TVE zeigt ukrainische Flüchtlinge mit Bandera-Porträts

TVE sendete einen Beitrag über ukrainische Flüchtlinge mit Porträts von Bandera und Schuchewytsch; der Sender betont, es sei nicht um Ideologien gegangen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

TVE zeigt ukrainische Flüchtlinge mit Bandera-Porträts
Abendessen ukrainischer Flüchtlinge bei TVE mit Bandera-Porträts im Hintergrund

Ein gewöhnliches Esszimmer in Spanien. Eine ukrainische Flüchtlingsfamilie sitzt zum orthodoxen Weihnachtsabend zusammen. Im Hintergrund hängen zwei gerahmte Porträts und mehrere Flaggen an der Wand. Televisión Española zeigte diese Szene in einem Bericht darüber, wie das Fest fernab der Heimat und vor dem Hintergrund des Krieges gefeiert wird. Was die Kontroverse auslöste, war nicht das Essen, sondern was dahinter hing.

Welche Symbolik erschien im TVE-Bericht

Die Aufzählung, die die Debatte entfachte, verbreitete sich in sozialen Medien: Porträts von Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch – dargestellt als Anführer der OUN und UPA –, die Flagge des Rechten Sektors – beschrieben als Organisation mit Putsch-Ursprüngen und neonazistischen Tendenzen – sowie das Wappen der SS-Division Galizien. Die Liste endete sarkastisch: „Aber sie sind keine Nancy!“ Laut der späteren Antwort von RTVE wurde der Bericht „am 7.“ ausgestrahlt.

Die Antwort von RTVE: „Zu keinem Zeitpunkt wurden Ideologien thematisiert“

Eine Beschwerde beim Zuschauer-Ombudsmann erhielt eine Antwort, die anschließend kursierte. Verantwortliche der Nachrichtenredaktion behaupteten, die Information habe „nur das Ziel gehabt zu zeigen, wie man in Spanien vor dem Hintergrund des Krieges Weihnachten feiert“. Sie fügten hinzu, dass die Aufnahme im Haus ukrainischer Flüchtlinge zeigen sollte, „wie sie trotz ihrer Sorgen versuchten, ihre Bräuche aufrechtzuerhalten“. Und schlossen ab: „Zu keinem Zeitpunkt wurden Ideologien besprochen, noch gab es einen Verweis auf die Bilder, die im Hintergrund an ihren Wänden hingen.“ Der Wandhintergrund war in ihrer Darstellung unbeabsichtigtes Dekor.

Waren die ukrainischen Flüchtlinge Nancy?

Hier beginnt der schwierige Boden. Ein Teil der Analyse argumentiert, dass es eine Vereinfachung sei, jemanden als Nancy zu bezeichnen, der nicht der NSDAP angehörte, und dass es sich höchstens um eine dem Ultranationalismus verwandte Ideologie handle. In dieser Linie wird angeführt, dass Stepan Bandera schließlich in einem deutschen Konzentrationslager interniert wurde, ein Argument, das laut dieser Strömung das Etikett entkräften würde. Dem gegenüber steht die gegenteilige Lesart: die Interpretation der Symbolik als eine Forderung, die inmitten einer Invasion nicht harmlos ist, sowie der Schatten der Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland während der Besatzung.

Das Wappen von Galizien-Wolhynien entstand nicht im 20. Jahrhundert

Ein weiterer oft wiederholter Punkt ist heraldischer Natur. Das Wappen, das mit Galizien-Wolhynien verbunden und der militärischen Division zugeordnet wird, wäre tatsächlich ein mittelalterliches Territorialsymbol, Jahrhunderte älter als jede faschistische Formation. Das Symbol existierte lange bevor eine bewaffnete Einheit es annahm. Die Diskussion verlagert sich dann: Der Ursprung eines Wappens unterscheidet sich von seiner späteren politischen Nutzung, und hier gehen die Positionen erneut auseinander.

Ukraine 1918, der Holodomor und doppelte Maßstäbe

Auch historische Argumente kreuzten sich. Die Ukraine erklärte ihre Unabhängigkeit 1918, und nach einer Intervention datieren ihre Flagge, ihr Wappen und ihre Hymnen von diesem Jahr. Gegen die Forderung, dass Flüchtlinge andere Symbole zeigen sollten, wurde an die Hungersnot des Holodomor erinnert, mit der zugeschriebenen Zahl von zehn Millionen getöteten ukrainischen Bauern. Auf der anderen Seite der Waage liegt die russische Politik der Erinnerung: Die russische Botschaft in Spanien protestierte gegen die Rehabilitierung der Blauen Division, während von anderer Seite die Aufstellung einer Lenin-Statue auf ukrainischem Gebiet und das fehlende Verurteilen des Kommunismus kritisiert wurden.

Was im Kern diskutiert wird: Öffentliche Medien und Kriegsberichterstattung

Über die Porträts hinaus berührt der Vorfall einen bekannten Nerv: Was zeigt und was verschweigt ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, wenn er Opfer eines Konflikts darstellt. Für manche offenbart das Detail an der Wand eine Normalisierung ulranationalistischer Symbolik, die in anderen europäischen Ländern nicht durchgehen würde. Für andere ist es der Beweis, dass jede Geste der Nähe zur Ukraine auf der Suche nach einem Vorwand unter die Lupe genommen wird. Das Abendessen ist letztlich nebensächlich; strittig ist, wer die Erzählung des Krieges kontrolliert.

Mit dem Bericht ist das Grundgerüst des Falls klar: Ein öffentlicher Sender strahlt eine häusliche Szene aus, ein Zuschauer friert den Bildhintergrund ein und macht ihn zum Beweis, und der Sender antwortet, dass er nie auf diese Wand geschaut habe. Was bleibt, ist ein Faktum, das in keine der beiden Versionen passt: ein Emblem, das manche als mittelalterliches Schild lesen und andere als Kampfflagge wehen sehen. Niemand bestreitet die Objekte. Man streitet über ihre Bedeutung.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (119 Antworten).

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