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Ukraine prüft Rekrutierung von Ukrainern im Ausland
Ukraine erwägt Mobilisierung von Männern im Ausland
Kann man jemanden einziehen, der nicht mehr auf dem Staatsgebiet lebt? Die Ukraine ist bereit, es zu versuchen. Am 21. Dezember erklärte Verteidigungsminister Rustem Umerov gegenüber Die Welt, sein Land wolle die im Ausland lebenden Ukrainer mobilisieren und könnte Sanktionen gegen jene verhängen, die sich nicht bei den Wehrämtern melden. Wenige Stunden später betonte Pressesprecher Illarion Pavliuk gegenüber dem ukrainischen Medium Babel, dass diese Aussagen aus dem Kontext gerissen worden seien und keine aktive Debatte über dieses Thema stattfinde. Beide Versionen bleiben bestehen.
Was genau sagte Umerov?
Der Minister beschrieb ein zweistufiges Verfahren. Zunächst sollten Männer «eingeladen» werden, sich bei den Wehrämtern zu melden; falls sie nicht freiwillig kämen, würden Maßnahmen ergriffen. «Wir diskutieren noch, was passiert, wenn sie nicht freiwillig kommen», fügte er hinzu. Die spätere Stellungnahme seines eigenen Ministeriums milderte den Ton: Umerov habe allgemein darüber gesprochen, wie man Ukrainern im In- und Ausland die Bedeutung des Militärdienstes verdeutlichen könne.
Das Detail ist wichtig, weil der Rahmen nicht nur rhetorisch ist. Das Kriegsrecht verbietet Männern zwischen 18 und 60 Jahren die Ausreise aus der Ukraine, außer in besonderen Fällen. Im Ausland bleiben daher nur jene, die vor Inkrafttreten dieser Regel oder unter Berufung auf Ausnahmeregelungen ausgereist sind.
Die 500.000 Soldaten, die Selenskyj erwähnt
Der Ursprung der Thematik liegt in einer Zahl. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 19. Dezember, sein Land plane die Mobilisierung von 450.000 bis 500.000 neuen Soldaten. Bereits im November hatte er dem Verteidigungsminister und dem Oberbefehlshaber, Valerii Zaluzhnyi, den Auftrag gegeben, ein neues Verfahren zur Gewinnung dieser Personenzahl zu entwickeln. Selenskyj warnte selbst, dass der Plan zuvor die Rotation und Demobilisierung der Truppen lösen müsse, die seit fast zwei Jahren kämpfen. Ohne dies würde er den Plan nicht unterstützen.
Hier zeigt sich die unbequeme Arithmetik. Mehrere Beiträge in der Debatte stimmen darin überein, dass die Rekrutierung und Ausrüstung von einer halben Million Menschen eine logistische Herausforderung ist, die jede optimistische Berechnung übersteigt. Das mildeste Szenario geht davon aus, dass es genügend Ersatzkräfte gibt; das härteste geht davon aus, dass es weder im Inland noch im Ausland welche gibt.
Wo sind die Gebliebenen?
BBC Ukraine schätzte, dass seit Beginn der großangelegten Invasion bis zu 650.000 wehrfähige ukrainische Männer nach Europa geflohen sind. Laut einer in sozialen Medien verbreiteten Zahl, die sich auf BILD beruft, seien seit Kriegsbeginn 221.571 Ukrainer im Alter von 18 bis 60 Jahren nach Deutschland eingereist, und 189.484 befänden sich noch dort.
Die deutsche Durchsetzungsfähigkeit ist die erste Zweifelssituation in der Diskussion. Ein Teilnehmer argumentiert, dass mit etwa 290.000 Polizisten die Idee, fast 190.000 Ukrainer aufzuspüren und an eine Grenze zu führen, rechnerisch nicht tragfähig sei, unabhängig davon, woher die Befehle kämen.
Wie setzt man einen solchen Befehl um?
Zehntausende Menschen physisch zu verfolgen, ist schwierig; ihr Leben einzuschränken, ist einfach. Ein im Diskurs vorgeschlagener Weg ist nicht die Verhaftung, sondern die administrative Erstickung: Sperren von Bankkonten, Entzug von Arbeitserlaubnissen, Konditionierung von Sozialleistungen. Ziel ist es, dass die Rückkehr weniger schlimm erscheint als das Bleiben. Bei Bedarf werden Gesetze geändert. Vor allem aber werden die Alliierten Regierungen in Zwickmühlen gebracht: Druck auf Personen mit Flüchtlingsstatus ausüben.
Hier wird der Vergleich explosiv. Wie ein anderer Teilnehmer betont, kann einem weißen Europäer, der vor dem Krieg flieht – auch wenn er Ukrainer ist –, die Rückkehr an die Front abverlangt werden, während andere Flüchtlinge aus anderen Konflikten geschützt werden. Dieser doppelte Maßstab ist für die Kritiker der Kern vieler Unzufriedenheiten.
Kinder, die nicht auf Listen stehen
Keine Mobilisierung wirkt so glaubwürdig wie die der anderen. Ein Teilnehmer weist darauf hin, dass die Söhne von Führungskräften und bekannten Persönlichkeiten auf keiner Liste stehen: Er merkt an, dass einige offen im Vereinigten Königreich leben und dass ein anderer im April 2024 das wehrpflichtige Alter erreichen wird. Diese Behauptungen kursieren und nähren den Verdacht, dass der Krieg mit fremden Kindern geführt wird.
Der Soldat, der nicht dort sein will
Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit zwangsrekrutierter Truppen prognostiziert einer der meistunterstützten Beiträge der Debatte, dass ein unmotivierter, gezwungener und demoralisierter Soldat eher an Flucht, Kapitulation oder Sabotage denkt als an Kampf. Jemanden zu zwingen, in einem Krieg zu kämpfen, den er nicht führen will, verdoppelt nicht seinen Willen; es verdoppelt seinen Groll. Und dieser Groll richtet sich gegen ein konkretes Ziel, das nicht der Feind ist.
Offenes Ende
Die Sache bleibt dort, wo sie war: eine Erklärung, eine Richtigstellung und keine formale Entscheidung. Selenskyj knüpfte den Plan an die Lösung der Rotationsfrage; das Ministerium sagt, die Auslandsrekrutierung werde nicht diskutiert. Und ein Link zu einem Forum behauptet, Estland bereite bereits die Mobilisierung seiner Landsleute vor. Es «Einladung» zu nennen, ist zumindest eine elegante Umschreibung für die bevorstehenden Sanktionen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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