TVE und das 'Gericht' über die Jugend: Opferritual oder Realityshow der Prekarität?
Eine neue Sendung des spanischen Öffentlich-Rechtlichen TVE, 'El Juicio', hat die sozialen Medien in Aufruhr versetzt mit ihrer besonderen Inszenierung: ein Gericht mit Richter und Jury, das junge Menschen wegen ihres Lebensstils verurteilt. Die Satire ließ nicht lange auf sich warten: Die schärfsten Kritiker deuteten das Konzept als generationalen Opferritus mitten in der Wohnungs- und Arbeitsmarktkrise.
Ein Casting, das niemanden täuscht
Zur Besetzung der Sendung gehören Figuren wie Richter Tarridellas, Jurorin Monserrat Gurruchaga, die Geschwister Punset, Schauspieler Otilio Roquefort oder Eulàlia Barrabeig. Ein Mix, der laut den Kommentaren eher an ein Lustspiel erinnert als an eine ernsthafte Debatte über die realen Probleme der Jugend. Der Schatten des alten 'Tribunal Popular' aus den 80ern schwebt darüber, nur mit deutlich weniger Talent und mehr Geste.
Die Wirtschaft, die im Urteil nicht vorkommt
Während die TV-Show mit erhobenem Zeigefinger auf die Jugend zeigt, zeichnen die Arbeitsmarkt- und Wohnungszahlen ein anderes Bild: befristete Verträge, explodierende Mieten und abgeschirmte Renten. Die Ironie, dass eine steuerfinanzierte Sendung ausgerechnet diejenigen verurteilt, die die Zukunftsschulden tragen, bleibt nicht unbemerkt. "Der Gesellschaftsvertrag ist gebrochen", fasst eine Analyse zusammen, während eine andere voraussagt, dass die Entfremdung der Jugend nur weiter wachsen wird.
Unterhaltung oder Zirkus?
Die Debatte, ob 'El Juicio' harmlose Unterhaltung oder ein Symptom der Entfremdung zwischen den Generationen ist, ist eröffnet. Die Frage, die im Raum steht: Zeichnet TVE mit seinem neuen Format die Jugend oder zeichnet es sich selbst als eine Institution, die in der Vergangenheit feststeckt? Die Zeit – und vielleicht die nächste Realityshow – wird es zeigen.
Verwandte Diskussionen im Forum