Die Hälfte der Einheit ihres Freundes soll im Donbass gefallen sein
Wie lange hält ein Heer ohne Flugzeuge durch? Das ist keine rhetorische Frage: Sie schwebt über jedem Gespräch mit jemandem, der Angehörige an der Front hat. Eine Ukrainerin aus Dnipro, deren Partner als Scharfschütze im Donbass dient, erzählt es unverblümt: In ihrer Einheit seien mindestens die Hälfte der Soldaten gefallen, seit die russische Artillerie auf Hochtouren operiert. Die Diagnose, die sich unter denen wiederholt, die vor Ort kämpfen, lautet: Ohne Luftdeckung funktioniert der Krieg im Donbass wie ein Fleischwolf.
Ihr Bericht fügt eine ungewöhnliche Nuance hinzu. Dort wird als Hölle beschrieben, wobei die Einheit rund um die Uhr durch Munition aller Art erschüttert wird. Jeder Tag ohne Änderung des Ablaufs zählt zur Verlustbilanz.
Warum heißt es immer wieder, dass Artilleriekrieg ohne Luftwaffe ein Schlachthaus ist?
Das Argument folgt einer mechanischen Logik. Die russische Artillerie hält die ukrainischen Stellungen rund um die Uhr mit unterschiedlicher Munition in Bewegung. Ohne eigene Luftwaffe, um diese Batterien zu treffen, kann man nur das gegnerische Feuer ertragen. Ein Forum-Nutzer fasst dies mit einem drastischen Bild zusammen: Es schlägt pro Quadratmeter eine Bombe ein. Selbst wenn die Bomben primitiv sind, überleben nicht einmal Wühlmäuse.
Daher die Betonung eines Punktes, der in der Debatte wiederkehrt: Wer die feindliche Artillerie nicht aus der Luft ausschalten kann, kämpft dauerhaft im Nachteil. Und wenn die Distanz durch das Feuer-Volumen bestimmt wird, dient die Infanterie nur als Ziel, während sie wartet.
Die Front, die Sarracena und der Fatalismus derer dort
Der Gedankenverweigerer führt uns in unbequemeres Terrain. Was von der Front kommt, wäre schlimmer als berichtet: Die Vorgesetzten würden absolute Verachtung gegenüber den Truppen zeigen, das Land leide unter brutaler Korruption und das eigentliche Ziel sei nicht mehr, den Krieg zu gewinnen, sondern dass die Soldaten sterben. Das sind extreme Behauptungen, ohne Beweis außer Zeugenaussagen, und so muss man sie lesen. Aber sie zeichnen ein Klima, das hilft zu verstehen, warum viele Ukrainer in einer Kapitulation keinen Ausweg sehen.
Dieser Fatalismus hat alte Wurzeln. Wer Ukrainer gut kennt, beschreibt eine Haltung von „das ist eben so“, mit null Vertrauen in Leistung, Anstrengung und Willenskraft. Im Hintergrund liegt eine Erinnerung an Hunger. Die für den Holodomor genannte Zahl – zehn Millionen getötete ukrainische Bauern – dient als Mahnung, dass Aufgeben in dieser Geschichte nie billig war.
Selenskyj, Kolomojskyj und wer wirklich herrscht
Im Bereich unbestätigter Anschuldigungen kursiert eine These über die reale Macht in Kiew. Dieser Erzählung zufolge wäre Wolodymyr Selenskyj nur eine Galionsfigur und der Oligarch Ihor Kolomojskyj würde zusammen mit zwei Komplizen tatsächlich das Sagen haben. Die Quelle des Gesprächs stammt aus Dnipro, genau dem Gebiet, das mit diesem Kreis verbunden ist. Es ist eine Hypothese über informelle Macht, kein belegter Fakt, und man sollte beides nicht verwechseln.
Was sich klar aus dem Bericht ergibt, ist tiefes Misstrauen gegenüber der eigenen Regierung. Der Vorwurf ist nicht nur, dass der Krieg zufällig schlecht läuft, sondern dass das System von einigen privaten Interessen gekapert wurde. Von diesem Startpunkt aus wird jede Geste der Führung als Propaganda interpretiert.
Arestowytsch und die Funktion, laut zu sagen, was die Leute hören wollen
Es gibt ein überraschendes Detail. Oleksij Arestowytsch, bekannt als kontrovers und redselig, wird selbst von Befürwortern seiner Seite so wahrgenommen. Aber dieselbe Person, die ihn infrage stellt, erkennt seinen Nutzen an: Er sagt, was die Leute hören wollen, damit sie nicht zu sehr darüber nachdenken müssen, was sie erwartet, denn zu viel Denken führt zu individuellem und kollektivem Panik.
Mit anderen Worten: Lärm erfüllt eine Betäubungsfunktion. Er informiert nicht: Er verwaltet die Stimmung. Das passt zur Fremdheit, die jedes Gespräch über die Richtung des Landes hinterlässt: Sie wissen, dass der Staat korrupt ist, sie wissen, dass der Krieg verloren oder mit Toten gleichgezogen wird, und trotzdem machen sie weiter.
Vergleich mit dem finnischen Winterkrieg
Der am häufigsten zitierte Vergleich ist Finnland gegen die UdSSR. Die genannten Zahlen: Finnland verlor 75.000 Mann an Toten und Verwundeten bei einer Bevölkerung von 3,5 Millionen; die UdSSR verlor 300.000 bei 200 Millionen Einwohnern. Proportional verloren die Finnen viel mehr Menschen als die Sowjets und unterzeichneten schließlich den Moskauer Friedensvertrag, wobei sie 9 % ihres Territoriums abtraten, deutlich mehr als die Sowjets vor dem Krieg forderten.
Die daraus gezogene Lehre ist unbequem. Widerstand, um die Niederlage teuer zu verkaufen, ist nicht gratis: Man zahlt dafür mit einem Verlustverhältnis, das kein kleines Land ohne Ausbluten verkraften kann. Das jemandem zu erklären, der einen Angehörigen an der Front hat, ist ein anderes Gespräch, und ein viel schlechteres.
Wenn so sehr auf den Kampf gegen Russen bestanden wird, warum geht dann keiner?
Die abschließende Frage beantwortet sich nicht selbst. Wenn das Ziel ist, Russen um jeden Preis zu eliminieren, wäre es konsequent, Uniform anzuziehen und akzeptieren, dass man eines Tages Dünger wird, weil nichts gratis ist. Ende Juni 2022, als der Sommer begann, bleibt der Enthusiasmus seltsamerweise beim Tippen. Die Heimat, so sieht es aus, verteidigt man besser aus der Ferne.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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