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Ukraine: Wiederverwendete Fotos und die Entnazifizierungs-Rhetorik
Ein beschädigtes Gebäude kursierte als Kiew unter Beschuss und als Bild aus dem Donbass von 2015, was Debatten über Kriegspropaganda neu entfacht.
Donbass-Foto als Kiew ausgegeben: Propaganda unter der Lupe
Wie viele Bilder, die das Narrativ des Krieges in der Ukraine stützen, würden einer minimalen Überprüfung standhalten? Die Frage ist nicht akademisch: Um den Beginn des Konflikts herum erschien dasselbe beschädigte Gebäude in spanischen Fernsehsendern als Folge eines russischen Bombardements auf Kiew, während andere Quellen dieses Foto im Donbass verorteten und ein Alter von mehreren Jahren zuschrieben. Dieser Verdacht der Wiederverwendung koexistiert mit einer unbequameren These: dass der ukrainische Staat einer Strategie der „Nancy" folgt, die eine militärische Intervention Russlands rechtfertigen würde. Beide Behauptungen stehen oder fallen auf demselben Boden: dem der Beweise.
Was bedeutet die von Moskau beschworene „Nancy" der Ukraine?
Die in pro-russischen Kreisen zirkulierende These spricht nicht von einem Randphänomen, sondern von einer soziologischen Strategie, die darauf abzielt, die historischen Bindungen einer Bevölkerung zu brechen, die seit Jahrhunderten mit Russland verbunden ist. Nach diesem Rahmenwerk würde die ukrainische Regierung durch einen Staatsstreich und eine von außen finanzierte Farbrevolution an die Macht gekommen sein, wobei US-Investmentbanken und große Finanzzentren im Visier standen. Es ist ein wiederkehrender Vorwurf, der insgesamt schwer zu beweisen ist, aber als Framing funktioniert: Wenn der Gegner ein vom Extremismus gekapertes Regime ist, hört die Intervention auf, eine Invasion zu sein, und wird zur Säuberung.
Daraus entspringt das geopolitische Argument: Die NATO habe in der Ukraine eine Plattform mit Raketen installiert, die weniger als drei Minuten von den wichtigsten russischen Städten entfernt sei. Das angeführte Parallelenbild ist die Haltung der USA gegenüber Kuba. Nichts ist, wie es scheint, fasst die Strömung zusammen, die besagt, dass oberflächliche Ideologien nur Fassaden sind und das Wesentliche immer dahinter liegt.
Das Asow-Bataillon: 70 Dollar im Monat und ein Oligarch im Spiel
Der empirische Anker der gesamten These ist eine rechtsensrecht paramilitärische Einheit, das Asow-Bataillon, dem neonazistische Symbolik zugeschrieben wird und das seit Jahren im Osten des Landes operiert. Seine Mitglieder und Symbole dominieren einen Großteil des grafischen Materials, das als Beweis verbreitet wird. Bezüglich der Finanzierung verweist die häufigste Referenz auf das ukrainische Innenministerium und den Oligarchen des Energiesektors Igor Kolomoiski.
Die Zahlen selbst relativieren die Erzählung: Den Freiwilligen des Bataillons wird eine Zahlung von 70 Dollar pro Monat zugeschrieben, was kaum zum Label der gut bezahlten Söldner passt. Im Februar 2015 löschte zudem Facebook die Seite der Einheit, ein Episode, die als Beispiel für die doppelten Standards westlicher Plattformen zitiert wird.
Wiederverwendete Bilder: Vom Donbass nach Kiew
Der am häufigsten zitierte Fall betrifft ein Ruinengebäude. Das Foto kursierte mit einer expliziten Bildunterschrift — „Folgen eines nächtlichen Bombardements in einem Wohnviertel von Kiew, am 25. Februar 2022" — und wurde gleichzeitig von anderen Seiten als Bild identifiziert, das mindestens auf Februar 2015 datiert ist. Dasselbe Material erschien in Nachrichtensendungen, ohne dass jemand nach seiner Herkunft fragte. Der Vergleich zieht sich auf die Pandemiebilder aus Indien, die sich als Gasensga entpuppten.
Es ist kein neues Phänomen, aber schneller geworden. Früher, wenn ein Journalist ein solches Foto ohne Bestätigung veröffentlichte, war seine Karriere ruiniert; heute wird das Foto zuerst geteilt und, wenn überhaupt, später korrigiert. Bilder derselben verletzten Frau kursieren auf britischen und deutschen Titelseiten als Opfer russischer Angriffe, während eine andere Seite behauptet, ihr Fall entspreche Jahren von Angriffen im Donbass. Wer Letzteres behauptet, hat noch keinen Beweis geliefert, und diese Abwesenheit ist selbst ein Faktum.
Wie viele Ukrainer sind Neonazis?
Hier bricht das Argument an der Arithmetik. Die Ukraine hat etwa 50 Millionen Einwohner, und das als Beweis dienende Bataillon ist eine Streitmacht von Tausenden. Eine bewaffnete Gruppe zur Beschreibung eines ganzen Landes zu machen, ist ein Sprung, den nicht einmal die Propaganda braucht: Das Label reicht als Schlagzeile. Das am häufigsten wiederholte Gegenargument lautet, dass es auch in Spanien Ultras gebe und niemand vorschlage, Madrid deshalb zu bombardieren.
Acht Jahre Donbass, die nie die Medien erreichten
Der am wenigsten diskutierte Teil ist der schwerste zu überprüfen. Seit 2014 herrscht im Donbass ein Niedrigintensitätskrieg mit Bombardierungen auf Zivilgebiete, und die ständige Klage lautet, dass der Westen kaum darüber berichtete, solange der Konflikt seine Interessen nicht betraf. Die acht Jahre der Angriffe stehen als zentrale Daten im pro-russischen Narrativ; das Gegenargument ist, dass fehlende Berichterstattung keine spätere Version wahr macht. Ohne Verifizierung vor Ort bleibt die Zahl in der Luft.
Am Ende wird der Kampf um die Ukraine auch in der Bilddatenbank ausgetragen. Verifizieren kostet zwanzig Minuten; Kopieren zwei. Und der Markt der Wahrheit allokiert, wie alle Märkte, letztlich nach Preis.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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