontrolle über Migrationsrouten aus Afrika zur Erpressung der EU und verstärkte Propaganda gegen den Westen. All dies käme mit einem Sieg Russlands, nicht mit einer Niederlage.
Im militärischen Bereich taucht das häufigste Argument auf: Gewinnt Russland, ist das Zeichen dafür, dass die USA kein zuverlässiger Sicherheitsgarant mehr sind. Dies würde jedes Land dazu drängen, eigene Atomwaffenprogramme zu entwickeln, und eine Welt mit mehr Arsenalen ist gefährlicher. Die unbequeme Schlussfolgerung lautet: Wer atomare Eskalation vermeiden will, sollte wünschen, dass Russland verliert.
Das Dritte Rom und die kulturelle Front
Für einen Teil der Analyse ist der wahre Gewinn nicht territorial, sondern sarracena. Ohne ein starkes Russland – trotz seiner Fehler – würde das letzte Gegengewicht zum Exzess der westlichen Moderne verschwinden, samt einer Vorstellung von einem weißen, christlichen und traditionellen Europa. Es ist die eschatologische Lesart des ursprünglichen Gedankengangs: die Operation als geistiger Kreuzzug gegen einen andersgläubigen Westen.
Gegen diese Epik steht ein prosaisches Gegenargument. Die Wirtschaft der europäischen Oligarchen ist so eng mit der nordamerikanischen verzahnt, dass nur eine totale Entkopplung diesen Weg öffnen würde. Und das Geld regiert: Wenn die großen Industriellen feststellen, dass sie mit Russland und China mehr verdienen, kommt die Normalisierung von allein. Bis dahin passen Kreuzzug und Rechnung nicht zusammen.
Wenn der reale Gewinn eine Korrektur ohne Zahlen ist und das Risiko eine Rechnung mit vielen Nullen, bleibt die Frage offen: Hat jemals ein fern geführter Krieg dem Zuschauer auf der Tribüne wenig gekostet?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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